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Studentenwerk und Wohnungsgesellschaft Saarland streiten über Finanzierung von Wohnheimen

Studentenwerk und Wohnungsgesellschaft Saarland streiten über Finanzierung von Wohnheimen

Die Diskussionen um die Finanzierung der Studentenwohnheime im Saarland reißen nicht ab. Stein des Anstoßes ist das 2011 wegen Brandschutzmängeln geschlossene Wohnheim D auf dem Campus der Saar-Uni.

Das Wohnheim D auf dem Gelände der Saar-Universität ist zum Symbol für den Streit um die Finanzierung der Studentenwohnheime im Saarland geworden. 2011 wurde es wegen Brandschutzmängeln geschlossen. Die Wohnungsgesellschaft Saarland mbH (Woge) sollte es daraufhin für einen symbolischen Euro von der Saar-Uni kaufen, einen Teil des Gebäudes für 2,3 Millionen Euro sanieren und den neuen Wohnblock an das Studentenwerk vermieten. Vor knapp zwei Monaten lösten sich diese Pläne in Luft auf. Das Land hatte einen Zuschuss für die Sanierung abgelehnt, woraufhin das Studentenwerk argumentierte, dass sozialverträgliche Mieten ohne eine Förderung nicht möglich seien (wir haben berichtet).

Um weitere Sanierungsstaus in den Wohnheimen zu vermeiden, prüfe das Land mit der Woge Kooperationslösungen für die Wohnheime, sagt Thomas Schmitt , hochschulpolitischer Sprecher der CDU im Landtag. Laut Sebastian Thul , hochschulpolitischer Sprecher der SPD , brauche es eine zuschussneutrale Lösung: "Selbst wenn wir heute im Wohnheim D einen Teil subventionieren könnten, würde das zukünftige Probleme in den Wohnheimen nicht lösen." Die Woge prüfe derzeit, ob es eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für die Wohnheime gebe, so Thul. Neben einer Kooperation mit dem Studentenwerk prüfe die Gesellschaft, ob der Betrieb von Studentenwohnheimen ein Geschäftsmodell sein könne, erklärt Ludwin Vogel, Sprecher der SHS Strukturholding Saar , dem Dachunternehmen der Woge. Die Opposition im Landtag sieht diese Pläne kritisch. Sie fordert weiterhin Landeszuschüsse für die Studentenwohnungen. "Man kann studentischen Wohnraum nicht so einfach wegdelegieren an private Betreiber und Wohnungsbaugesellschaften", sagt Barbara Spaniol , bildungspolitische Sprecherin der Linken. Michael Neyses , hochschulpolitischer Sprecher der Piraten, sieht die Veränderungen ebenfalls kritisch: "Wenn die Woge die Studentenwohnheime im Saarland übernimmt, fürchten wir, dass die Mieten steigen werden." Klaus Kessler , bildungspolitischer Sprecher der Grünen, ist einer möglichen Übernahme der Wohnheime durch die Woge oder einen privaten Investor dagegen nicht grundsätzlich abgeneigt: "Entscheidend ist, was unterm Strich herauskommt. Und das müssen sozialverträgliche Mieten sein."

Doch genau an diesem Punkt sind die auf einer Kooperation von Woge und Studentenwerk fußenden Sanierungspläne für das Wohnheim D offenbar gescheitert: Sozialverträgliche Mieten seien "aufgrund der hohen Pacht- und Sanierungskosten, die das Studentenwerk nach der Sanierung an die Woge hätte zahlen müssen, nicht mehr realisierbar gewesen", so Anne-Marie Oswald, Geschäftsführerin des Studentenwerks. Bei einer Sitzung am 5. November habe der Vorstand des Studentenwerks daher entschieden, das marode Wohnheim an die Saar-Uni zurückzugeben.

Thomas Schmitt wirft der Geschäftsführung des Studentenwerks vor, sie habe im Zuge der Sanierungspläne für das Wohnheim D durch "völlig überzogene Neben- und Verwaltungskostenberechnungen den Mietpreis künstlich so hoch kalkuliert", dass die Zimmer unerschwinglich geworden wären.

Tatsächlich hatte die Woge im Auftrag der Landesregierung eine Kalkulation der Mieten für das Wohnheim D vorgelegt, die von der des Studentenwerks deutlich abweicht, räumt Oswald ein. Während die Woge eine monatliche Warmmiete von 235 Euro für ein Zimmer kalkuliert hatte, rechnete das Studentenwerk mit 291 Euro. Ihrer Berechnung der Verwaltungs- und Betriebskosten legte die Woge ihre Erfahrungen im privaten Wohnungsbau zugrunde, erklärt Ludwin Vogel. "Wir haben jedoch keine Erfahrungen im Betreiben von diesen Wohnheimen", räumt Vogel ein.

Die Nebenkosten für private Wohnungen ließen sich aber nicht mit denen für Studentenwohnheime vergleichen, argumentiert die Geschäftsführerin des Studentenwerks. Die Woge habe unter anderem zu niedrige Energiekosten kalkuliert. Um für Sauberkeit und Sicherheit zu garantieren, seien Hausmeister, Reinigungskräfte, Maler und Elektriker notwendig. Die veranschlagten Verwaltungs- und Nebenkosten seien unter anderem diesen Personal- sowie Heiz- und Stromkosten geschuldet, die auf den realen Energiekosten des Studentenwerks basierten, so Oswald.

Die Woge selbst rechnet in ihrer Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Wohnheim D sehr vorsichtig. Mit dem Studentenwerk als Betreiber kalkulierte die Woge zwar lediglich 235 Euro Warmmiete für ein Einzelzimmer im Wohnheim D. Sollte sie selbst das Wohnheim betreiben, veranschlagt sie jedoch Mieten von 280 Euro pro Einzelzimmer und 340 Euro pro Appartement. Diese Mietpreisdifferenz erklärt Ludwin Vogel mit einem Mietausfallwagnis von vier Prozent. "Da wir keinerlei Erfahrung mit den zu erwartenden Mietausfällen in Studentenwohnheimen haben, müssen wir diesen Aufschlag erheben", so Vogel.