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Bahnhof wird Museum
Der Bahnhof Bexbach wacht wieder auf

Die Modellbahnfreunde Bexbach haben seit jeher eine besondere Beziehung zum historischen Bahnhof, den sie hier als maßstabsgetreues Modell in seiner ursprünglichen Form aus dem 19. Jahrhundert nachgebaut haben. 
Die Modellbahnfreunde Bexbach haben seit jeher eine besondere Beziehung zum historischen Bahnhof, den sie hier als maßstabsgetreues Modell in seiner ursprünglichen Form aus dem 19. Jahrhundert nachgebaut haben.  FOTO: ¬© by J.G.Scha§fer / photostudio J.Scha§fer
Bexbach. Ein Student der HTW entwickelt ein Kulturkonzept für den historischen Bahnhof in Bexbach als Thema seiner Abschlussarbeit. Der Stadtrat wird darüber entscheiden, ob ihm das gefällt oder nicht. Von Christine Maack

Schon vor über zehn Jahren wurde in Bexbach über die Nutzung des historischen Bahnhofs diskutiert. Nun werden Nägel mit Köpfen gemacht: „Wir hoffen, dass das Gebäude bis Mitte 2019 bezugsfertig ist“, betont Thomas Schneider vom Bexbacher Bauamt. Das alte Bahnhofsgebäude hat für die Stadt historische Bedeutung. 1849 wurde der Bexbacher Bahnhof eingeweiht – er ist der älteste Bahnhof des Saarlandes und war Teil der von Mannheim bis Bexbach führenden ehemaligen bayrischen Ludwigsbahn.


Mit seiner Kombination aus Sandstein und hellem Putz sei es „ein schmuckes Gebäude“, sagte der städtische Beigeordnete Wolfgang Imbsweiler und betonte: „Das verdanken wir unter anderem den Modellbahnfreunden Bexbach. Sie haben viel in das Gebäude investiert.“

Nachdem das Haus zu Beginn der 1990er Jahre von der Bahn geschlossen worden war, mietete es der Verein 1999 an – im Jahr des 150-jährigen Bestehens des Bahnhofs – und nutzte einen Raum im ersten Stock als Museum und die ehemalige Schalterhalle für Sonderausstellungen. In dieser Halle probte auch der Chor Gleis 1, und darüber hinaus fanden auch Sitzungen des Ortsrates von Bexbach Mitte dort statt. Im Verein und bei der Stadt – sie hat das Gebäude in den 90er Jahren gekauft – gab es von Anfang an Überlegungen, welche zusätzliche Nutzung des historischen Hauses in Zukunft möglich sein könnte. Dieter Durrang, Vorstandsmitglied der Modellbahnfreunde, hatte bereits vor über zehn Jahren erklärt: „Der Bahnhof hat eine gute Lage und wir könnten uns vorstellen, ihn als Kulturbahnhof zu nutzen.“



Der Verein wollte vor allem das Modellbau-Museum behalten und gegebenenfalls erweitern. Nun wird Durrang tatsächlich in anderthalb Jahren ans Ziel seiner Wünsche gelangen: „Wir haben ja den Erhalt des Bahnhofs schon immer als unser Ziel definiert“, so Durrang, „wir freuen uns, dass nun endlich die Handwerker drin sind, um alles zu erneuern. Es geht voran.“

Sicher sei, dass der Verein der Modelleisenbahnfreunde in den ersten Stock einziehen wird, „das sind zwar ein paar kleine Räume und Kämmerchen, aber das kriegen wir schon hin“, so Durrang. Vor allem freuen sich die Vereinsmitglieder, „dass wir die ganzen Kisten dann endlich mal auspacken können, die seit Jahren in unserem Provisorium herumstehen.“

Von Anfang geisterte schon die Bezeichnung „Kulturbahnhof“ durch Bexbach, ein Wunsch, der nun mit Leben erfüllt werden wird. Was allerdings nicht einfach wird, zumal die geografische Lage Bexbachs zwischen den Städten Neunkirchen und Homburg, die beide sehr viele kulturelle Veranstaltungen anbieten, schwierig ist. Denn was kann Bexbach bieten, was die beiden größeren Nachbarstädte nicht haben?

Darüber wird jetzt ein Student des Masterstudiengangs Kulturmanagement an der HTW in Saarbrücken seine Abschlussarbeit schreiben. Seine Betreuerin ist Nicole Schwarz, die zusätzlich zu ihren Fächern Betriebswirtschaft und Marketing an der  Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) auch für den Schwerpunkt Kulturmanagement zuständig ist. Für die Entwicklung eines Konzeptes, die Räumlichkleiten des historischen Bexbacher  Bahnhofs in einen Kulturbahnhof umzuwandeln, hat der Stadtrat kürzlich eine Summe von 4500 Euro locker gemacht.

„Wir stehen erst am Anfang des Projektes“, so Nicole Schwarz im Gespräch mit unserer Zeitung, „zumal der Beginn der Projektarbeit erst im Mai sein wird. Wir werden erst einmal analysieren, was es in den Nachbarstädten gibt und welches Kulturprogramm in  Bexbach gute Chancen hat, sich zu etablieren.“  Die Hochschullehrerin hatte erst überlegt, die kulturelle Nutzung des Bahnhofs „als Gruppenarbeit“ zu gestalten, aber nun habe es sich ergeben, dass der besagte Student dieses Thema zu seiner Abschlussarbeit machen wolle.  „Natürlich werden wir dem Stadtrat alle Vorschläge und Pläne vorlegen“, so Nicole Schwarz, „denn am Ende müssen die Kommunalpolitiker darüber befinden, ob sie das überhaupt wollen, was wir vorschlagen.“ Doch bevor der Kulturbahnhof mit Kultur gefüllt wird, müssen erst noch die Dacharbeiten erledigt, die Fenster eingebaut und sanitäre Anlagen fertiggestellt werden. Die Summe dafür beläuft sich auf rund 362 000 Euro, die Aufträge wurden bereits Mitte Februar vergeben.

Bauamtsleiter Thomas Schneider geht davon aus, „dass die meisten größeren Arbeiten noch in diesem Jahr fertig werden. Dann ist noch etwas Innenausbau zu leisten, so dass die Räume Mitte 2019 bezogen werden können.“ Ohne den Zuschuss vom Bund von über 1,46 Millionen Euro „wäre das alles nichts geworden“, so Schneider. Alexander Funk (CDU), der ehemalige Bundestagsabegordnete aus Bexbach, hat einen großen Anteil daran. Er wird sicher zu den ersten Besuchern der Kulturveranstaltungen gehören.

In der Höcherberghalle lassen die Modelleisenbahn- und Spielzeugbörse die Herzen der Eisenbahnfreunde höher schlagen. Die Börse soll auch weiterhin in der Höcherberghalle bleiben. Lediglich das Museum der Modelleisenbahnfreunde zieht wieder in den historischen Bahnhof ein, wo es auch hingehört.
In der Höcherberghalle lassen die Modelleisenbahn- und Spielzeugbörse die Herzen der Eisenbahnfreunde höher schlagen. Die Börse soll auch weiterhin in der Höcherberghalle bleiben. Lediglich das Museum der Modelleisenbahnfreunde zieht wieder in den historischen Bahnhof ein, wo es auch hingehört. FOTO: Sebastian Dingler