Kinder-Uni: Von Schafen, Scharfsinn und Schifffahrern

Kinder-Uni : Von Schafen, Scharfsinn und Schifffahrern

In der letzten Vorlesung des Semesters entführte Professor Peter Riemer seine Studenten in das antike Griechenland und erzählte von Odysseus.

„Ist die Geschichte wahr?“ – Die letzte Frage an diesem Tag ist zum einen mit die interessanteste, zum anderen aber auch die schwierigste, die Professor Riemer von seinen Juniorstudenten an diesem Tag gestellt bekommt. Trotz super Schlitten-Wetter und schlechten Straßenverhältnissen im ganzen Saarland sind doch noch einige Kinder zur letzten Vorlesung im Wintersemester der Kinder-Uni gekommen. Das Audimax der Universität des Saarlandes ist wetterbedingt diesmal zwar nicht so gut gefüllt wie im Rest des Semesters, doch dafür lauschen die Anwesenden umso interessierter Professor Peter Riemer von der Klassischen Philologie. Womit genau sich klassische Philologen beschäftigen, erklärt Professor Markus Peschel, der Leiter der Kinder-Uni im Vorfeld: mit alten und interessanten Sprachen.

Doch wann wurden die Sagen von Odysseus, um die es in der Vorlesung ja gehen soll, eigentlich aufgeschrieben? Von 1000 bis 15 000 Jahre bieten die jungen Studenten viel an, das richtige Ergebnis – 3000 Jahre – ist auch darunter.

Bevor Peter Riemer allerdings zu der Hauptfrage seiner Vorlesung, nämlich wie Odysseus einem einäugigen Riesen entkommen konnte, übergehen kann, muss erst einmal geklärt werden, wer Odysseus war. Der König Ithakas, eine kleine griechische Insel, wurde von Gesandten des mykenischen Königs Agamemnon aufgefordert, am Krieg gegen Troja teilzunehmen. Dieser Krieg brach aus, da der Prinz Trojas, Paris Alexander, die schöne Helena, die Frau des Spartakönigs Menelaos, entführt hatte. Dieser stellte gemeinsam mit seinem Bruder Agamemnon eine riesige Flotte zusammen, um Helena wieder nach Hause zu bringen.

Der Krieg um Troja dauerte bereits 10 Jahre, als ein Seher namens Kalchas verkündete, dass Troja nur mit Hilfe einer List erobert werden könne. Da Listen das Spezialgebiet des Odysseus waren, war es auch seine Idee, die schließlich umgesetzt wurde: Aus dem Holz einiger Schiffe wurde ein riesiges Pferd gebaut, in dessem Inneren die griechischen Helden, unter anderem Odysseus und Menelaos, sich versteckten. Die übrigen Griechen reisten mit ihren Schiffen ab und warteten hinter der nächsten Insel. Ein Grieche, der zurückgelassen wurde, erklärte am nächsten Tag den Trojanern, dass das Pferd eine Opfergabe an die Göttin Athene sei und deshalb so groß, damit die Trojaner nicht das Pferd und somit den Segen in ihre Stadt ziehen könnten. Daraufhin durchbrachen die Menschen die Stadtmauer Trojas und zogen das Pferd nach Troja. In der Nacht kamen die Griechen heraus und eroberten mit ihren zurückgekehrten Kameraden die Stadt.

Anschließend machte sich Odysseus auf den Heimweg und gelangte mit seinen Gefährten auf die Kyklopeninsel. Kyklopen, oder auch Zyklopen, sind Riesen, die nur ein Auge in der Mitte ihrer Stirn haben. Odysseus machte sich mit einigen Gefährten auf die Suche nach Nahrung und kam so in die Höhle des Polyphem, wo er interessiert auf die Heimkehr des Hausherrn wartete. Dieser verschlang aber gleich einige der Gefährten des Odysseus und versperrte mit einem riesigen Stein den Eingang der Höhle. Schließlich machte der Grieche den Riesen so betrunken, dass er und seine Kameraden ihm das eine Auge mit einem glühenden Pfahl ausstechen konnten. Dieser schrie zwar um Hilfe, da er aber seinen Nachbarn sagte, „Niemand erschlägt mich mit List, nicht mit Gewalt“, gingen diese wieder. Odysseus hatte Polyphem im Vorfeld gesagt, dass sein Name Niemand sei. So verstieß er auch nicht gegen die Gesetze der Götter, als er Polyphem das Auge ausstach, da Odysseus und Polyphem keine Hausfreunde waren.

Am nächsten Morgen konnten die Griechen, gebunden an die Bäuche mehrerer Schafe des Polyphem, aus der Höhle entfliehen, da dieser nur die Rücken der Tiere abtastete.
Anschließend irrte Odysseus mit seinen Gefährten noch mehrere Jahre durch die Welt, bis er 20 Jahre nach seiner Abreise endlich wieder in Ithaka an Land gehen konnte.

Während der abschließenden Fragerunde beantwortete Peter Riemer auch die Frage, ob die Geschichte wirklich so passiert ist. „Sie wird so erzählt“, meint der Professor. Ob es wirklich eine historische Gestalt mit dem Namen Odysseus gegeben hat, bezweifelt er allerdings.

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