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Die Heilung beginnt für sie im Kopf

Bettina Kübler schilderte beim Besuch in der Homburger SZ-Redaktion ihr Leben mit der Diagnose Krebs. Foto: Neuheisel/SZ-Redaktion
Bettina Kübler schilderte beim Besuch in der Homburger SZ-Redaktion ihr Leben mit der Diagnose Krebs. Foto: Neuheisel/SZ-Redaktion FOTO: Neuheisel/SZ-Redaktion
Bexbach. Der Tod durch Krebs werde manchmal auch herbeigeredet, sagt Bettina Kübler, Wahl-Saarländerin und Journalistin. Sie ist seit Jahren an Krebs erkrankt und hat schon vieles hinter sich – etwa Chemotherapie und Operationen. Ihre größte Stärke, so sagt sie, ist aber ihre gute Laune. Ralph Schäfer

Die Diagnose Krebs gilt nach wie vor gemeinhin als so gut wie sicheres Todesurteil mit niederschmetternder Wirkung auf die Betroffenen. Manche sind einfach nur verzweifelt, andere erklären der Krankheit den Krieg. Zumindest eine hat sich für einen komplett anderen Weg entschieden: Bettina Kübler, seit vier Jahren Wahl-Saarländerin mit hessischen Wurzeln, hat Brustkrebs. Ihre Mutter ist an der Krankheit gestorben, vor fünf Jahren kam die Diagnose bei ihr.

Drei Tage später begann das neue Leben mit Krebs für die 51-jährige Redakteurin beim Hessischen Rundfunk. "Krebs ist eine schreckliche Krankheit, sie wird aber auch schrecklich gemacht", meinte Kübler beim Besuch der Homburger SZ-Redaktion. Sie hat das ganze Programm hinter sich: Brust-Amputationen, Chemotherapien, Haarverlust. Kübler vertritt die These, dass manche Ärzte ihre Patienten ins Grab reden. Der wichtigste Schritt war für sie, die Krankheit anzunehmen statt zu bekämpfen: "Wenn ich drum herum nichts ändern kann, kann ich aber meine Einstellung zum Krebs ändern. Die Lebensführung etwa hat großen Einfluss auf die Krebsentstehung. Der Krebs hat es viel leichter, wenn ich nicht gut drauf bin." Schlechte Ärzte vertreten laut Kübler die Ansicht, wer in der Palliativ-Schublade steckt, muss auch so behandelt werden. Ganz anders Bettina Kübler mit Metastasen-Diagnose seit zwei Jahren: "Jetzt übernehme ich selbst Verantwortung, höre auf mein Herz, gehe raus, treffe tolle Leute, finde interessante Bücher." Es gibt Vorbilder für ihren Weg, etwa die Amerikanerin Kris Carr, die ein Buch "Crazy sexy cancer" geschrieben hat. "Sie hat seit zwölf Jahren Krebs im Endstadium - und es geht ihr großartig." Ein häufiges, kräftiges Lachen, dem man anmerkt, dass es von ganz unten kommt, zeichnet die 51-Jährige aus.

Natürlich gibt es auch mal Tiefs, räumt sie ein, "aber höchstens drei Tage. Dann heißt es: Nägel lackiert und raus!" Am Anfang habe sie überlegt, die Behandlung abzubrechen, "aber kluge Freunde haben mich stark gemacht". Derzeit hat sie gute Blutwerte, kein Wasser. "Meine Onkologin würde sagen: ‚Aber Sie wissen, es kommt wieder'", sagt sie wütend. Auf die Frage, wie es ihr gehe, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Mir geht's blendend, ich bin topfit!" Einschränkungen gegenüber vor der Krankheit hat sie keine, "eher im Gegenteil: Alles hat zu einem unglaublich erfüllten Leben beigetragen". Für Bettina Kübler ein wichtiger Grundsatz: Die Heilung beginnt im Kopf. Und man braucht gute Leute, die einem beim Aufrichten helfen. Auch die Antwort auf die Frage, was sie Mitbetroffenen mit auf den Weg geben würde, braucht keine Bedenkzeit: "Nehmt Euer Leben in die Hand, und öffnet Euer Herz! Und lasst Euch helfen. Man muss die Krankheit akzeptieren", sagt sie. Sie wollte nicht gegen den Krebs arbeiten, wollte keinen Krieg im Körper führen, sondern mit dem Krebs leben. "Ich arbeite immer noch an mir, bin noch nicht fertig, die Entwicklung ist spannend!"

Bettina Kübler hat über ihren Weg ein 73-seitiges Büchlein verfasst, das im Buchhandel erhältlich ist (ISBN: 9 78 37 38 62 65 44).