Trinationaler Masterstudiengang Border-Studies an der Saar-Uni

Internationaler Masterstudiengang : Studentische Grenzgänger in der Großregion

Der dreisprachige Masterstudiengang Border Studies wird von vier Universitäten in der Saar-Lor-Lux-Region gemeinsam angeboten.

In ihrem Studienalltag werden Juli Biemann und Lukas Mellinger täglich mit den verschiedensten „Grenzen“ konfrontiert: Sie müssen mit den unterschiedlichen Strukturen an gleich vier Unis in drei Ländern klarkommen, Mobilitätshindernisse in der Großregion in den Griff bekommen und Sprachbarrieren überwinden. Auch in ihrem trinationalen Masterstudiengang Border Studies setzen sich die beiden 25-Jährigen mit der Erforschung von Grenzphänomenen und grenzüberschreitender Zusammenarbeit auseinander. Mitten in der Saar-Lor-Lux-Region lernen sie unmittelbar die verschiedene Kulturen und Sprachen dreier benachbarter Staaten kennen.

Biemann gehörte 2017 mit 15 weiteren Kommilitonen zu den Pionieren in diesem weltweit einzigartigen Masterprogramm und ist nun im vierten Semester. 20 Plätze stehen jährlich zur Verfügung, zurzeit ist die Bewerberzahl geringer, denn noch sind die Border Studies weitgehend unbekannt: „Was ist das? Und was kann man damit anfangen?“, werde sie immer gefragt, so Biemann. Eher zufällig ist die Niedersächsin auf das Fach aufmerksam geworden. Sie hat Französisch auf Bachelor studiert, als Au-Pair in Frankreich gearbeitet und wollte ihre erworbenen Sprachkenntnisse vertiefen.

Lukas Mellinger, der aus Niedaltdorf stammt, ist dagegen im zweiten Semester. Er hat Politik des Nahen und Mittleren Osten in Marburg studiert und ein Masterprogramm in der Region gesucht: Border Studies habe sich interessant angehört. Als praktisches Beispiel für das, was sie in dem Fach lernen, nennt er die aktuelle Brexit-Diskussion, in der es oft um Grenzen geht. Aber das könnten nicht nur die zwischen Ländern sein, sondern auch solche, die in den Köpfen der Menschen existieren oder Sprachbarrieren.

„Gerade Luxemburg ist für uns ein sehr spannender Ort, denn der allergrößte Teil der Bevölkerung ist hier mehrsprachig“, bemerkt Mellinger. Außer an der dortigen Universität verbringen die Studierenden ihr erstes Jahr auch an der Hochschule in Metz. Danach studieren sie in Saarbrücken und Kaiserslautern. Aber auch während des Semesters müssen sie immer wieder hin und her pendeln, ergänzen sie. Für die damit verbundenen Fahrtkosten erhalten sie eine Mobilitätsbeihilfe. Auch ein Wohnortwechsel ist während der Studienzeit kaum zu umgehen. Zu den fachlichen Voraussetzungen gehört in den Unterrichtssprachen Deutsch, Französisch und Englisch eine Qualifikation auf der Niveaustufe B2. Das bedeutet, dass die Sprachkenntnisse ausreichen müssen, um auch komplexeren Gesprächen und Fachdiskussionen folgen zu können. Viele ihrer Kommilitonen haben einen Bachelor-Abschluss in einem gesellschafts-wissenschaftlichen Fach, ergänzt Biemann.

Um den Studierenden wirtschaftliche, politische, soziale und kulturelle Themen von Grenzregionen zu vermitteln, arbeiten Fachrichtungen interdisziplinär zusammen. Dazu gehören Geographie, Raumplanung, Kulturwissenschaft, Amerikanistik, Angewandte Linguistik/Mehrsprachigkeits-Forschung, interkulturelle Kommunikation, Politikwissenschaft, Soziologie und Rechtswissenschaften. Die Studierenden kommen aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Nigeria und Kamerun. Auch sie arbeiten grenzüberschreitend zusammen und helfen sich bei Fragen zu den verschiedenen Uni-Strukturen weiter.

 Denn der Alltag an den vier Unis sei sehr unterschiedlich, berichten Biemann und Mellinger: So hätten die Veranstaltungen in Frankreich zum Beispiel einen starken Schulcharakter, bei denen das Gesagte fast wörtlich mitgeschrieben werde, während es an den deutschen Unis viel interaktiver zugehe.

Auch das Masterprogramm selbst ist das Ergebnis grenzüberschreitender Kooperationen: „Dies ist der erste Studiengang, der im Rahmen der Universität der Großregion erarbeitet wurde – ein Ergebnis der engen Zusammenarbeit und gemeinsamen Erfahrungen seit 2008“, sagt die Vizepräsidentin für Europa und Internationales der Saar-Universität, Professorin Claudia Polzin-Haumann. Das Netzwerk der Universitäten Saarbrücken, Lothringen, Lüttich, Luxemburg, Trier und Kaiserslautern hat sich gemeinsam mit zwei Unis aus Bulgarien und Litauen um die Auszeichnung „Europäische Uni“ beworben. Der renommierte Titel ist mit einer Förderung von bis zu fünf Millionen Euro über drei Jahre verbunden. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sieht gute Chancen für die Bewerbung.

In ihrem späteren Arbeitsleben haben die Border-Studies-Absolventen die Aufgabe, die unterschiedlichsten Akteure aus den einzelnen Regionen und den verschiedenen Bereichen von Politik über Verkehr und Verwaltung bis zu Kultur zu beraten, erklären Biemann und Mellinger. Um den Studierenden berufliche Alternativen aufzuzeigen, gibt es einen Orientierungstag.

Biemann, die ihre Masterarbeit zum Thema Energie und Umwelt in der Großregion schreibt, interessiert sich für einen Job im Bereich der grenzüberschreitenden Energieversorgung. Mellinger absolviert dagegen bald das zwischen dem ersten und zweiten Studienjahr vorgeschriebene Praktikum beim Auswärtigen Amt und könnte sich gut vorstellen, später im Bereich Migration zu arbeiten.

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