Saar-Uni bietet Bachelor- und Masterstudiengang Systems Engineering an

Saar-Universität : Dompteure für komplizierte technische Systeme

Das Fach Systems Engineering an der Saar-Uni vermittelt im Bachelor- und Masterstudium Kenntnisse in Natur- und Ingenieurwissenschaften.

Von wegen graue Theorie: Im Fach Systems Engineering werden die Studierenden an der Saar-Universität nicht nur zu Konstrukteuren ausgebildet, sondern fahren auch Rennautos. Im Projekt „Saar-Racing-Team“ planen sie den Bau des Fahrzeugs zunächst. Dann bestellen sie die dazu benötigten Teile, bauen den Wagen zusammen und testen ihn. Anschließend drehen sie damit ihre Runden. Der Bachelor-Studiengang bietet einen interdisziplinären Ansatz, um komplexe technische Systeme zu entwickeln und realisieren.

Zu den in diesem Fach aktuell 281 eingeschriebenen Studierenden gehört auch Iklim Uzun. Eigentlich wollte sie Physik studieren, doch das Fach war der Völklingerin zu theoretisch. Zudem könne man damit – zumindest im Saarland – oft nur Lehrer werden, überlegte sie. „Ich wollte deshalb lieber etwas mit Forschung machen“, sagt die 23-Jährige. Mit dem Studiengang Systems Engineering hat sie schließlich die für sie passende Mischung aus Naturwissenschaft und Ingenieurswesen gefunden.

Auch Oliver Brieger, der in Nordhorn in Niedersachsen aufgewachsen ist, war schon zu Schulzeiten von Physik begeistert. Nach drei Jahren in diesem Fach beschloss der heute 27-Jährige zu wechseln.

Ihre Entscheidung, Systems Engineering zu belegen, haben beide nie bereut. Im Gegenteil, sie seien überrascht, wie viele Möglichkeiten der Studiengang biete. Die Anzahl ihrer Kommilitonen sei überschaubar, die Lehr-Veranstaltungen nicht überfüllt. Brieger sagt: „Die Professoren kennen einen beim Namen. Wir können auch eigene Interessen äußern.“ Das sei sogar erwünscht. Inzwischen sei man fast zu einer kleinen Familie geworden, ergänzt Iklim Uzun.

„Auf jeden Fall sollte man Mathe- und Physik-Kenntnisse besitzen“, sagen die beiden zu den Voraussetzungen für das Studium. Sehr wichtig sind nach ihrer Auffassung zudem Disziplin, Fleiß und Energie. Auch Spaß und Begeisterung für das Fach dürften nicht fehlen. Zunächst eignen sich die Studien-Anfänger Grundkenntnisse in den Bereichen Physik, Mathematik und Elektrotechnik an. Anschließend erwerben sie vertiefende Kenntnisse im Maschinenbau, der Elektro- oder in der Mikrosystem-Technik. Die Regelstudienzeit im Bachelor-Studiengang von drei Jahren einzuhalten, sei „sehr sportlich“, wissen Uzun und Brieger. Es sei aber auch kein Problem, wenn man sich dafür etwas mehr Zeit lasse und dafür viel praktische Erfahrung vorweisen könne.

Um diese zu erwerben, gebe es an der Saar-Uni viele Möglichkeiten. So werden zum einen Praktika und Projekte angeboten. Brieger zum Beispiel hat dabei mit Kommilitonen eine intelligente Unfall-Kamera entwickelt, die sich einschaltet, wenn ein Fahrzeug beschädigt wird und die Geschehnisse aufzeichnet. Ihre Erfindung haben sie in München bei einem Fach-Kongress vor 100 Leuten vorgestellt. Zudem hat er an einem Studien-Austausch-Programm in Portugal teilgenommen.

„Man kann natürlich auch durch das Studium kommen, ohne einen Draht zu löten“, sagen die beiden, die inzwischen den Masterstudiengang absolvieren. Doch die praktischen Erfahrungen würden oft dabei helfen, das Gelernte besser zu verstehen. Das hat auch Uzum festgestellt. Parallel zu einer Vorlesung zum Thema Schalttechnik wurde ihr gezeigt, wie ein Verstärker zusammengebaut wird. Zudem arbeiten beide als Hilfskräfte am Lehrstuhl für Messtechnik von Professor Andreas Schütze. „Unsere Aufgaben sind sehr vielfältig und spiegeln den Studiengang wider“, sagt Brieger. Ihre Aufgaben reichen von der Daten-Verarbeitung und Auswertung über das Zusammenbauen der Elektronik bis zum Einsatz als Tutoren bei Übungen.

Die Nachfrage nach Absolventen ist laut Angaben der Saar-Uni momentan wie in absehbarer Zukunft sehr hoch. Das kann auch Brieger bestätigen: „Der Übergang zum Beruf ist unproblematisch.“ Dazu würden auch die Praxis-Kontakte, die man schon während des Studiums knüpft, beitragen. Zudem sei es möglich, die Abschlussarbeiten in Unternehmen zu schreiben. Brieger mag dagegen die Forschung und möchte nach seinem Master an der Saar-Uni promovieren. „Ich würde lieber Industrieluft schnuppern“, sagt Uzun. Sie kann sich gut vorstellen, in der Forschung und Entwicklung eines Unternehmens zu arbeiten.

Zurzeit ist die Saarländerin Mentorin für eine 16-Jährige. Im Rahmen eines MINT-Förder-Programmes möchte sie die Abiturientin bestärken, in ihre Fußstapfen zu treten. Dass sie zurzeit eine von nur ganz wenigen weiblichen Kommilitonen in dem Fach ist, ist für Uzum nicht nachvollziehbar: „Das Studium ist genauso gut als Frau machbar.“

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