Weniger Erstsemester an der Saar-Universität

Semester-Eröffnung : Weniger Erstsemester an der Saar-Universität

Zahl der neuimmatrikulierten Studenten sinkt im Vergleich zum Vorjahr. Die demographische Entwicklung verschärft das Problem.

Obwohl die dunkle Jahreszeit vor der Tür steht, standen die Zeichen bei der Semestereröffnungsfeier der Saar-Uni auf dem Saarbrücker Campus gestern auf Neuanfang. Frühlingshafte Temperaturen draußen und ein Audimax voller Erstsemester drinnen. Dazu ein Universitätspräsident, der zum ersten Mal das akademische Jahr eröffnete. Und zumindest musikalisch wehte auch ein neuer Ton durch den Saal: Statt HipHop wie in den vergangenen beiden Jahren gab es diesmal Jazz von einer Combo der Hochschule.

Passend zu den Umständen verbreitete Universitätspräsident Manfred Schmitt vor dem Publikum des beinahe bis auf den letzten Platz gefüllten Audimax Aufbruchstimmung. Die Uni sei insgesamt auf einem guten Weg, etwa mit der endlich angepackten Sanierung von baufälligen Hochschul-Gebäuden und einer erfolgreich überstandenen ersten Runde beim Exzellenzantrag der Informatik. Ihm sei aber nicht nur die Exzellenz in der Computerwissenschaft wichtig, er sei auch stolz auf das breite Angebot der Uni, etwa in den Geisteswissenschaften.

Doch bei aller positiven Stimmung steht die Uni nach wie vor vor Problemen, die bei weitem nicht gelöst sind – insbesondere beim Thema Geld. „Wir kämpfen um eine angemessene Grundfinanzierung“, so Schmitt. „Dafür ziehen wir alle an einem Strang“. Ein wesentlicher Punkt dabei ist es, die Zahl der Erstsemesterstudenten hochzuhalten. Denn für jeden neu immatrikulierten Studenten, der oberhalb eines auf das Jahr 2005 bezogenen Richtwertes liegt (2647 Einschreibungen), bekommt die Uni vom Bund Geld aus Hochschulpaktmitteln. Darum existiert eine Vereinbarung mit der Landesregierung, die regelt, wie viele Neustudenten die Uni jedes Jahr anziehen soll.

Für dieses Jahr wären es mindestens 2856 Studienanfänger. Es wird der Saar-Uni wohl kaum gelingen, diese Rate zu erreichen. Zum aktuellen Zeitpunkt haben sich laut Uni rund 2250 Studenten neu immatrikuliert. Dank Nachzüglern und den Anmeldungen im Sommersemester könnte die Zahl noch auf 2700 steigen. Das wären aber 200 weniger als im vergangen Jahr und 150 weniger als angestrebt.

Trotz des Verlustes zeigte sich Manfred Schmitt erleichtert, dass die Zahlen nicht deutlicher eingebrochen sind. Denn das Auslaufen der durch die Umstellung auf G8 entstandenen doppelten Abiturjahrgänge und ein allgemeiner demographischer Trend mache es für die Hochschule schwierig, das Niveau bei ihren Studentenzahlen zu halten. Deshalb müsse man im Wettbewerb mit anderen Hochschule daran arbeiten, die Attraktivität der Saar-Uni bundesweit zu erhöhen. Denn allein mit dem hiesigen Nachwuchs ließe sich der Bestand nicht halten. „Mein Wunsch wäre es, langfristig eine Studierendenzahl von 18 000 zu erreichen. Das ist ein ambitioniertes Ziel, aber nicht utopisch“, glaubt Schmitt.

Insgesamt studieren laut Uni aktuell 17 0000 Studenten an der Hochschule. Zurzeit liegt der Anteil von Studenten, die nicht aus dem Saarland kommen, bei 51 Prozent. Die Zahl der internationalen Studenten bleibt im Vergleich zum Vorjahr mit rund 18 Prozent unverändert. Damit liege die Universität des Saarlandes deutlich über dem Bundesschnitt von rund zwölf Prozent. Die beliebtesten Fächer bei Neustudenten sind Medizin (279 Erstsemester), Rechtswissenschaft (271), Betriebswirtschaftslehre (206), Psychologie (188), Informatik (149) und Cybersicherheit (142) sowie die Lehramtsstudienfächer (339).

Um im Wettbewerb um die künftigen Akademiker mithalten zu können, müssen noch viele schwere Aufgaben bewältigt werden, das machte der Universitätspräsident deutlich. Für Prokrastination ist also keine Zeit. Prokrastination? Mit diesem Stichwort bezeichnen Psychologen die Tendenz, wichtige Aufgaben vor sich herzuschieben, weil „alles andere gerade interessanter ist“. So erklärte die saarländische Meisterin im Poetry Slam, Andrea Maria, bei ihrem Auftritt während der Eröffnungsfeier das gerade unter Studenten im Prüfungsstress verbreitete Phänomen. Warum sie immer alles auf den letzten Drücker macht? „Es ist ein Selbstversuch, wie viele Deadlines ich brauche, bis ich Burnout kriege.“

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