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Uni und HTW: Wirtschaftswissenschaftler beider Saar- Hochschulen wollen Kooperationsplattform aufbauen

Uni und HTW: Wirtschaftswissenschaftler beider Saar- Hochschulen wollen Kooperationsplattform aufbauen

In der Diskussion um eine Neuordnung der Wirtschaftswissenschaften an der Saar-Universität und der Hochschule für Technik und Wirtschaft ist eine Lösung in Sicht. Die Fakultäten beider Hochschulen haben ein umfassendes Konzept für eine Kooperationsplattform entwickelt.

Saarbrücken. Monatelang galt dieses Thema als rotes Tuch. Doch nach einem Jahr teils lautstarken Streits haben sich die Fakultäten der Saar-Universität und der Hochschule für Technik und Wirtschaft zum Jahreswechsel in aller Stille auf ein Konzept zur Zusammenarbeit in den Wirtschaftswissenschaften verständigt. Wenn ihr Papier von den Hochschulleitungen gebilligt und in den Landeshochschulentwicklungsplan aufgenommen wird, könnte die Kooperationsplattform Wirtschaftswissenschaft in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen. Sie sieht ein Promotionskolleg von Uni und HTW, gemeinsame Vorlesungen im Bachelor- und eine verbesserte Zusammenarbeit im Masterstudium sowie mehr Anstrengungen in der Weiterbildung vor.

Dies sei ein Konzept auf Augenhöhe, so Dekan und Prodekan der Fakultät I der Saar-Universität, die Professoren Stephan Weth und Peter Loos. Stefan Hütter, Dekan der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der HTW, lobte die "produktive Atmosphäre" der Zusammenarbeit. "Die Basis ist sich einig", so Weth. Er sei "stolz darauf, dass das gelungen ist." Das nun verabschiedete 23 Seiten umfassende Rahmenkonzept könne Keimzelle einer künftigen, guten Zusammenarbeit werden, müssen aber noch im Detail verfeinert werden, so sein HTW-Kollege Stefan Hütter.

Der Vorschlag einer Restrukturierung der Wirtschaftswissenschaften geht auf das jüngste Gutachten des Wissenschaftsrats zur Hochschulentwicklung im Saarland zurück. Der hatte ursprünglich die Ausgründung einer sogenannten Business-School aus beiden Hochschulen vorgeschlagen, was an der Universität heftigsten Widerspruch zur Folge hatte. Diese Idee hat die Landesregierung zwischenzeitlich verworfen. Sie forderte von den Hochschulen stattdessen unmissverständlich den Aufbau einer Kooperationsplattform, in der Studienangebote verschränkt werden sollen und die gleichzeitig "einen substanziellen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung" für die Saar-Uni erbringen soll.

Zentrales Element der Kooperationsplattform, auf die sich die Vertreter beider Hochschulen nun verständigt haben, ist ein Promotionskolleg, das von einer Doppelspitze geleitet werden soll. Es soll Studenten beider Einrichtungen betreuen und gleichzeitig Funktionen eines akademischen Dienstleistungszentrums übernehmen. Zum Start, so die Vertreter von Saar-Uni und HTW, soll das Promotionskolleg drei wissenschaftliche Themen bearbeiten: Mittelstandsforschung, neue Dienstleistungen in der Informationstechnik (Smart Services) und Studien zum ökonomischen Verhalten von Menschen unter dem Stichwort "Die Macht des Unbewussten".

In der Bachelor-Ausbildung, so Prodekan Peter Loos, sind gemeinsame Vorlesungen geplant, wobei die Volkswirtschaftslehre der Saar-Universität zum Beispiel von Angeboten der HTW profitieren könne. Hier sei noch eine Reihe Details zu regeln. So müssten HTW-Dozenten an der Universität bis zum Zehnfachen der an der Fachhochschule üblichen Studentenzahl betreuen und benötigten in diesem Fall zum Beispiel für die Korrektur von Klausuren entsprechende Unterstützung. Die könne zum Beispiel von Wissenschaftlern des Promotionskollegs kommen, so Stefan Hütter.

Beim Masterstudium gelte es, gemeinsame Regelungen für die Zulassungsvoraussetzungen zu finden, so Peter Loos. Hier seien Uni und HTW allerdings in der Vergangenheit schon dichter zusammengerückt, als das allgemein bekannt sei. Ein Viertel der Master-Studenten hat nach einer Uni-Statistik seinen Bachelor-Abschluss an einer Fachhochschule erhalten.

Die neue Einigkeit an Universität und HTW endet allerdings nicht bei der Formulierung wissenschaftlicher Konzepte. Eine Kooperationsplattform werde es nicht zum Nulltarif geben, sind sich die Vertreter beider Hochschulen einig. Die Wirtschaftswissenschaften der Saar-Uni könnten auf die Wiederbesetzung von zwei derzeit vakanten Professuren verzichten, so Stephan Weth. "Das wäre dann der Sparbeitrag."

Das Promotionskolleg, das die Vertreter beider Hochschulen als Schlüsselelement betrachten, brauche allerdings mindestens in der Startphase eine Anschubfinanzierung, so sein HTW-Kollege Stefan Hütter. Mit dem vom Präsidium der Saar-Uni formulierten Sparkonzept sei dieses Projekt darüber hinaus nicht kompatibel, erklärt der Dekan der Fakultät Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Saar-Universität. Stephan Weth warnt eindringlich: Sollte dieses Sparkonzept umgesetzt werden, dann werde es nicht nur kein Promotionskolleg geben, sondern insgesamt an der Universität auch keine funktionsfähige Wirtschaftswissenschaft .