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Studenten geben kostenfrei Nachhilfestunden

Hilfe aus dem Internet : Kostenlose Nachhilfe in der Corona-Krise

Auf der Internet-Plattform Corona-School bieten auch Studierende aus dem Saarland Schülern Unterstützung an.

Die Pandemie hat in den vergangenen Monaten allerorten Eltern gezwungen, ihre Kinder bei den Schulaufgaben zu unterstützen. Keine leichte Aufgabe, wenn parallel die beruflichen Aufgaben im Home-Office warten. Bundesweit wird noch daran gearbeitet, nach der Corona-Zwangspause wieder alle Schüler wie gewohnt in den Klassenräumen unterrichten zu können. Studierende der Universität Bonn und der Technischen Universität Berlin haben für dieses Problem eine Lösung gesucht und mit ihrer Corona-School eine Online-Plattform zur kostenlosen Nachhilfe ins Leben gerufen.

Das Prinzip der Corona-School ist denkbar einfach: die Nachhilfelehrkräfte der Unis geben an, in welchen Schulfächern und bis zu welchem Niveau sie Schülern Unterstützung anbieten können. Die Schüler sagen bei der Registrierung, in welchen Fächern sie Hilfe brauchen. Auf der Plattform kommen sie dann zusammen. Über das Videokonferenz-Programm Jitsi können die Schüler ihre Fragen stellen.

Gegründet wurde die Lernplattform von vier Mathematik- und Informatik-Studenten der Uni Bonn und der Technischen Universität Berlin. „Als Mitte März die Krise richtig losging, haben wir uns gefragt, was wir tun können. Die meisten gaben auch schon vorher nebenbei Nachhilfe, deshalb sind wir auf die Idee gekommen“, sagt Lukas Pin, einer der jungen Gründer.

Innerhalb eines Tages hätten sie die Internetseite der Corona-School gebaut und online gestellt. Die nötigen Programmierkenntnisse haben sie im Studium erworben. Nach einem ersten Aufruf über die Fachschaften der Uni Bonn, habe sich schnell ein immer größerer Unterstützerkreis gebildet. Mittlerweile bestehe das Kernteam aus acht Personen. Weitere 60 Unterstützer hätten sich bereit erklärt, sogenannte „Screening-Gespräche“ zu führen. Dabei müssen sich Studierende, die helfen wollen, in einem Videochat vorstellen und ihren Uni-Ausweis zeigen. Sind ihre Identität und fachliche Kompetenz geklärt, könne es losgehen, erklärt Lukas Pin.

Mit der Zeit sei das Verfahren, mit dem Studierende und Schüler zusammengebracht werden, immer professioneller geworden. „Anfänglich haben wir noch selbst E-Mails verfasst und Studierende mit Schülern vernetzt, mittlerweile erledigt das ein Algorithmus für uns.“ Bundesweit seien zudem rund 100 Studierende für das Projekt engagiert, die nicht nur Nachhilfe anbieten, sondern auch sogenannte „Campus Representatives“ sind. Diese Campus-Beauftragten sorgen dafür, dass die Corona-School an den Hochschulen bekannter wird. Einer der über 9500 bereits angemeldeten Aushilfslehrer ist der 20-jährige Jan Kattanek. Er studiert im vierten Semester Medizin an der Saar-Uni am Campus Homburg und hilft derzeit ein- bis zweimal pro Woche einem Zweitklässler eine Stunde lang in Deutsch und Mathe. Er habe sich schon vorher sozial engagiert, leite auch ein Tutorium an der Hochschule und sei durch eine Nachricht der Studienstiftung Saar auf das Projekt aufmerksam geworden. „Es macht mir Spaß zu helfen und es ist ganz anders als die Arbeit mit den Studierenden“, sagt Kattanek. Er könne im direkten Gespräch ganz individuell auf seinen Schüler eingehen. „Wie oft sich Studierende und Schüler im Videochat treffen, können sie individuell vereinbaren“, sagt der 20-Jährige. Bei einem ersten Kennenlern-Gespräch seien bei jüngeren Schülern oft auch die Eltern mit dabei, sagt Kattanek. Weil er von dem Projekt überzeugt ist, habe er auch die Aufgabe eines Campus-Beauftragten an der Saar-Uni übernommen.

Das gilt auch für Niki Stammwitz, die an der Saar-Uni Anglistik und Philosophie studiert. Sie sagt, sie habe nach dem Lockdown schnell das Bedürfnis gehabt, sich zu engagieren. Nachdem die Uni geschlossen worden sei und zunächst in der Schwebe war, wie es weitergehen könne, habe sie nach Möglichkeiten gesucht, sich in der Zeit der Krise einzubringen. Die 23-Jährige unterrichtet bei der Corona-School eine Acht- und eine Zwölfjährige in Englisch. „Es ist schön, jemanden für etwas zu begeistern, was man selbst toll findet“, sagt Stammwitz. Aus ihrem Uni-Alltag habe sie das bislang nur umgekehrt gekannt.

Ehrenamtliche Helferin und Campus-Beauftragte ist auch die 22-Jährige Katrin Arendt, die Lehrerin werden will und an der Saar-Uni Chemie und Deutsch studiert. Sie wirbt bei Kommilitonen um Unterstützung. Mit Erfolg, wie Katrin Arendt erklärt, denn mittlerweile dauere es nur noch ein bis zwei Tage bis Schüler einen Lernpartner über die Plattform finden. Mindestens 40 Studierende der Saar-Universität hätten sich bereits für die Corona-School registriert, sagt Arendt, die einer spanischen Schülerin an der Deutschen Schule in Madrid in der dritten Klasse in Deutsch hilft. Neben ihren anderen Aufgaben, kämpfen die Drei zurzeit dafür, dass sich das Engagement bei der Corona-School für die Studierenden noch mehr lohnt. Sie wollen, dass die ehrenamtliche Hilfe auch im Studium angerechnet werden kann. In einigen Studiengängen sei das möglich. Die Corona-School werde es auch langfristig geben, sagt Lukas Pin. Es gebe Kooperationsverträge mit Landesregierungen für die nächsten eineinhalb Jahre. Seit Mitte Juli gebe es zudem Sommer AGs zu verschiedensten Themen, etwa ein Debattierclub oder ein Bastelworkshop.

www.corona-school.de