Saar-Universität will Exzellenz-Uni werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Exzellenz-Initiative : Die Saar-Universität will auf den Gipfel

Die Hochschule investiert 30 Millionen Euro, um bis zum Jahr 2025 den Titel einer Exzellenz-Universität zu erringen. Wie der große Wurf gelingen soll.

Die Saar-Universität nimmt Anlauf für ein Mammut-Projekt. Bei der nächsten Runde der Exzellenz-Initiative, dem Wissenschaftswettbewerb der deutschen Hochschulen, plant die Uni den Sturm auf den Olymp der Spitzenforschung. Sie will Exzellenz-Hochschule werden, ein Titel, den in Deutschland derzeit nur elf der 106 Universitäten tragen dürfen. Die Hürden dafür sind hoch und im Fall der Saar-Universität sogar noch ein wenig höher, denn sie verlor beim vergangenen Forschungswettbewerb im Jahr 2018 ihren einzigen Exzellenz-Cluster in der Informatik und muss im nächsten Durchgang wieder von der Nulllinie starten.

Die Exzellenz-Initiative oder Exzellenz-Strategie, wie der Hochschulwettbewerb neuerdings heißt, ist der höchstdotierte Forschungswettbewerb Deutschlands. Bund und Länder stellen dafür über eine halbe Milliarde Euro pro Jahr zur Verfügung. Die Hochschulen können sich mit Forschungsprojekten der Spitzenklasse um sogenannte Exzellenzcluster bewerben, die über sieben Jahre hinweg mit einer zweistelligen Millionensumme gefördert werden. Eine Hochschule, die zwei solcher Forschungsbereiche einwirbt, kann sich um den höchsten Titel bewerben: den einer Exzellenz-Universität. Genau das ist das Ziel des Präsidenten der Saar-Universität, Professor Manfred Schmitt.

Der im Jahr 2017 gewählte Präsident der Universität des Saarlands, der sich nun für eine zweite Amtszeit bewirbt (wir haben berichtet), hat mit der Saar-Universität große Pläne. Sie sind niedergelegt im Vorwort zum Universitätsentwicklungsplan des Präsidiums, der bereits vom Senat verabschiedet ist. Nominell gilt dieser Plan nur für die Jahre 2020/21, doch seine Weichenstellungen reichen weit ins kommende Jahrzehnt. Die Universität könne „in drei Profilbereichen internationales Spitzenniveau erreichen“, ist Manfred Schmitt überzeugt. Gemeint sind die Informatik, der Bereich NanoBioMed und der Europaschwerpunkt. Und die sollen jetzt fitgemacht werden für höhere Weihen. Wie diese Uni-Schwerpunkte thematisch und personell ausgebaut werden und mit welchen Anträgen die Saar-Uni schließlich ins Rennen der Exzellenz-Initiative gehen wird, ist noch nicht entschieden, erklärt der Uni-Präsident. Darum kümmerten sich drei Expertengruppen der jeweiligen Fakultäten. Sie sollen in diesem Frühjahr ihre Vorschläge präsentieren. Sehr viel Zeit bleibt der Universität danach nicht, um ihren Gipfelsturm in der Exzellenzinitiative zu organisieren. Denn im Jahr 2024 sind bereits die ersten Antragsskizzen für die nächste Runde dieses Wettbewerbs verlangt.

Die Informatik, die unabhängig von der Panne beim jüngsten Exzellenzwettbewerb nach wie vor als die Paradedisziplin gilt, soll so umstrukturiert werden, dass Saarbrücken „als Modell in Deutschland und Europa gelten wird“, kündigt der Uni-Präsident an. Eine wichtige Rolle bei der nächsten Bewerbung in der Exzellenz-Initiative spielten natürlich die beiden Institute der Max-Planck-Gesellschaft, das Helmholtz-Zentrum Cispa und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.

