Viele Erstsemester im Saarland studieren dual

Kostenpflichtiger Inhalt: Berufsakademie Saarland : Beim dualen Studium ist das Saarland spitze

Praktische Ausbildung und akademischer Abschluss in einem: ein Blick auf die Berufsakademie Saarland.

Die Nachricht des Centrums für Hochschulentwicklung der Bertelsmann-Stiftung sorgte vor Kurzem für Aufsehen. Das Saarland lässt die anderen Bundesländer beim Dualen Studium weit hinter sich (wir haben berichtet). Während sich beim Zweitplatzierten dieses Länderrankings, Baden-Württemberg, 14 Prozent der Studienanfänger für einen dualen Studiengang entscheiden – er vereinbart die Ausbildung in einem Unternehmen mit dem Bachelor-Abschluss einer Hochschule –, ist es im Saarland jeder Dritte. Diese Platzierung ist überwiegend der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) zuzuschreiben, die in sechs Bachelor- und vier Master-Studiengängen mittlerweile über 8000 Studenten aus 4300 Ausbildungsbetrieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Form eines Fernstudiums ausbildet. Dazu kommt noch ein Graduiertenprogramm. Die DHFPG ist damit die zweitgrößte Hochschule im Saarland. Die Studenten arbeiten Studienbriefe durch, welche die Hochschule verschickt, ihre Fortschritte werden in den Präsenzphasen in Studienzentren der DHfPG überprüft.

Das Saarland hätte sich im CHE-Länderranking allerdings noch ein gutes Stück weiter von der Konkurrenz absetzen können, wenn auch das zweite Zentrum der dualen Hochschulbildung an der Saar in der Statistik berücksichtigt worden wäre. Die 1991 als Akademie der Saarwirtschaft (ASW) gegründete Berufsakademie Saarland ist mit knapp 500 Studenten die kleinere Einrichtung der dualen Hochschulbildung. Sie konzentriert sich mit ihrem Programm ganz auf die Bedürfnisse der Unternehmen der Region, erklären ASW-Präsidentin Rosemarie Clarner und Geschäftsführer Professor Andreas Metz. Sie bietet Bachelorstudiengänge in Betriebswirtschaft, Maschinenbau, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen an. Außerdem gibt es einen berufsbegleitenden Masterstudiengang „Management und Führung“ gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken.

Die ASW arbeitet mit rund 180 Firmen aus der Region zusammen. Auch der überwiegende Teil der Studenten ist im Südwesten Deutschlands zu Hause. Beinahe die Hälfte ist im Fach BWL eingeschrieben, der Rest verteilt sich auf die weiteren Studiengänge und die Weiterbildung, berichten Rosemarie Clarner und Andreas Metz. Die Ausrichtung des Angebots werde regelmäßig im Austausch mit den beteiligten Unternehmen überprüft. Das betreffe aktuell zum Beispiel das Thema Digitalisierung und speziell bei den Ingenieur-Studiengängen den Elektroantrieb. Überlegt werde auch, im Maschinenbau eine Mechatronik-Vertiefung anzubieten, erklärt Andreas Metz.

Die duale Ausbildung ist beliebt, aber alles andere als konkurrenzlos, berichten die beiden Vertreter der dualen Hochschule. Und die Konkurrenz, besonders aus Baden-Württemberg sei hart. Dazu sei gerade in den vergangenen fünf Jahren die Situation in den Branchen, in denen die ASW-Studenten zu Hause sind, besonders krass geworden, berichtet Rosemarie Clarner, sie ist Vorstandsmitglied bei der Scheer GmbH. Viele Unternehmen, das gelte besonders für die Informatik-Branche, müssten sich gezielt auf allen Kanälen um Nachwuchs bewerben. Auch die Firmen, mit welchen die ASW zusammenarbeitet, fahnden gezielt nach Bewerbern für eine duale Ausbildung.

Wer sich für ein duales Studium entscheidet, will eine Berufsausbildung mit einem akademischen Abschluss koppeln. Das ist anstrengend, aber lohnend. Der Azubi-Student ist von Beginn an in die betriebliche Praxis eingebunden und erhält gleichzeitig das akademische Rüstzeug für die spätere Karriere, erklären die ASW-Vertreter. Die Unternehmen zahlen während der drei Jahre dauernden Ausbildung eine Vergütung. Die schwankt von Branche zu Branche und ist zudem nach Jahren gestaffelt. Der Einstieg beginne ab 650 Euro pro Monat, am Ende könnten 1100 bis 1300 Euro erreicht werden, erklären die ASW-Vertreter. Auch die Studiengebühren (zwischen 450 und 500 Euro) zahlten die Unternehmen. Die Ausbildung ist in Praxis- und Theorie-Blöcke gegliedert, Zeiten, die Studenten mal in ihren Unternehmen, mal an der Hochschule verbringen.

Wer sich für ein duales Studium entscheidet, sei allerdings sehr gut beraten, sich frühzeitig bei einem der am ASW-Programm teilnehmenden Unternehmen zu bewerben. Ein Jahr Vorlauf sei üblich. Wer diesen Auswahlprozess erst einmal passiert hat, könne damit rechnen, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Bachelor-Prüfung zu bestehen.

Abbrecherquoten von bis zu 50 Prozent, die in MINT-Studiengängen an anderen Hochschulen vorkommen, seien an der ASW unbekannt, erklärt Geschäftsführer Andreas Metz. Im Maschinenbau liege dieser Wert bei der Berufsakadmie zwischen fünf und zehn Prozent. „Wir tun viel dafür, dass das gut studierbar ist.“ Auch spiele natürlich die Vorauswahl der Studienbewerber eine große Rolle.

Rosemarie Clarner, ist ASW-Präsidentin, Andreas Metz Geschäftsführer der Berufsakademie. Foto: Rosemarie Clarner/privat/Rosemarie Clarner
Andreas Metz. Foto: Dirk Guldner/privat/Dirk Guldner

Und nach dem Examen? Die Chancen auf eine Übernahme der ASW-Absolventen stünden sehr gut, erklärt Rosemarie Clarner. Doch ein Viertel bis ein Drittel der frischgebackenen Bachelors strebten nach höheren akademischen Weihen und wollten den Master erreichen. Die Regelungen in den Arbeitsverträgen für den Fall, dass der ASW-Absolvent nach seinem ersten Abschluss nicht im Ausbildungsbetrieb weiterarbeite, seien je nach Unternehmen unterschiedlich. Ideal wäre es natürlich, den Master-Abschluss in einem berufsbegleitenden Studiengang anzustreben. Auch den hat die Berufsakademie des Saarlands im Programm.