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Studienplatz-Vergabe stürzt ins Chaos

Studienplatz-Vergabe stürzt ins Chaos

Einst gab es die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) – und viel Ärger. Ein moderneres Verfahren sollte die Vergabe besser regeln. Doch es läuft immer noch nicht rund: Immer mehr Plätze bleiben unbesetzt, die Hälfte der Unis nimmt gar nicht an dem Verfahren teil.

Wer in diesem Wintersemester einen der heiß begehrten Studienplätze mit Zulassungsbeschränkung durch Numerus clausus (NC) ergattert hat, darf sich glücklich schätzen. Doch in Tausenden Fällen knirscht es auch jetzt wieder bei der Vergabe durch das sogenannte Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV) der Stiftung für Hochschulzulassung. Die läuft über das Bewerbungsportal "hochschulstart.de". Das neue Vergabe-Verfahren soll die Unis durch einen Abgleich der Zulassungen unterstützen. Bewerber, die ein Studium aufnehmen, sollen so automatisch aus anderen Ranglisten gestrichen und frei werdende Plätze unmittelbar weitervergeben werden.

Doch tatsächlich konnten im Wintersemester 2014/15 gut 21 000 Studienplätze nicht über das DoSV vergeben werden. Der Anteil unbesetzter NC-Plätze stieg von 4,8 auf 6,3 Prozent.

Das computergestützte System hatte 2008 mit hohen Erwartungen die stets umstrittene Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) abgelöst. Die hatte immerhin "halbwegs funktioniert", wie das Deutsche Studentenwerk konstatiert.

Zwei Konstruktionsfehler machen "hochschulstart.de" seit Jahren zu schaffen. Zum einen die mangelhafte Teilnahme der staatlichen Hochschulen an dieser Online-Datenbank: Nur die Hälfte (89 von 180) machte vor dem Wintersemester 2015/16 beim Vergabeverfahren mit - immerhin mit steigender Tendenz. 2012/13 waren es gerade mal 17 Unis gewesen. Zum anderen bereiten Mehrfach-Bewerbungen der Studenten Probleme, die auf Nummer sicher gehen wollen und so Studienplätze blockieren.

Die Linksfraktion im Bundestag forderte daher ein einheitliches Bundeshochschulzulassungsgesetz. "Seit dem Jahr 2006 hat der Bund ausdrücklich die Kompetenz, die Hochschulzulassung bundeseinheitlich zu regeln", sagte Linke-Hochschulexpertin Nicole Gohlke. Doch das stößt bei der Regierung auf taube Ohren. "Dies ist keine Frage der rechtlichen Regelung von Zulassungsmodalitäten, sondern des praktischen Verfahrens, das allein in der Verantwortung der Länder und ihrer Hochschulen liegt", heißt es aus dem Bildungsministerium.

Auch sonst hält sich das Ressort von Johanna Wanka (CDU ) mit einem Anschub für das kränkelnde Vergabesystem zurück und verweist auf die Zuständigkeit der Stiftung. Und: "Nach Auffassung der Bundesregierung kann aus der Zahl der unbesetzt gebliebenen Studienplätze kein Rückschluss auf die Zahl möglicherweise unversorgt gebliebener Bewerber gezogen werden." Eigentlich alles halb so schlimm?

Der Bund habe sich "seit 2012 komplett aus der Finanzierung des Dialogorientierten Serviceverfahrens zurückgezogen", kritisiert Gohlke. Die Kosten für die Umstellung würden "entgegen aller vorherigen Absprachen peu à peu den Hochschulen aufgedrückt", was deren Bereitschaft zur Teilnahme am neuen Verfahren gewiss nicht steigere.

Mit einer flächendeckenden Einführung des Verfahrens sei "bis zum Jahr 2018 zu rechnen", so das Ministerium. Für die Bildungsgewerkschaft GEW geht damit allerdings das schon seit Jahren beklagte "Chaos bei der Studienplatzvergabe" erst einmal weiter. "Wenn nur die Hälfte der Hochschulen teilnimmt, dann fehlt den Bewerbern die Hälfte der notwendigen Daten", ärgert sich der stellvertretende GEW-Chef Andreas Keller.