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Saar-Hochschulen starten holprig ins Semester

Corona : Saar-Hochschulen starten holprig ins Semester

Die Corona-Krise und technische Probleme machten Saar-Uni und HTW beim Vorlesungsstart gehörig zu schaffen.

Seit Monaten arbeiten die Krisenstäbe der saarländischen Hochschulen an einem Konzept, mit dem die Lehre im Wintersemester zumindest in Teilen wieder auf den Campus verlagert werden könnte. Noch bevor die Vorlesungszeit gestern startete, verpassten die steigenden Infektionszahlen der letzten Wochen, dem Hochschulbetrieb jedoch schon wieder einen Dämpfer. So mussten die Präsidien von Saar-Uni und Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) zurück zur Maßgabe des Sommersemesters: Vorlesungen und Seminare gibt es nur online. Einzig Einführungs-Veranstaltungen für Erstsemester und praktische Übungen können am Campus stattfinden. Dort gelten mit einer erweiterten Maskenpflicht, die auf das gesamten Gelände ausgedehnt wurde, noch strengere Regeln.

Universitätspräsident Manfred Schmitt begrüßte gestern Morgen in der Aula coronabedingt nur eine Handvoll Erstsemester. Die anderen Studienanfänger konnten seiner Rede zu Hause via Livestream folgen. Geschätzt seien dies in diesem Jahr zwischen 2600 und 2800, erklärt die Saar-Uni. Die genaue Zahl der Neueinschreiber sei noch nicht abschätzbar, aber ein Trend erkennbar: Insgesamt werde sich die Zahl der Erstsemester im Vergleich zum Vorjahr, in dem es 2589 Studienanfänger an die Saar-Uni zog, leicht erhöhen. Der Anteil der saarländischen Studierenden liegt wie bereits im Vorjahr bei rund 50 Prozent. Die Zahl der ausländischen Studierenden sei hingegen gesunken. Die Saar-Uni erwarte, dass bis Ende November insgesamt rund 3000 internationale Studierende eingeschrieben sein werden. Zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr waren es noch 3546 gewesen.

Er habe unter den Bedingungen der Pandemie mit einem schlimmeren Einbruch bei der Zahl der internationalen Studierenden gerechnet, sagte Manfred Schmitt. Die positiven Erfahrungen mit der Online-Lehre aus dem Sommersemester ließen ihn optimistisch auf den Winter schauen. Er lobte den Schub, den die Krise für die Digitalisierung der Lehre bedeutet habe. Livestreams, Chats und Aufzeichnungen von Vorlesungen böten immerhin sehr viel mehr Flexibilität, sagte Schmitt.

Eine, die in diesem Semester ihr Studium an der Saar-Uni aufgenommen hat, ist Midhuna Immaculate Joseph Maran. Die 24-Jährige kommt aus Indien und beginnt ein Masterstudium der Bio-Informatik. Sie hofft, dass es auch Präsenzveranstaltungen an der Saar-Uni geben wird. Ihr Kommilitone Gilbert El Khoury sagt, er freue sich auf das Studium hier, trotz der Einschränkungen durch Corona. Er fühle sich von den Dozenten gut unterstützt und mache sich keine Sorgen. Tanya Malkani, ebenfalls aus Indien, sagt, persönliche Gespräche mit den Professoren seien ihr wichtig, würden aber durch Corona unmöglich gemacht. Dennoch sei sie zuversichtlich, dass die Dozenten ihr bei Problemen weiterhelfen werden. Über soziale Medien habe sie auch schon erste Kontakte an der Saar-Uni geknüpft.

Die Chemie-Studentinnen Anna Weber, 19, und Rabiya Ahmed, 18, bedauern es, dass durch die Pandemie der Studienstart so anders verläuft als erhofft. „Man hat das Gefühl komplett auf sich allein gestellt zu sein“, sagt Weber. Zudem fürchte sie, vieles zu verpassen, was das Studentenleben ausmacht. „Sollte sich in einem Jahr alles normalisiert haben, holen wir das nach“, sagt die 19-Jährige und lacht. Schon das Ende ihrer Schulzeit sei so abrupt gewesen, erklärt Ahmed. Jetzt sei der Einstieg ins Studium genauso. Sie fürchte, mehr daheim als an der Uni zu sein. Die Befürchtung hat auch Anna Balzer. Die 21-Jährige ist gerade erst für ihr Pharmazie-Studium nach Saarbrücken gezogen. „Für mich ist es schwierig. Ich komme nicht von hier und kenne niemanden.“

Auch der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) stimmte die Erstsemester auf das besondere Semester ein und wies darauf hin, dass die sich nicht scheuen sollen, coronabedingte Erleichterungen wie etwa die Freischussregel in Anspruch zu nehmen. In den Vorjahren war es bei der Semestereröffnung üblich, dass der im Sommer gewählte Asta ankündigte, welchen Themen er sich in seiner Amtszeit widmen werde. Die diesjährige Staffelübergabe hat allerdings wegen der Pandemie noch gar nicht stattgefunden. Gewählt werden die neuen Studierendenvertreter per Briefwahl vom 16. bis 20. November. So verliehen der Vorsitzende Alexander Schrickel und die stellvertretende Vorsitzende Hannah Spies anschließend nur noch den Beste-Preis. Die Auszeichnung wird jedes Jahr von Saar-Uni und Asta an besonders engagierte Studierende und Projekte vergeben. Der Preis ging in diesem Jahr an das „Erasmus Student Network“ in Saarbrücken, das sich um internationale Studierende kümmert. Das „Angebot von Studierenden für Studierende“ trage maßgeblich zu Integration und interkulturellem Austausch bei, erklärt die Saar-Uni. Weiterer Preisträger ist Dennis Huynh, der viele Projekte initiiert habe, die „großen Einfluss auf die Verbesserung der Studienqualität, die Lehre und den Austausch der Studierenden“ haben. Dazu gehöre die Gründung und Leitung der AG Austausch in Homburg, der „Round Table” mit dem Studiendekan zur Verbesserung der Lehre, sowie der Ausbau des studentischen Programms der Erstsemestereinführung.

Die HTW begrüßte ihre rund 1550 Erstsemester vom bereits digital. Neben Grußworten von Vizepräsident Andy Junker bekamen die Studienanfänger eine Einführung in die Lern-Plattform Moodle. Zudem wurden ihnen die wichtigsten Einrichtungen an der HTW vorgestellt. Ein Hardware-Problem zum Vorlesungsstart ließ Dozenten und Studierende am Montag allerdings buchstäblich in die Röhre schauen. E-Mail-Server und die Lernplattform Moodle waren komplett lahmgelegt, weshalb der Vorlesungsstart verschoben werden musste. Auch an der Saar-Uni gab es Probleme, unter anderem mit dem Mailserver. Die dort in der Lehre eingesetzten Programme waren allerdings laut Saar-Uni nicht betroffen.