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Uni-Gebäuden droht die Schließung

Uni-Gebäuden droht die Schließung

400 Millionen Euro – auf diesen Betrag beziffert die Saar-Universität ihren Sanierungsstau. Zehn Prozent ihrer Gebäude seien wegen Baumängeln akut von der Schließung bedroht. Schon Ende des Jahres soll das erste Gebäude geräumt werden.

Das neue Hochhaus der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) an der Stadtautobahn in Saarbrücken ist von Weitem sichtbar. Doch das Gebäude , das eigentlich als architektonisches Ausrufezeichen den Anspruch Saarbrückens, außer Landeshaupt-, auch Hochschulstadt zu sein, untermauern sollte, taugt derzeit nicht für derlei Symbolik. Seit zwei Jahren steht die HTW-Erweiterung leer. Sie darf nicht bezogen werden. Ursache sind Mängel beim Brandschutz .

Die HTW liegt in Saarbrücken auf dem Präsentierteller, die Saar-Uni eher versteckt im Stadtwald. Deshalb sind die Probleme an Uni-Gebäuden weniger offensichtlich. Doch geringer sind sie nicht. Die Unileitung, die derzeit die Ziel- und Leistungsvereinbarungen ihres nächsten Globalhaushalts mit der Landesregierung verhandelt, klagt über einen auf mittlerweile über 400 Millionen Euro angeschwollenen Sanierungsstau bei ihren rund 140 Gebäuden. Zehn Prozent davon seien "akut von der Schließung bedroht", heißt es in einer Präsentation der Hochschulleitung für den Senat.

Auf dem Homburger Campus mache das Uni-Präsidium nun Ernst, so Uni-Präsident Volker Linneweber und der Vizepräsident für Verwaltung und Wirtschaftsführung Roland Rolles. Der Bau 76, ein vierstöckiges Praktikumsgebäude für Mediziner und Zahnmediziner, soll zum Jahreswechsel geschlossen werden. Dort seien bei einer Ortsbesichtigung gravierende Brandschutzmängel festgestellt worden. Als Behelfslösung müssen die Mediziner ab Beginn des Sommersemesters 2016 in eine Containersiedlung umziehen. Für 280 000 Euro hat die Uni bereits sieben je 50 Quadratmeter große Container gekauft. Möglichst bald danach müsse entschieden werden, ob das alte Praktikumsgebäude saniert werden könne oder gleich neu gebaut werden müsse, so Linneweber und Rolles. "Regelrecht schockiert", so der Uni-Präsident, seien Gutachter bei der Besichtigung des Uni-Rechenzentrums auf dem Saarbrücker Campus gewesen. Brandschutz , Sicherheit, Notstromversorgung und die Kühlung der Rechner seien bemängelt worden. Die Kühlung genüge schon beim Standardbetrieb im Sommer nicht mehr für alle Geräte.

Die Ursachen dieser Probleme sind vertrackt. Auf der einen Seite, so Rolles, fehle Geld für die Unterhaltung. 35 Millionen Euro pro Jahr hält er im Prinzip für nötig. Rund 25 Millionen habe bisher der Ansatz im Bauhaushalt betragen. Und der solle in den kommenden Jahren sogar weiter gedrosselt werden. Aber selbst von den bewilligten Projekten seien wegen komplizierter Zuständigkeiten in den Ministerien viele nicht verwirklicht worden.

Die Uni, die ihren laufenden Betrieb über einen Globalhaushalt selbstständig bestreitet, ist bei Bauprojekten auf Genehmigungen durch Dienststellen des Landes angewiesen. Das beschleunige die Verfahren nicht. "Die Uni als Eigentümer ist damit immer nur Bittsteller beim Land", so Rolles. "Wir sind zwar verantwortlich, wo die Fahrt hingeht, sitzen aber nicht am Lenker", beschreibt Linneweber die Lage.

Das würde die Uni nun gern ändern. "Wir wären bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen", so Rolles. Das Präsidium werde bei den Verhandlungen über den kommenden Globaletat anregen, auch die Zuständigkeit für ihren Bau-Haushalt zu übernehmen falls der wenigstens auf dem Durchschnitt der vergangenen Jahre gehalten werde, so Linneweber.