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Baumfällungen
Bäume haben keinen Halt mehr

Der Homburger Schlossberg ist erneut Thema in der Stadt, nun sollen aus Sicherheitsgründen Bäume am Berghang gefällt werden, um deren unkontrollierten Fall zu verhindern.
Der Homburger Schlossberg ist erneut Thema in der Stadt, nun sollen aus Sicherheitsgründen Bäume am Berghang gefällt werden, um deren unkontrollierten Fall zu verhindern. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Im Bereich des „Großen Bruchs“ auf dem Schlossberg müssen zahlreiche Bäume gefällt werden, um zu verhindern, dass sie unkontrolliert umstürzen. Von Thorsten Wolf

Der Homburger Schlossberg bleibt im Gespräch. Dabei geht es aktuell gar nicht um die Vision, das Homburger Wahrzeichen mit einem Aufzug zugänglich zu machen, oder die Pläne, die Eingangssituation der Schlossberghöhlen moderner zu gestalten. Vielmehr im Fokus ist derzeit die Sicherheitslage im Bereich des so genannten „Großen Bruchs“ an der Bergflanke in Richtung Homburger Altstadt. Dort, gelegen zwischen dem großen Kreuz und dem jetzigen Eingang zu den Höhlen, ist die Deckschicht über einem Gewölbe an der dünnsten Stelle nur noch 50 Zentimeter stark. Das Problem: In dieser Deckschicht sind jede Menge Bäume verwurzelt. Und die müssen deswegen nun bald weg. Im Gespräch mit unserer Zeitung skizzierten Dieter Dorda, Leiter der Abteilung für Umwelt und Grünflächen, und Roland Ecker, Abteilungsleiter Hoch- und Tiefbau, die aktuelle Problemlage – nachdem Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind die Situation schon beim Heringsessen der Stadt in der vergangenen Woche angesprochen hatte. „Das Problem ist, dass die Bäume unkontrolliert fallen können, wenn der ‚Große Bruch‘ einstürzt“, so Dorda. „Wenn man in der betroffenen Höhle steht, dann sieht man schon die Wurzeln der Bäume.“ Auf den eigentlichen Höhlenbetrieb habe das keine Auswirkung, dieser Bereich der Schlossberghöhlen sei schon lange für den Besucherverkehr gesperrt.


Das Problem sei dabei grundsätzlich nicht neu, so Roland Ecker. „Der ‚Große Bruch‘ hat eine definierte Schwachstelle, das ist schon länger bekannt. Dieser Bereich ist auch schon vom Bergamt seit Jahren als sogenannter Tagbruch definiert. Das bedeutet, dass er irgendwann ohne Vorankündigung zusammenbricht. Bei einer geologischen Vermessung hat sich nun allerdings herausgestellt, dass im Kuppelbereich lediglich 50 Zentimeter Masse noch vorhanden ist. Und wenn man da noch im Waldbereich Muttererde abzieht, dann ist da nichts mehr.“

Zudem, und das sei eine neue Entwicklung, falle seit Herbst des vergangenen Jahres Muttererde durch die Deckschicht in die darunter liegende Höhle. „Damit wird es jetzt schon ernst“, so Ecker. Vor diesem Hintergrund habe das Bergamt den Hinweis gegeben, die über dem Bruch liegenden Bäume zu entfernen. „Dabei geht es nicht um die Entlastung der Kuppel der Höhle, die stürzt sowieso irgendwann ein, darauf haben wir keinen Einfluss. Es geht vielmehr darum zu verhindern, dass die Bäume dann unkontrolliert in alle Richtungen umstürzen. Wir haben in unmittelbarer Nähe des betroffenen Bereichs eine Treppenanlage für Besucher, unter dem Bereich verläuft ein Premium-Wanderweg.“



So sei die nun geplante Baumfällung, wie Dieter Dorda ergänzte, eine kontrollierte Entnahme zur Vorsorge. Für den Höhlenbetrieb sei ein möglicher Einsturz des „Großen Bruchs‘ hingegen ohne Bedeutung, wie Roland Ecker erklärte. „Die Gebirgsmasse zwischen Besucherbereich und großem Bruch ist so massiv, dass wir nicht mit Beeinträchtigungen rechnen.“

Was im Gespräch mit Dorda und Ecker auch klar wurde: Die Entnahme der Bäume oberhalb des „Großen Bruchs“ könnte den natürlichen Einsturz-Prozess durchaus beschleunigen. So sei damit zu rechnen, dass die Baumwurzeln, die im Boden bleiben sollen, auf Sicht nicht mehr in der Lage sein werden, die Deckschicht zusammen zu halten.

Der Bereich des „Großen Bruchs“ war in der Vergangenheit schon einmal Thema – als möglicher Schauplatz eines neuen Eingangsbereichs für die Schlossberghöhlen. Dass man nun die Bäume entnehmen werde, habe aber mit diesen Plänen nichts zu tun, darauf wies Ecker ausdrücklich hin. Trotzdem könne ein Einbrechen des „Großen Bruchs“ auf natürlichem Wege Aufschluss darüber geben, wie sich die Lage vor Ort vor dem Hintergrund eines solchen Zukunftsprojektes entwickeln könnte. Eine gewollte Öffnung des „Großen Bruchs“ sei aktuell nicht Gegenstand der Maßnahmen, gleichwohl man dies als Alternative durchaus diskutiert habe.

Rein technisch wird es darum gehen, wie die Bäume entnommen werden können. Grundsätzlich gebe es, wie Dorda und Ecker schilderten, die Möglichkeit, die geschlagenen Baumstämme mit einem Hubschrauber vom Hang abzutransportieren oder dazu einen entsprechend dimensionierten Kran einzusetzen. Auschlaggegend sei hier zum einen die Antwort auf die Kostenfrage. Zum anderen müsse man prüfen, ob beim Einsatz eines Kranes, dieser müsste auf der Zufahrtsstraße zum Schlossberghotel positioniert werden, eben das Hotel dann während der Arbeiten überhaupt noch zu erreichen sei.

Mit einem Zaun ist der vom natürlichen Einsturz bedrohten „Große Bruch“ am Berghang vor dem Betreten geschützt, die Bäume über der Höhle sollen nun entnommen werden.
Mit einem Zaun ist der vom natürlichen Einsturz bedrohten „Große Bruch“ am Berghang vor dem Betreten geschützt, die Bäume über der Höhle sollen nun entnommen werden. FOTO: Thorsten Wolf