Europaforschung Forschungsprojekt: Wie Emotionen die Politik prägen

Saarbrücken · Wenn schwere Verbrechen die Öffentlichkeit aufrütteln, wird schnell der Ruf laut, das Strafrecht zu verschärfen. Doch wie gehen politische Akteure mit solchen Situationen um? Wie werden Entscheidungen gefällt, wenn Emotionen hochkochen? Diesen Fragen will ein europäisches Forscherkonsortium unter Leitung des Saarbrücker Politikwissenschaftlers Georg Wenzelburger nachgehen.

Georg Wenzelburger, Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt komparative Europaforschung

Georg Wenzelburger, Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt komparative Europaforschung

Foto: Thorsten Mohr

  Im letzten Jahrzehnt haben sich die politischen Debatten in Europa verändert. Häufig werden Themen diskutiert, bei denen negative Stimmungen mitschwingen, die nicht unbedingt mit den Problemen im Zusammenhang stehen. „In Zeiten, in denen eine Krise auf die nächste folgt, fühlen sich viele verunsichert. Es entstehen Ängste, die zum Teil über die sozialen Medien getriggert und von bestimmten politischen Gruppierungen geschickt genutzt werden, um Stimmung zu machen“, sagt Georg Wenzelburger, Professor für Politikwissenschaft der Saar-Universität.

Auf diese Emotionen muss die Politik reagieren. „Manchmal führen neue Gesetze und Maßnahmen dazu, dass eine schon aufgeheizte Stimmung weiter angestachelt wird. Oftmals werden aber auch Beschlüsse gefasst, mit denen die Bevölkerung beruhigt werden soll“, so Wenzelburger. Welche Mechanismen dabei greifen und wie sich solche emotionalen Dynamiken entwickeln können, ist Thema eines neuen EU-Forschungsprojekts, an dem sieben Universitäten und Forschungsinstitute in sechs Ländern beteiligt sind – darunter auch die Universität des Saarlandes.

„Hier in Saarbrücken werden wir uns etwa Parlamentsreden und Pressetexte anschauen und analysieren, wie emotional Bundestagsabgeordnete ihre Politik begründen. Wir werden zudem Interviews mit Abgeordneten führen und diejenigen Akteure befragen, die in Ministerien Gesetzestexte vorbereitet haben“, erläutert Wenzelburger.

Ob es bei der Thematik Unterschiede im europäischen Vergleich gibt, wollen die Forscher durch eine breit angelegte Umfrage in den am Projekt beteiligten Ländern herausfinden. Die EU fördert das Forschungsprojekt  mit 2,8 Millionen Euro. Davon fließen rund 700 000 Euro nach Saarbrücken. Das Projekt wird von Wenzelburger gemeinsam mit der promovierten Politologin Beatriz Carbone koordiniert, deren Schwerpunkt an der Universität des Saarlandes auf der komparativen Europaforschung liegt. Die Partneruniversitäten sind in Portugal, Dänemark, England und Warschau sowie Israel.

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