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Saar-Uni hat Finale der Exzellenzinitiative verloren

Ein bitterer zweiter Platz : Auch exzellente Ideen können nicht immer gewinnen

Die Saar-Uni hat im Finale der renommierten Exzellenzinitiative verloren. Nun gelte es, den Blick nach vorn zu richten, sagt Professor Uwe Hartmann.

Die Universität des Saarlandes ist diesmal in der sogenannten Exzellenzinitiative, dem Wissenschaftswettbewerb der Hochschulen, leer ausgegangen. Die Nachricht löste einen Schock auf dem Campus aus. Der Saarbrücker Physik-Professor Uwe Hartmann beantwortet in unserem heutigen Gastbeitrag die Frage, ob die saarländische Informatik-Exzellenz damit dahin ist:

Die Antwort lautet: Keineswegs. Die breit aufgestellte Informatik an der Universität zusammen mit den außeruniversitären Instituten repräsentiert zweifellos eine exzellente wissenschaftliche Standortqualität. Davon zeugen bekanntlich zahlreiche Förderungen, Preise und Auszeichnungen der Vergangenheit und Gegenwart. Verbrieft wurde die saarländische Exzellenz nicht zuletzt auch durch die Einrichtung eines Exzellenzclusters vor mehr als zehn Jahren. Die Begrifflichkeit reflektiert hier nicht etwa eine übermäßig selbstsichere Eigenbewertung, sondern einen außerordentlichen Erfolg im Rahmen der seinerzeit ausgerufenen bundesdeutschen Exzellenzinitiative.

Der Nachfolgewettbewerb bewertet nun Exzellenzstrategien, und seit wenigen Tagen ist klar, dass die Saarbrücker Informatik den Exzellenzstatus verloren hat: Ein beträchtlicher Imageschaden und viele Millionen Euro an Bundes- und Ländermitteln, die nicht zur Verfügung stehen werden.

Die Gründe für das saarländische Debakel sind im Detail derzeit nicht bekannt. Allerdings weiß jeder Wissenschaftler, der sich aktiv mit Anträgen an der hochkompetitiven Wissenschaftsförderung beteiligt und regelmäßig Förderanträge begutachtet, dass heute kleinste qualitative Unterschiede übermäßig gespreizt dazu dienen müssen, hervorragende Projekte von noch besseren zu unterscheiden.

Ist also das Begutachtungssystem schuld? Nein, sicherlich nicht. Es ist weitgehender Konsens, dass das gegenwärtig praktizierte Begutachtungssystem das Beste ist, das man in der Wissenschaft kennt. Die bittere Erkenntnis ist damit wohl, dass schuld am saarländischen Misserfolg die fehlende hundertstel oder vielleicht sogar tausendstel Sekunde war, um es in einer sportlichen Analogie auszudrücken.

Wie viel schlechter ist aber der Zweitplatzierte, der mit einer Zeitdifferenz von einer hundertstel Sekunde verloren hat im Vergleich zum Erstplatzierten? Das saarländische Informatikkonzept ist also unter Umständen genauso gut wie das Konzept eines der erfolgreichen Exzellenzcluster. Dann aber ist die geplante Forschung nach dem Misserfolg noch exakt genauso bedeutsam wie vorher. Damit stellt sich nun die Frage, wie Universität und Land die Informatik trotz fehlender Exzellenzmittel in die Lage versetzen können, die geplanten Forschungsvorhaben dennoch im Wesentlichen umzusetzen.

Es ist eine durchaus beabsichtigte Nebenwirkung des Exzellenzwettbewerbs, dass Standorte, die leer ausgingen, produktive Eigenkräfte entfalten und erkennen, dass allein durch die Konzeption des Antrages schon etwas überaus Wertvolles entstanden ist: eine Strategie für fokussierte Spitzenforschung. Ein richtig großer Schaden für die Wissenschaft und für das Land entstünde erst, wenn ein exzellentes Konzept aufgrund einer Nuance nicht umgesetzt würde. Dies sollte das Leitmotiv einer jeden weitsichtigen Innovations- und Hochschulpolitik sein.