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Auf dem Gelände des Saarpfalz-Parks in Bexbach
Höchste Gefahr im Drogenlabor

Mit Spezialanzügen machten sich die Einsatzkräfte des Gefahrstoff-Zuges des Saarpfalz-Kreises auf, um Verletzte aus einem „explodierten“ illegalen Drogenlabor zu retten.
Mit Spezialanzügen machten sich die Einsatzkräfte des Gefahrstoff-Zuges des Saarpfalz-Kreises auf, um Verletzte aus einem „explodierten“ illegalen Drogenlabor zu retten. FOTO: Thorsten Wolf
Bexbach. Der Gefahrstoff-Zug der Feuerwehren des Saarpfalz-Kreises war zur Großübung ausgerückt. Das Szenario: Ein Unglück in einer Drogen-Küche. Von Thorsten Wolf

Der Kellerraum ist dicht verraucht, Techno-Musik dröhnt durch den langen Gang. An mehreren Ecken brennt es, auf einen Tisch verstreut liegen Labor-Utensilien. Es riecht nach einer Explosion, auf dem Boden liegen Tütchen mit einer weißen Substanz. Das Ganze wirkt wie eine Mischung aus Dantes Inferno und einem Sonntagsspaziergang durch die Betriebsstätte von Walter White, dem legendären Film-Drogenkoch aus „Breaking Bad“. Und um genau das handelt es sich auch, um ein Drogenlabor, bei dem so einiges schief gegangen ist: Eine Verpuffung beim Kochen von Crystal Meth hat vier Verletzte gefordert. An diesem Tag ist das aber kein Einsatz für die Drogenfahnder. An diesem Tag, dem vergangenen Samstag, ist dies die Ausgangslage für eine Großübung des Gefahrstoff-Zugs der Feuerwehren des Saarpfalz-Kreises auf dem Gelände des Saarpfalz-Parks in Bexbach. Schauplatz des Ganzen: Der Firmensitz des Elektrobetriebs Hennes & Preßer.


In drei Etappen sollen alle Anforderungen der Übungslage gemeistert werden: Brandbekämpfung, Personenrettung und, als eigentlicher Schwerpunkt, der Einsatz gegen die Chemikalien, die in einem Drogenlabor in der Regel eingesetzt werden.

Diesen unterschiedlichen Eskalationsstufen entsprechend erfolgt auch die Alarmierung. Als Reaktion auf die Verpuffung rückt zuerst der Löschbezirk Bexbach-Mitte an. Als sich herausstellt, dass es auch gilt, Personen zu retten, werden alle Löschbezirke des Höcherbergs alarmiert. Als die Einsatzkräfte dann feststellen, dass es sich nicht „nur“ um diese beiden Einsatzszenarien handelt, sondern auch chemische Stoffe im Spiel sind, erfolgt die Alarmierung des Gefahrstoff-Zuges der Wehren im Saarpfalz-Kreis.



Zum Hintergrund: Im Saarpfalz-Kreis gibt es ein Einsatzkonzept für Gefahrguteinsätze. Dieses sieht vor, dass jeweils dieselben Einheiten, bestehend aus festgelegten Fahrzeugen und definiertem Personal mit spezieller Ausbildung, aus den kommunalen Feuerwehren und der Werkfeuerwehr Bosch zu festgelegten Alarmstichworten alarmiert werden und an der Einsatzstelle fest zugeteilte Aufgaben übernehmen. Dies soll die Sicherheit für die erforderlichen Maßnahmen stärken und die so genannte Chaosphase zu Einsatzbeginn minimieren. Lediglich die unaufschiebbaren Erstmaßnahmen (Gams-Regel) sind von der örtlich zuständigen Feuerwehr durchzuführen“ – so die offizielle Beschreibung des Gefahrstoffzuges auf der Seite des Saarpfalz-Kreises. „Gams-Regel“ steht dabei für „Gefahr erkennen, Absperrung errichten, Menschenrettung durchführen und Spezialkräfte anfordern“. Das Übungsziel formuliert Kreisbrandinspekteur Uwe Wagner vor diesem Hintergrund so: „Es geht darum die Zusammenarbeit aller Kräfte, da die ja aus den unterschiedlichen Kommunen kommen, zu trainieren.“

Mit der Anforderungen der Spezialkräfte am Samstag als viertem Gams-Schritt läuft dann eine technisch beeindruckende Maschinerie an. Im Minutentakt treffen die als Spezialkräfte ausgewiesenen Einheiten der Wehren aus dem ganzen Saarpfalz-Kreis am Einsatzort ein. Und was es da an Technik zu sehen gibt, das bekommt man sonst nicht in dieser Dichte kaum vorgeführt. Einsatzfahrzeug reiht sich an Einsatzfahrzeug, zum Höhepunkt der Übung sind über 100 Feuerwehrleute damit befasst, in ihren jeweiligen Funktionen der Situation Herr zu werden. Es werden Dekontaminationsbereiche eingerichtet, Einsatzabschnitte gebildet, die Lage aufgeklärt und der eigentliche Einsatz vorbereitet. Dass eben dieser Einsatz auch Übungskünstlichkeiten mit sich bringt, das bekommen vor allem zwei Verletzten-Darsteller hautnah zu spüren: Fast eineinhalb Stunden müssen Jacqueline und Susanne Hennes im vernebelten „Drogen-Keller“ warten, bis endlich zwei Feuerwehrleute in Spezialanzügen die beiden retten. Das wäre wohl im Ernstfall so nicht passiert. Doch diese Wartezeit ist augenscheinlich an diesem Samstag dem Übungsziel geschuldet, vor allem die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Spezialkräfte, einschließlich des Katastrophenschutzes des Saarpfalz-Kreises, zu üben.

Ob nun dieses Ziel erreicht wurde und, wenn ja, in welchem Umfang, das werden die Verantwortlichen um Kreisbrandinspekteur Uwe Wagner und Dominic Klein vom Löschbezirk Bexbach-Mitte, Fachberater für atomare und chemische Bedrohung im Saarpfalz-Kreis und Urheber der Übung, nun im Nachgang des Samstags beurteilen müssen.