Tim Meier unterstützt die Sportler an der Universität des Saarlandes

Kostenpflichtiger Inhalt: Studienschwerpunkt Leistungssport : Der Saarbrücker Sportcampus soll für Studierende attraktiver werden

Tim Meyer und seine Mitarbeiter wollen die Universität des Saarlands für Leistungssportler attraktiver zu machen.

Er gehört seit 18 Jahren zum Ärzteteam der deutschen Fußballnationalmannschaft, ist He­rausgeber der Zeitschrift „Science and Medicine in Football“, Sportmediziner und Professor für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlands. Die Aufzählung der Ämter und Aufgaben von Tim Meyer ließe sich völlig problemlos auch noch erheblich verlängern. Auf das sich daraus ergebende Arbeitspensum angesprochen, lacht er aber nur: „Das hört sich mehr an, als es eigentlich ist. Außerdem arbeite ich nicht allein, meine Mitarbeiter erledigen ja auch vieles.“

Im Jahr 2006 hat der gebürtige Niedersachse an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlands habilitiert. Nach zwei Jahren am Lehrstuhl für Sportmedizin der Universität in Paderborn hat er 2008 die Professur in Saarbrücken übernommen. Und im Saarland will er bleiben. „Ich habe zwei Berufungsverfahren zum Professor mitgemacht. Das reicht mir.“ Zufall oder Schicksal: Der langjährige Fußballtrainer des SC Freiburg, Volker Finke, war am Gymnasium in Meyers Heimatdorf Sportlehrer und hat ihn unterrichtet. Tim Meyer sagt, er habe schon früh erkannt: „Ich will Sportmediziner werden.“

An der Saar-Universität nimmt er mit seinem Institut eine Mittelposition zwischen der Humanmedizin – der er formal angehört – und den Sportwissenschaften ein. Das Dazwischen scheint ihm zu liegen, denn auch sonst fungiert er gern als Vermittler. Für die Spitzensportler, die an der Saar-Uni studieren und im nahegelegenen Olympiastützpunkt trainieren, wirbt der 51-Jährige bei anderen Dozenten für Verständnis, wenn sich die universitären Verpflichtungen und der Leistungssport zeitweise nur schwierig miteinander vereinbaren lassen. „Da unterstütze ich ein bisschen.“

Tim Meyer ist Professor für Sport- und Präventivmedizin an der Saar-Uni und erster Ansprechpartner für Sportler, die in Saarbrücken studieren. . Foto: Iris Maria Maurer

Das Institut für Sport- und Präventivmedizin arbeitet schon seit dem Jahr 2003 eng mit dem Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland zusammen. Auch für junge Menschen, die Training und Studium unter einen Hut bekommen wollen, hat das Vorteile. „Das sind hier optimale Bedingungen für Hochleistungssportler. Das findet man in der Form sonst nirgends“, sagt Meyer. Auch dieser Standortvorteil macht das Saarland für den Sportmediziner so attraktiv.

Sein Vorgänger Wilfried Kindermann hatte den Forschungsschwerpunkt Fußball bereits an der Saar-Universität etabliert. Mit Meyer hat er sich weiter gefestigt. Seit dem Jahr 2013 leitet er auch ein internationales Doktorandenprogramm mit dem Titel „Science and Health in Football“. Angehende Sportmediziner forschen hier speziell zum Thema Fußball. „Wir arbeiten mit der University of Technology in Sydney zusammen, was sogar einen Doppelabschluss beider Universitäten ermöglicht“, erklärt die Koordinatorin Sabrina Skorski. Sie arbeitet schon seit zehn Jahren mit Tim Meyer zusammen. Sie und Meyer wollen das Institut und damit die Saarbrücker Hochschule unter anderem für Studierende aus dem Ausland interessanter machen.

Sabrina Skorski arbeitet am Lehrstuhl von Tim Meyer. Foto: Iris Maria Maurer

So ist es seit dem Wintersemester 2018/2019 zum Beispiel möglich, sich an der Universität des Saarlands wissenschaftlich mit dem Spitzensport in all seinen Facetten zu beschäftigen. Sabrina Skorski hatte die Idee dazu. Sie hat den Studiengang High-Performance Sport geplant und koordiniert ihn auch. „Ich habe mich gefragt, wie wir den Standort noch attraktiver machen könnten. In den Sportwissenschaften gibt es bundesweit viel Konkurrenz. Studiengänge mit dem Schwerpunkt Leistungssport gibt es allerdings auch weltweit nur ganz selten – und keiner ist wie unserer. Die gute Infrastruktur hier ist schon etwas Besonderes und muss unbedingt genutzt werden.“

Meyer hat sie bei der Umsetzung unterstützt. Von den 123 Bewerbern für das kommende Wintersemester kamen laut Sabrina Skorski nur sehr wenige aus Deutschland. Tim Meyer begrüßt das. „Ich finde es gut, dass die Uni so noch internationaler wird.“

Einen Grund für die bisher eher verhaltene Resonanz im eigenen Land und insbesondere der Saarländer sieht Skorski darin, dass alle Vorlesungen und Seminare im Studiengang in englischer Sprache stattfinden. Das schrecke einige Bewerber offenbar ab. „Dabei kann man sich das ja leicht aneignen. Vielleicht hat sich aber auch einfach noch nicht genügend herumgesprochen, dass es das Angebot gibt.“ Der Studiengang ziele ganz klar auf die Zukunft ab, sagt Skorski. Denn Verbände und Vereine engagierten immer mehr Sportwissenschaftler. Stellen gebe es also genug, ergänzt Tim Meyer.

Studierende lernen in diesem Masterstudium unter anderem, wie die Trainingsmethoden im Hochleistungssport aussehen. Sie beschäftigen sich mit Sportmedizin und Sportpsychologie, lernen die Strukturen im internationalen Spitzensport kennen und beschäftigen sich mit dem Thema Doping-Prävention.

Derzeit sind fast zwei Drittel der Bewerber für diesen Studiengang Männer. „In den letzten Jahren ist der Frauenanteil in den anderen Studiengängen gestiegen. Der Leistungssport ist aber noch immer eine Männerdomäne“, erklärt Skorski. Meyer ergänzt: „Hier gibt es auch strukturelle Hindernisse. Im professionellen Sport verdienen die Männer noch viel mehr als die Frauen. Aber ich habe schon das Gefühl, dass sich hier langsam was tut.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung