Saar-Uni will mehr Studenten aus Deutschland und dem Ausland anlocken

Sichtbarer werden : Saar-Uni startet Nachwuchsoffensive

Die Hochschule will mit einer grenzüberschreitenden Marketingkampagne ihre Stärken besser herausstellen.

Die Akteure in der Hochschulpolitik und den Universitäten müssen jetzt Vokabeln pauken. Denn mit der Einigung von Bund und Ländern auf neue Werkzeuge der Wissenschaftsförderung haben sich auch die Etiketten auf den Förderprogrammen geändert. So wird es den Hochschulpakt nach 2020 nicht mehr geben. An seine Stelle tritt der neue „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“. Die Probleme freilich sind die alten geblieben. Und im Saarland ist das größte Problem die demografische Entwicklung.

Die Zahl der Immatrikulationen an der Saar-Universität spricht Bände. Im Wintersemester 2010/11 wies die Statistik 3018 Ersteinschreibungen aus, im Wintersemester 2018/19 war die Zahl auf 2073 gesunken. Die Gesamtzahl der Studenten in Saarbrücken und Homburg sank von 17 639 im Wintersemester 2010/11 auf 16 695 im vergangenen Semester. Da wird es schwierig, das vom Ministerpräsidenten und Wissenschaftsminister Tobias Hans (CDU) für das Saarland ausgegebene Ziel zu erreichen. Er erwartet „dass die Hochschulen die Zahl ihrer Studenten zumindest konstant halten oder besser noch steigern“. Das könnte zum Problem werden, zeigt die Statistik. Die Saar-Uni hat bereits im Wintersemester 2018/19 in einer Reihe zulassungsbeschränkter Fächer alle Immatrikulationen zugelassen.

Was tun? Die Saar-Uni werde sich künftig sowohl deutschlandweit als auch international stärker um akademischen Nachwuchs bemühen, erklärt Uni-Präsident Manfred Schmitt. Denn das Potential für Werbeaktionen im Saarland sei praktisch ausgeschöpft. Mit ihren zahlreichen Infoveranstaltungen und dem Tag der offenen Tür sei die Hochschule bereits stark präsent. Die Betreuung werde von ihren Studenten gut benotet. Das zeigten gerade wieder die aktuellen Bewertungen im CHE-Ranking der Ingenieurwissenschaften.

Wenn man nicht mehr viel mehr besser machen kann, muss man lauter darüber sprechen. „Wir müssen unsere Stärken und Inhalte besser herausstellen“, erklärt Manfred Schmitt. Eine neue Marketingstrategie, die ab dem kommenden Wintersemester umgesetzt werden soll, soll die Saar-Universität, deren Ruf die Sparprogramme der vergangenen Jahre nicht gerade befördert haben, als Studienort bekannter machen. Dabei denke er unter anderem an einen stärkeren Auftritt in den sozialen Netzwerken, sagt der Uni-Präsident. Damit verknüpft er allerdings gleichzeitig die Frage, ob es nicht sinnvoller sei, sofort aufs Ganze zu gehen und eine integrierte Strategie für den Wissenschaftsstandort Saarland auf die Beine zu stellen. Das Land habe mit seinen beiden großen Hochschulen und den international bekannten, angrenzenden Instituten schließlich einiges für den Studentennachwuchs zu bieten. „Das wäre mein Wunsch, und das würde auch dem Saarland guttun.“

Um für Studenten aus dem Ausland attraktiver zu werden, will der Uni-Präsident stärker auf Fremdsprachen setzen. Die Saar-Universität stehe zu ihren deutsch-französischen Programmen, „wir brauchen aber auch mehr englischsprachige Studienangebote.“ Was unmittelbar zur Informatik überleitet, in der Englisch praktisch die Muttersprache ist. Dort sollen neue Studienangebote an Schnittstellen zu anderen Fächern ausgebaut werden, ein Beispiel heißt „Data Science and Artificial Intelligence“. So sind zwei neue Studiengänge (Bachelor und Master) der Saar-Uni benannt, die zum Wintersemester starten. Beide sollen Spezialisten hervorbringen, die komplexes Datenmaterial aufbereiten und mit modernsten KI-Methoden analysieren können. Die Einschreibung für den Bachelor-Studiengang, in dem die Unterrichtssprache in den letzten beiden Semestern Englisch sein wird, beginnt im August. Bewerbungsfrist für den englischsprachigen, internationalen Master ist der 15. Juni.

„Künstliche Intelligenz kommt inzwischen überall zum Einsatz, beim Online-Shopping, beim autonomen Fahren und in der medizinischen Datenanalyse“, erklärt Jens Dittrich, Informatik-Professor und Leiter der Gruppe Big Data Analytics an der Saar-Universität. Besonders beim automatisierten Übersetzen sehe man, so Dittrich, welche Fortschritte die Künstliche Intelligenz in den vergangenen Jahren gemacht habe. Da die Datenberge inzwischen in jeder Branche wachsen – das Stichwort der Informatiker hierfür lautet „Big Data“ – seien neue Techniken für die Auswertung nötig. Der Schwerpunkt der Studiengänge „Data Science“ liegt nicht auf den Daten selbst, sondern auf der Art und Weise, wie sie verarbeitet und mit Hilfe von Methoden der Künstlichen Intelligenz und des Maschinellen Lernens aufbereitet und ausgewertet werden.

Uni-Präsident Manfred Schmitt Foto: UdS/Iris Maurer. Foto: picture alliance / Iris Maurer/U/Iris Maurer

Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft kam bei einer Abschätzung der Zahl der möglichen Arbeitsplätze für Datenanalyseprofis in Deutschland zum Ergebnis, dass im vergangenen Jahr in Deutschland 10 000 Spezialisten auf diesem Gebiet gesucht wurden. Für eine weitere Untersuchung befragte der Verband mehr als 600 Unternehmen aller Größenordnungen zu diesem Thema. Danach haben Datenanalytiker im kommenden Jahrzehnt extrem gute Berufschancen. Bis zum Jahr 2023 würden 455 000 Experten für komplexe Datenanalyse in Deutschland benötigt.

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