Dem Exzellenzschwerpunkt der Universität solle zusätzlich ein halbes Dutzend Professuren zugeordnet werden, vier Stellenausschreibungen liefen bereits. Über die Gesamtzahl der Informatik-Professuren an der Saar-Universität sei noch nicht endgültig entschieden. Bei der Ausbildung ihre Studenten müsse die Hochschule Wert darauf legen, ihrem IT-Nachwuchs nicht nur Fachkenntnisse, sondern auch umfassendes Allgemeinwissen zu vermitteln. Absolventen der Saarbrücker Informatik müssten mit einem „Bewusstsein für gesellschaftliche und ethische Elemente von Digitalisierungsprozessen“ in die Arbeitswelt entlassen werden, erklärt der Uni-Präsident.

Die zweite Säule der Exzellenz soll an den Grenzen von Medizin, Lebenswissenschaften, Bioinformatik und Pharmazie stehen. In diesem NanoBioMed genannten Forschungsbereich spielt die andere große Einrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft in Saarbrücken eine wichtige Rolle, das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saar (HIPS). Die Universität will mit dem HIPS eine Allianz schließen, um unter anderem die Wirkstoff-Forschung zu antibiotikaresistenten Bakterien voranzubringen und gemeinsam neue Professoren berufen, erklärt der Uni-Präsident.

Drittes Thema der Exzellenz-Offensive soll schließlich der Europa-Schwerpunkt werden. Hier lautet das hochgesteckte Ziel, „sich als erste Adresse der Europaforschung in Deutschland zu etablieren“. Erste Stufe werde der Versuch sein, einen geistes- und gesellschaftswissenschaftlich ausgerichteten Sonderforschungsbereich zu etablieren, außerdem werde sich die Saar-Uni erneut bei der Initiative „Europäische Hochschulen“ bewerben. Das Cluster für Europaforschung CEUS solle zu einer fakultätsübergreifenden Einrichtung ausgebaut werden. Im Gespräch seien derzeit unter anderem auch der Wiederaufbau der Politikwissenschaft und eine Stiftungsprofessur für Interkulturelle Kommunikation. Und wie beim NanoBioMed-Bereich ist für den Europaschwerpunkt ein Neubau auf dem Campus in Saarbrücken geplant.

Mit dem Ziel, das „Wir-Gefühl“ auf dem Campus zu stärken ist Manfred Schmitt im Jahr 2017 als Uni-Präsident angetreten. Nun will er die Kräfte der Fakultäten in einem „strategischen Zukunftsentwurf“ für die Hochschule bündeln und Aufbruchstimmung auf dem Campus erzeugen. Wobei gute Stimmung allein nicht genügen wird, um in Wissenschaftswettbewerben Punkte zu machen. Das im Entwicklungsplan 2020/21 skizzierte Zukunftsprojekt wird viel Geld kosten. Rund 30 Millionen Euro will das Unipräsidium investieren. Die Millionen stammen zur Hälfte aus einem Zuschuss der Landesregierung, der ursprünglich für die vergangene Runde der Exzellenzinitiative gedacht war. Die andere Hälfte will die Hochschule aus eigener Kraft aufbringen. Sie stammt aus ausgezahlten, aber noch nicht abgerufenen Hochschulpakt- und Drittmitteln.

Uni-Präsident Manfred Schmitt. Foto: picture alliance / Iris Maurer/U/Iris Maurer

Doch auch wenn der Entwicklungsplan 2020/21 Schluss machen will mit den deprimierenden Rückzugsdebatten, welche die Uni-Diskussion in den vergangenen Jahren lähmten, bedeute der Fünf-Jahres-Plan zur Exzellenzinitiative keineswegs, dass nun der Reichtum auf dem Campus der Hochschule eingekehrt sei. Die Uni leide nach wie vor unter einer „strukturellen Unterfinanzierung“, die „in einigen Bereichen erhebliche Probleme aufwirft“.