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Fast 1000 protestieren im Internet
Hörprobleme bei Englisch-Abi-Prüfung

Hören heißt nicht gleich Verstehen: Diese Erfahrung mussten am vergangenen Freitag manche Schüler in der Englisch-Abitur-Prüfung machen. Sie fordern eine Anhebung des Notenschnitts.
Hören heißt nicht gleich Verstehen: Diese Erfahrung mussten am vergangenen Freitag manche Schüler in der Englisch-Abitur-Prüfung machen. Sie fordern eine Anhebung des Notenschnitts. FOTO: Bernd Wüstneck / ZB
Neunkirchen. Einige Saar-Abiturienten haben Probleme bei der Englisch-Prüfung gehabt. Sie fordern per Internet-Petition eine Hebung des Notenschnitts. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Alle Jahre wieder gibt es Ärger bei den Saar-Abiturienten über die Prüfungsaufgaben. So auch in diesem Jahr: Die am vergangenen Freitag gestellten Anforderungen bei der Bewältigung der Aufgaben im Hörverstehen des E-Kurses im Fach Englisch empfinden offenbar nicht wenige Prüflinge als unangemessen. Sie nutzen deshalb das Internet, um eine „Hebung des Notenschnitts“ von Saar-Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) zu fordern. Auf der Internet-Plattform change.org haben sie eine Petition mit ihrer Forderung untergebracht. Bis gestern Nachmittag hatten bereits 944 Internet-Nutzer ihren Haken darunter gemacht.


„Die Aufgaben eins und vier sollten weniger Punkte bekommen. Bisher sind das die Aufgaben mit der höchsten Punktzahl“, sagte eine 18-Jährige Schülerin aus Elversberg, die an der Gemeinschaftsschule Neunkirchen ihr Abitur macht. In ihrer Englisch-E-Kurs-Prüfung brüteten nach ihren Angaben 60 Schülerinnen und Schüler der gemeinsamen Oberstufe aus Neunkirchen, Bexbach und Schiffweiler über den Aufgaben. Dazu hatten die Schüler für das Hörverstehen 30 Minuten Zeit, inklusive fünf Minuten Einlesezeit, vor Beginn des Hörverstehens, um die Prüfungsaufgaben zu erfassen.

Die erste Aufgabenstellung bezog sich demnach auf die Meeresverschmutzung und hatte den Titel: „Plastics don‘t disappear, but they do end up in seabirds‘ bellies“ (zu Deutsch: Plastik verschwindet nicht, sondern endet in den Bäuchen der Seevögel). Der Text beinhaltete laut der Petenten viel fachspezifisches Vokabular, dass den Schülern „nicht gebräuchlich“ sei. Zwar sei „pollution“ (Umweltverschmutzung) Inhalt des Lehrplans, dennoch seien in dem kurzen gesprochenen Text nur fachspezifische Äußerungen vorhanden gewesen. Zudem sei der über Lautsprecherboxen abgespielte Dialog im Vergleich zu den Hörverstehensprüfungen der vorherigen Jahre relativ schnell gesprochen worden, weshalb „man sich als Schüler nicht dementsprechend auf dieses Anforderungsniveau vorbereiten konnte“, hieß es. „Die Aufgaben waren auch zum Teil verwirrend für die Schüler dargestellt, weshalb sie die Aufgabenstellung nicht richtig erfassen konnten“, kritsieren die Petitionsverfasser. Viele Schüler hätten ihre Arbeitsblätter selbst nach dem zweiten Zuhören nicht, oder nur kaum, ausfüllen können. Bei der zweiten Aufgabe hätten manche Schüler „wegen starker Hintergrundgeräusche“ Begriffe wie „white collar“ und „blue collar“ nicht entschlüsseln können, mit denen im angloamerikanischen Raum Angestellte und Arbeiter bezeichnet werden und keine Farben („colours“). Aber diese Aufgabe sei ebenso wie Aufgabe drei machbar und dem Niveau eines E-Kurses angepasst gewesen.

Die Aufgabe vier jedoch habe mit einem Arbeitsblatt zum Ankreuzen, das sich über zwei Seiten erstreckte, komplett den Rahmen gesprengt, so die offenbar geschockten Schüler. „Die Aufgabenstellung schien für die meisten der Schüler sehr allgemein gestellt und nicht chronologisch geordnet gewesen zu sein und brachte so noch mehr Verwirrung mit sich. Ebenso mussten die Antworten oft durch logisches Denken angekreuzt werden, anstatt wie gewohnt, durch Fakten aus dem Hörverstehen sachlich belegt zu werden“, heißt es in der Petition.

Marija Herceg, Sprecherin von Bildungsminister Commerçon, sagte dazu, dass die Aufgaben zum Hörverstehen Englisch dem gemeinsamen Abituraufgabenpool der Länder entnommen seien. „Sie wurden bundesweit – soweit uns bekannt ist – nicht als zu schwer oder als unangemessenen bewertet“, sagte Herceg. Auch die Schulen und die Fachabteilung im Ministerium haben demnach keine zu hohen Anforderungen erkannt. „Im Gegenteil: Wir haben keine einzige Beschwerde aus Schulen“, betonte Herceg. An diesem Freitag tage die Korrektorenkonferenz Englisch, die sich mit den Einwendungen befassen werde, so Herceg. Nach den vorläufigen Meldungen waren im Hörverstehen/Englisch 2269 Schülerinnen und Schüler im E-Kurs, 768 im Hörverstehen im G-Kurs, insgesamt also 3037 dabei.