1. Saarland

Hochwasser kennt keine Grenzen

Hochwasser kennt keine Grenzen

Sie rüsten sich gemeinsam gegen mögliche Hochwasser an der Saar – denn diese machen auch an Grenzen nicht halt. 15 saarländische und rheinland-pfälzische Gemeinden arbeiten künftig Hand in Hand.

Gemeinsam gegen Hochwasser - dieses Motto haben sich 15 saarländische und rheinland-pfälzische an der Saar liegende Kommunen auf die Fahnen geschrieben. Am Mittwoch wurde die Hochwasserpartnerschaft "Untere Saar" in Merzig gegründet. Umweltministerin Anke Rehlinger (SPD) und Alfred Weinandy vom Umweltministerium Rheinland-Pfalz übergaben Bürgermeister Manfred Horf (CDU) stellvertretend für die Partnerkommunen die Gründungsurkunde.

In ihrer Rede wies Rehlinger auf die Hochwasserbilder hin, die uns derzeit jeden Tag aus Bayern und den östlichen Bundesländern erreichen: "Dies ist, so schlimm es auch ist, der Beleg dafür, dass hier Handlungsbedarf besteht, und am besten dann, wenn es nicht um Krisenmanagement geht, sondern dann, wenn es um Vorsorge geht." Hochwasser machten nicht vor Grenzen halt, so Rehlinger weiter, deshalb müsse man das Problem "in Gänze, über Ländergrenzen hinweg" angehen. Mit der Gründung dieser Partnerschaft seien im Saarland Hochwasserpartnerschaften nun flächendeckend aufgestellt: Es existieren bereits welche an der Oberen und Unteren Blies, an der Prims, an der Oberen und Mittleren Saar sowie an der Obermosel.

Ziel ist es, Gefahren und Herausforderungen von Hochwassern im Einzugsgebiet zu bestimmen und Risiken zu minimieren. In verschiedenen Workshops erarbeiten die Vertreter der Partnerkommunen ein Hochwasserschutzkonzept. Dafür sammeln sie Informationen zu den Begebenheiten vor Ort, tauschen Wissen und Erfahrungen aus und erarbeiten unter anderem, wie man die Bürger am besten für dieses Thema sensibilisieren kann. Letzteres sei ein Kernpunkt der Arbeit: "Das Interesse ist nur da, wenn die Gefahr droht oder bereits eingetroffen ist. Von daher ist das Ziel dieser Workshops, die Informationen so aufzubereiten, dass der Bürger nahezu mit der Nase drauf gestupst wird", sagte Alfred Weinandy. Christof Kinsinger vom Internationalen Betreuungszentrum für Hochwasserpartnerschaften (HPI) wies auf die Eigenverantwortlichkeit der Bürger, die in Überschwemmungsgebieten wohnen, hin. Diese müssten dafür Sorge tragen, dass ihr Eigentum "hochwasserangepasst" geplant, gebaut oder saniert werde. So genannte Hochwasserrisikokarten im Internet unter www.geoportal.saarland.de zeigen an, ob man in einem gefährdeten Gebiet wohnt. Noch gibt es keine Karten für den Flusslauf der Saar. Diese sollen aber im Laufe des Jahres eingestellt werden, versicherte Kinsinger.

Nach der Urkundenübergabe starteten die Vertreter der Kommunen gleich mit dem ersten Workshop. Dabei ging es um das Thema "Hochwasserinformation- und vorhersage".

Herr Horf, erinnern Sie sich, wann es zuletzt hier im Kreis Merzig-Wadern ein Hochwasser gab?

Manfred Horf: Richtiges Hochwasser im Einzugsgebiet von der Oberen Saar bis runter nach Konz hatten wir 1993. Da gab es schon eine Reihe von Problemen. Aber man muss sagen, dass durch die Maßnahmen, die während des Saar-Ausbaus getroffen worden sind, die große Katastrophe ausgeblieben ist.

Herr Kinsinger, wie wahrscheinlich ist es, dass es hier in Merzig ein Jahrhundert-Hochwasser geben wird?

Christof Kinsinger: Rein statistisch gesehen, passiert das alle hundert Jahre. Das kann in 30 Jahren oder in 30 Tagen noch mal so weit sein. Im Grunde ist man an der Saar aufgrund der dortigen Ausbaumaßnahmen und der Kanalisierung vor kleinen und mittleren Hochwassern relativ sicher. Aber was passiert, wenn größere Hochwasser kommen und die Deiche brechen? Dann kann auch die Stadt Merzig betroffen sein.

Was genau wird in den Workshops gemacht?

Horf: Wir gucken, welche Probleme es gibt und wie wir sie angehen können, was gemeinsam verbessert werden kann. All das soll erarbeitet und in einem Leitfaden zusammengeführt werden. Dieser geht an die Länder und die Kommunen, so dass, wenn Hochwasser auftritt, alle wissen, wie man vorgeht oder wo man Hilfe bekommt.

Das EU-Projekt und die Förderung läuft Ende 2013 aus, wie geht's dann weiter?

Kinsinger: Das Projekt läuft aus, aber diese EU-Förderprojekte zielen immer darauf ab, dass etwas in Gang gesetzt wird, dass etwas weitergeführt wird. Die Partner haben sich darauf verständigt, dass sie die Hochwasserpartnerschaften über Eigenfinanzierung weiter betreiben wollen.

Zum Thema:

HintergrundHochwasserpartnerschaften sind Teil des EU-Projektes "Hoch- und Niedrigwassermanagement im Einzugsgebiet der Mosel und der Saar - FLOW MS". Dabei handelt es sich um freiwillige Zusammenschlüsse von hochwassergefährdeten Gemeinden und Städten. Unterstützt werden die Kommunen durch die Wasserwirtschaftsverwaltungen der beiden Bundesländer und durch das Internationale Betreuungszentrum für Hochwasserpartnerschaften (HPI). Das gesamte EU-Projekt Flow MS beläuft sich auf etwa drei Millionen Euro, zur Hälfte finanziert durch die EU, die andere Hälfte übernehmen die Paten, also die Wasserwirtschaftsverwaltung im Saarland, Rheinland-Pfalz, Luxemburg und Frankreich. Das Projekt läuft Ende 2013 aus. bla