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Studenten lernen unterschiedliche Facetten von Europa kennen

Studenten lernen unterschiedliche Facetten von Europa kennen

Saarbrücken/Otzenhausen

Saarbrücken/Otzenhausen. Wie werden in der Europäischen Union (EU) Gesetze gemacht und wer überwacht die Mitgliedstaaten? Vor welchen Herausforderungen stehen die Länder der Eurozone angesichts der Wirtschaftskrise? Wie können 27 unterschiedliche Staaten vom Ausland als Einheit wahrgenommen werden? Was schon für manche Europäer kompliziert klingt, ist für die meisten der 20 Studenten im Alter von 21 bis 25 Jahren der Singapore Management University echtes Neuland. Vom 28. April bis 8. Mai nahmen sie an der "European Spring Academy" der Asko-Europastiftung und der Europäischen Akademie Otzenhausen in Zusammenarbeit mit der HTW und dem Europa Institut der Universität des Saarlandes teil.Gemeinsam mit 22 Studenten der HTW besuchten sie europäische Institutionen wie den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg und das Europäische Parlament in Straßburg. In Planspielen schlüpften sie selbst in die Rolle von EU-Parlamentariern. Im Zentrum der zahlreichen Vorlesungen standen die Europäische Wirtschaftspolitik und die Währungsunion. "Es ist ja schon schwierig genug, auf nationaler Ebene Gesetze auf den Weg zu bringen. Dass es der EU gelungen ist, Regeln für 27 so unterschiedliche Staaten zu vereinbaren, ist echt beeindruckend", findet der 25-jährige Irwanto Kusomo, der Volkswirtschaft studiert. Den Euro bewertet der aus Indonesien stammende Student eher als Risiko: "Damit es funktioniert, müssten die Länder der Währungsunion gleich stark sein, sie sind es aber nicht, was schon die unterschiedlichen Inflationsraten zeigen." Was die Studierenden in ihrer Heimat über die EU in den Medien mitbekommen, wird aktuell von der Wirtschaftskrise dominiert. "Die Krise hat auch Auswirkungen auf Asien, daher ist es spannend, direkt vor Ort zu erfahren, wie die Europäer sie lösen. Ich persönlich finde, sie machen einen guten Job", sagt Wirtschaftsstudent Jimmy Wong.

Davon, wie die europäischen Staaten zusammenwachsen und die EU immer neue Mitglieder aufnimmt, ist die 21-jährige Afifah Auffin begeistert: "Davon könnte der Verband Südostasiatischer Nationen, ASEAN, etwas lernen, zunächst in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, aber bestimmt auch, was den kulturellen Austausch angeht."

Auch die 22 deutschen Studierenden hätten viel Neues gelernt, findet Franziska Wenzel, die an der HTW Internationale Betriebswirtschaft studiert. "Die Grundzüge der EU sind uns natürlich bekannt, aber die Details, etwa welche Institution konkret welche Aufgaben wahrnimmt, waren spannend zu erfahren." Darüber hinaus haben sie von den Studenten aus Übersee viel über Asien gelernt. "Das System in Singapur ist viel strenger und autoritärer, auch die Wirtschaft unterliegt härteren Kontrollen", ist ihr Eindruck.

Seit gut zehn Jahren organisieren die Stiftungen Akademien für junge Studierende, bislang vor allem für Australier und Neuseeländer. Die erstmalige Partnerschaft mit Singapur soll nach Möglichkeit dauerhaft werden, sagt Hans Beitz von der Europäischen Akademie Otzenhausen. Gemeinsam mit den Unis Landau und Würzburg wird im Juli eine Akademie für Studierende aus dem russischen St. Petersburg angeboten.