| 19:13 Uhr

Jede Geste zählt

Regisseur Thomas Scherer (l.) erklärt Schauspieler Thomas Engel den Ablauf der Szene. Foto: Dietze
Regisseur Thomas Scherer (l.) erklärt Schauspieler Thomas Engel den Ablauf der Szene. Foto: Dietze FOTO: Dietze
Höchen. Startschuss für die Dreharbeiten zur Ferseh-Serie „Unter Tannen“: Seit Freitag dreht der Bexbacher Regisseur Thomas Scherer eine schwarze Komödie über drei Waldarbeiter. Die SZ hat hinter die Kulissen geschaut. Sarah Umla

Die massive Eisentür fällt hinter Paul ins Schloss. Der Waldarbeiter läuft mit kräftigen Schritten in Richtung Beichtstuhl, nickt einer älteren Dame auf der Kirchenbank zu, schaut zum Pfarrer am Altar und verschwindet nach wenigen Sekunden hinter einer Holztür. "Danke", hallt es durch die katholische Kirche in Höchen . Paul, der eigentlich Gerhard Polacek heißt, tritt wieder aus dem Beichtstuhl. Wo es eben noch recht still war, werden unter fachmännischer Anweisung Pappwände und Scheinwerfer verschoben. Regisseur Thomas Scherer läuft auf Polacek zu, klopft ihm auf die Schulter und gibt ihm Anweisungen, was er bei der nächsten Aufnahme besser machen kann. Alles muss sitzen, jede Geste zählt, die Einstellung muss passen. Scherer legt Wert auf jedes Detail. "Ich mache von jeder Szene oder Kameraeinstellung drei bis vier Takes", erläutert der 27-Jährige aus Höchen . Es gebe immer irgendeine Kleinigkeit, die er noch ändern müsse.



Seit 8.30 Uhr sind Scherer und sein 15-köpfiges Team auf den Beinen. In der Höcher Kirche liegen kreuz und quer Kabel verteilt, auf einem Tisch stehen Kaffee, Wasser und Snacks bereit. Links bei den Kirchenbänken neben dem Altar liegen Schminkutensilien, hier werden die Schauspieler gepudert und drehfertig gemacht. Bis in die Abendstunden soll das Team hinter und vor der Kamera werkeln. Heute ist der erste von sechs Drehtagen à acht Stunden für Scherers Serie "Unter Tannen ". Sie handelt von den drei Waldarbeitern Paul, Kalle und Boris, die einen Koffer voller Geld im Grünen finden. Dass die eigentlichen Besitzer das Geld dann zurück haben wollen, erstickt den Jubelschrei der Forstarbeiter. Paul, gespielt von Schauspieler Gerhard Polacek, erzählt die Geschichte dem Pfarrer (Thomas Engel) im Beichtstuhl. Diese Szene im Beichtstuhl soll heute in den Kasten.

Scherer ist nicht nur der Regisseur, sondern auch der Drehbuchautor der Serie. Knapp 25 Minuten soll die erste Episode dauern und ist zugleich seine Abschlussarbeit für die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien in Offenburg. Wie viele Folgen entstehen, ist noch nicht sicher. "Erste Entwürfe für Episode zwei und drei liegen bereit", erzählt Scherer. Bis die erste Episode dann abspielbereit ist, könne es noch bis Oktober oder November dauern. Wo sie ausgestrahlt wird, ist noch nicht klar. "Hoffentlich im Saarländischen Rundfunk", sagt er.

Zeit ist kostbar. Scherer ist überall - aber nie lange. Ständig hechtet er von einer zur anderen Seite in der Kirche. Ein Laie würde vermuten, die Eingangsszene ist doch nach 20 Minuten im Kasten. Nichts da. Kameramann David Hugle baut das Equipment vorne neben dem Altar auf, wieder läuft Polacek zum Beichtstuhl, nach fünf Takes will Scherer noch eine Nahaufnahme. "Ich mache heute hier meine Kilometer", sagt Polacek lachend.

In der Kirche ist es zwar angenehm kühl, aber nach dem gefühlten 20. Mal Laufen fängt der 62-Jährige in seiner Waldarbeiter-Arbeitsjacke doch an zu schwitzen. Schnell wird nachgepudert. Polacek ist ein alter Hase im Filmgeschäft und hat schon in rund 50 Filmen mitgespielt - auch schon in Scherers Filmen, so etwa in dem 2014 erschienen Kurzfilm "On the drive". "Thomas und ich haben schon zwei Mal miteinander gearbeitet", erzählt der gebürtige Österreicher. Für "Unter Tannen " lernt er sogar Saarländisch. Denn die Serie ist Scherers erstes Projekt im saarländischen Dialekt.

Viel Zeit zum Kaffeekränzchen bleibt Polacek nicht, wieder wird das Set umgebaut. Die Kamera ist auf den Beichtstuhl gerichtet, drei Mal läuft der 62-Jährige zum Beichtstuhl, zieht die Tür zu. "Das passt", ruft Scherer. Es ist schon kurz nach 13 Uhr. Zeit für eine Pause. Zumindest für einen Teil der Leute. Fünf Leute fuchteln mit Tape, Metallgitter und Folie in der rechten Kabine herum. Polacek schaut nochmal ins Drehbuch, geht konzentriert seinen Text durch. Andere schnappen draußen frische Luft, bevor es in wenigen Minuten weitergeht.