Hoffen, dass es irgendwie gut geht

Völklingen. "Sitzenbleiben ist Sauscheiße." Aus tiefstem Herzen kommt der Satz von Dennis. Der 16-jährige Schüler dreht gerade eine Ehrenrunde am Kaschnitz-Gymnasium. Mit seinem wahren Namen möchte er nicht in die Zeitung, aber über seine Gedanken und seine Seelenlage will er sprechen

 Lennart Lange, Laura Schulze und Kim Gebhard (von links) diskutieren über das Sitzenbleiben. Foto: Angelika Fertsch

Lennart Lange, Laura Schulze und Kim Gebhard (von links) diskutieren über das Sitzenbleiben. Foto: Angelika Fertsch

Völklingen. "Sitzenbleiben ist Sauscheiße." Aus tiefstem Herzen kommt der Satz von Dennis. Der 16-jährige Schüler dreht gerade eine Ehrenrunde am Kaschnitz-Gymnasium. Mit seinem wahren Namen möchte er nicht in die Zeitung, aber über seine Gedanken und seine Seelenlage will er sprechen. Es ist Mittag, er sitzt in der Cafeteria der Schule an einem Tisch mit gleichaltrigen Kumpeln, isst Rigatoni mit weißer Soße. Vor einem Jahr kam die Empfehlung der Schulleitung, die Klasse zu wiederholen, "das erste Halbjahr der neunten Klasse war rum". In Mathe, Englisch und Latein stand eine Fünf im Zeugnis. Jetzt drückt er mit Jüngeren die Schulbank: "Man kann gar nicht über die Dinge reden, die einen wirklich interessieren. Meine Mitschüler sind noch sehr kindlich, bei mir geht es jetzt manchmal um Party machen." Die Freunde von früher trifft er nur noch in der Pause oder eben am Mittagstisch.Immerhin, gibt Dennis zu, hat er sich in zwei Fächern verbessert. "Aber die Fünf in Latein ist geblieben." Weiterkommen wird er wohl trotzdem. Intensiver lernen wird er in Zukunft trotz der Warnung nicht. Er zuckt er mit den Schultern und hofft, "dass es irgendwie gut geht".

Eine halbe Stunde vorher haben hier noch Schüler aus der Klasse 7 gesessen. Laura Schulze ist 13 und berichtet von einem Mädchen, das es in der vorherigen Klasse erwischt hat und das jetzt eine Ehrenrunde in der Quinta dreht. "Sie war sehr traurig, als sie am letzten Tag in der Klasse stand." Laura stellt sich das Sitzenbleiben ziemlich schlimm vor und möchte es auf keinen Fall selber erleben müssen: "Ich bin schwach in Latein, stehe auf einer Fünf", sagt sie dann, "ich wäre traurig, wenn es schief gehen würde". Und will versuchen, mehr zu lernen. Bei dem zwölfjährigen Kim Gebhard hapert es in Mathe: "Ich verstehe zwar den Stoff, bin aber struddelig, und dann mache ich die Fehler." Für die nächste Mathearbeit wird er wieder büffeln und "auf eine positive Einstellung achten und mehr Konzentration". Auch Kim findet, dass es "nicht so toll ist, mit Jüngeren in der Klasse zu sitzen". Man verliere seine alte Clique aus den Augen. Lennart Lange geht ebenfalls in die siebte Klasse. Latein ist sein schwächstes Fach "eine Vier". Gefährdet ist er damit nicht.

Sabine Kunkel, Leiterin des Unternehmens Studienkreis in Völklingen kennt Nachhilfeschüler jeder Altersklasse. Sie kritisiert, "dass die Schule die Schüler alleine lässt". Es gehe damit los, dass Kinder aus der Grundschule nicht gut vorbereitet auf weiterführende Schulen kämen. Ein Powertraining für Fünftklässler ab April soll den Start am Gymnasium erleichtern. Zudem lernten im Studienkreis alle Schüler erst einmal, besser zu planen, zu lernen und sich zu motivieren.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort