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Wettbewerb für Programmierer: Zwei Informatiker gegen den Rest der Welt

Wettbewerb für Programmierer : Zwei Informatiker gegen den Rest der Welt

Ein Saarbrücker Studenten-Duo hat die deutsche Vorrunde des internationalen Programmierwettbewerbs „International Collegiate Programming Contest“ gewonnen. Für die kommende europäische Ebene fühlt es sich ebenfalls gewappnet.

Wie lässt sich in einem Computerspiel ein Hochsicherheitstrakt am effizientesten ausplündern? Wie kann das Training für den Superhelden so weit verbessert werden, dass er im Wettstreit gegen einen Schurken bestehen kann? Wie viele Höhenmeter können Rucksackreisende in den chilenischen Anden überwinden, ohne zu erfrieren? Fragen wie diese hatten die Teilnehmer der deutschen Vorrunde des weltweiten Programmierwettbewerbes „International Collegiate Programming Contest“ (ICPC) zu lösen. Die 123 Teams von elf Universitäten mussten dabei jeweils 13 Aufgaben bewältigen. Nach fünf Stunden standen die Sieger fest: Julian Dörfler und Jasper Slusallek von der Universität des Saarlandes. Den beiden Studenten gelang es als einzigem Team, zwölf Aufgaben zu lösen. „Für die 13., bei der es um die Berechnung von Satellitenbahnen ging, hatten wir zu wenig Zeit“, berichtet Dörfler.

Der 21-Jährige studiert Informatik mit Nebenfach Mathematik im ersten Master-Semester. Slusallek (19) hat sich für die gleiche Fachrichtung entschieden, er ist im zweiten Semester des Bachelors. Bereits als Jugendliche habe es ihnen Spaß gemacht, Programmieraufgaben unter Zeitdruck und Wettkampfbedingungen zu lösen. An den ICPC-Aufgaben fanden sie großen Gefallen. „Sie sind komplex und daher nicht durch stures Runterprogrammieren lösbar. Stattdessen mussten wir uns selber effiziente Rechenstrategien ausdenken“, erzählt Dörfler, der aus Bayern stammt. Er hat schon mehrmals an dem Wettbewerb teilgenommen, für Jasper Slusallek war es hingegen das erste Mal.

Entspannt angegangen sind sie es beide. „Wir haben uns nicht großartig darauf vorbereitet und waren auch nicht nervös“, sagt der Saarländer Slusallek gelassen. Stolz, gewonnen zu haben, sind sie hingegen schon, auch wenn sie wissen, dass im November größere Herausforderungen auf sie zukommen. Dann findet in den Niederlanden der Northwestern European Regional Contest statt, zu dem höchstens drei Teams pro Uni zugelassen werden. Dörfler und Slusallek sind dabei sicher gesetzt. Dafür wollen die beiden Studenten jetzt trainieren, wie sie versichern. In der ersten Runde standen ihnen, wie allen anderen Teilnehmern, Schreibmaterial sowie Handbücher und Handschriften zur Verfügung, das Internet war tabu.

In der Vorrunde waren acht Studenten der Saar-Uni in drei Teams angetreten. Neben Julian Dörfler und Jasper Slusallek stellten sich Marian Dietz, Simon Schwarz und Florian Bauckholdt, die den achten Platz erreichten, sowie Nicolas Faroß, Nico Gründel und Jannik Kulesha, die auf Platz 36 kamen, den kniffligen Aufgaben.

Weltweit machten 50 000 Teilnehmer von über 3000 Universitäten aus mehr als 100 Ländern beim Programmierwettbewerb mit. Sie dürfen zum Zeitpunkt des Wettbewerbs maximal fünf Jahre eingeschrieben sein. Zur Lösung der Aufgaben, die auf Englisch formuliert werden, stehen jedem Team ein Computer und eine Programmierumgebung mit den Sprachen C, C++ und Java zu Verfügung. Dörfler und Slusallek nutzten die Sprache C++, weil diese „am schnellsten“ sei. Für die Wertung ist entscheidend, wie viele Aufgaben das Team löst, wie lange es dafür benötigt und wie hoch die Zahl der Fehlversuche ist.

Acht Aufgaben meisterten die beiden Gewinner auf Anhieb, weitere drei beim zweiten Versuch. Nur bei einer Aufgabe benötigten sie fünf Versuche – auch wenn sie anfangs einfach erschien: „Du hast eine Kiste mit alten Spielen gefunden, als du deinen Dachboden aufgeräumt hast, und unter ihnen war auch ein Puzzle. Leider wurde die Verpackung beschädigt.“ Einige Teile fehlen, andere gehören nicht dazu. Die Aufgabe war, ein Programm zu schreiben, das berechnet, wie die vorhandenen Puzzleteile zu vorgegebenen Mustern zusammengesetzt werden können. Ob die Lösung korrekt war, erfuhren die Teams innerhalb weniger Sekunden.

Die Sieger des Europa-Wettbewerbs im November sind fürs Weltfinale qualifiziert. Die Teilnahme daran ist das erklärte Ziel von Julian Dörfler und Jasper Slusallek – nicht nur aus sportlichem Ehrgeiz, das mache sich schließlich auch gut im Lebenslauf.