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Antiquariat
Mehr als 30 000 Bücher finden sich in Ottos Lagerhalle

Da hat jemand seinen Namen in ein Buch gefaltet: Heribert Otto Junker in seinem Bücherkabinett.
Da hat jemand seinen Namen in ein Buch gefaltet: Heribert Otto Junker in seinem Bücherkabinett. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. Autofahrern, die samstags auf der Bexbacher Straße nach Homburg rein- oder wieder rausfahren, mögen die Schilder schon mal aufgefallen sein: „Ottos Bücherkabinett“ steht darauf, dazu zeigt ein Pfeil in die Straße „An der Remise“. Von Sebastian Dingler

Hinter dem Namen Otto verbirgt sich Heribert Otto Junker, der Ausdruck Bücherkabinett steht für ein Antiquariat mit mehr als 30 000 Büchern, das immer nur samstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet hat.


In einer alten Lagerhalle stehen die Bände Reihe an Reihe. Und beklagen sich nicht, wenn es mal etwas kühler ist – denn die Räume sind einfach verglast und unbeheizt. „Aber dafür habe ich mit den Büchern die Vereinbarung getroffen, dass es immer trocken ist“, sagt Junker und lächelt verschmitzt. Der 67-Jährige war in seinem Berufsleben Personalleiter bei einer großen Versicherung. Bei einem seiner Urlaube habe er eines Tages in Mecklenburg-Vorpommern ein Schild gesehen mit der Aufschrift „Rechts ab zum Bücherbahnhof“. Als er dem Hinweis gefolgt sei, habe er die drei Backsteingebäude eines alten Güterbahnhofs gefunden – voll mit Büchern. „Das hat mich beeindruckt. Da habe ich gedacht, wenn ich mal in Rente bin – das wär’s“. Also  machte Junker sich auf die Suche nach geeigneten Räumen.

Nach Homburg zu gehen, sei nicht unbedingt seine Absicht gewesen, denn der Büchernarr wohnt in Heusweiler. Aber hier fand er eben das vor, was er am meisten benötigt: Platz. Wobei es jetzt schon ein bisschen eng wird, denn Junker nimmt fast alles an, was ihm gebracht wird an alten Büchern. Nein sage er nur, wenn er die übliche Massenware angeboten bekommt, die in den 70ern über Buchklubs an Millionen von Haushalte geliefert wurde. „Eigentlich bräuchte ich jetzt die Geschicklichkeit, die Bücher, die hier noch ewig weiter stehen würden, rauszunehmen und dafür welche hinzustellen, die ich verkaufen kann.“



Er benutze bereits ein zusätzliches Lager für Bände, die er derzeit nicht einsortieren kann. Pro Samstag verkaufe er etwa 150 Stück, und das zu moderaten Preisen. „Romane und Krimis kosten ein bis zwei Euro. Manchmal aber verkaufe ich Sachbücher, Kunstbände oder alte Bücher, die kosten mehr.“ Selbst liest Junker gerne Krimis, Fantasy oder Romane mit psychologischem Tiefgang. Sein Lieblingsbuch ist auch sein Lieblingsfilm: „Zeugin der Anklage“, geschrieben von Agatha Christie und verfilmt von Billie Wilder.

Das Bücherkabinett hat er natürlich gut sortiert, an den zahlreichen Regalen prangen Namen von Kategorien wie Tagebücher, deutsche Geschichte, Kochbücher, Wirtschaft, Musik, Essen, historische Romane, Recht und Gesetz, Länder und Reisen, Esoterik, Medizin oder Psychologie.

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