Kommentar Kürzungen in der Forschung: Hier wird an der falschen Stelle gespart

Berlin/Saarbrücken · Verzögerte Bewilligungen und gestrichene Forschungsförderung durch das Bundesforschungsministerium sorgen in der Wissenschaft für viel Kritik. Ein Kommentar zu dieser Schwächung der Forschung in Deutschland, die zur Unzeit kommt.

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Gestrichene Forschungsförderung und verzögerte Bewilligungen durch das Haus von Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger sorgen in der Wissenschaft für Verunsicherung und massive Kritik. Zurecht. Denn eine Schwächung der Forschung in Deutschland kommt zur Unzeit.

Es ist ja nicht so, dass es in der Wissenschaft nicht ohnehin an unsicheren, oftmals prekären Arbeitsbedingungen mangeln würde. Befristete Beschäftigung, jahrelang Kettenverträge und extremer Leistungs- und Konkurrenzdruck gehören zur beruflichen Wirklichkeit vieler Wissenschaftler. Da sind die jüngsten Meldungen über gestrichene Forschungsförderung und verzögerte Bewilligungen durch das Haus von Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger zusätzliches Gift. Die Hiobsbotschaften betreffen Forschende aus den Bio-, Geo-, Ingenieur-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Finanzierung für wichtige Vorhaben etwa zu den gesellschaftlichen Folgen der Pandemie, zum Klimawandel, zum Verlust von Artenvielfalt oder zu Rechtsextremismus droht wegzubrechen.

An dieser Stelle werden die individuelle Verunsicherung der betroffenen Wissenschaftler und die Rückschläge gerade für junge Forschende im akademischen Mittelbau zum gesellschaftlichen Problem. Denn profunde Forschung kann und sollte die Grundlage dafür sein, politische Lösungen für die großen Probleme unserer Zeit zu entwickeln. Mit der finanziellen Absicherung solider Erkenntnisfindung droht auch die empirische Grundlage für politische Entscheidungen wegzubrechen. Das eine reißt das andere mit sich.

Im zuständigen Ministerium winkt man ab, Stark-Watzinger selbst hält sich bisher ganz zurück. Dabei ist die Verteidigungslinie ihres Hauses nicht schlüssig. Denn zugleich wird angedeutet, dass Abstriche im Haushalt anstehen und die geplante Rückkehr zur Schuldenbremse den Druck erhöht. Doch hier wird an der falschen Stelle gespart. Gerade in einer Zeit sich auftürmender und überlagernder Krisen sollten wir uns eine Schwächung der Forschung in Deutschland nicht leisten.