Saar-Forscher arbeiten an Computerprogramm, das Ermittler entlasten soll

Software soll Telefonmitschnitte analysieren : Sprachforscher der Saar-Uni unterstützen Interpol

Die EU investiert sieben Millionen Euro in die Entwicklung einer Software, die europäische Ermittlungsbehörden entlasten soll.

Saarbrücker Sprachtechnologen arbeiten an einem Computerprogramm, das die Strafverfolgungsbehörden dabei unterstützen soll, abgehörte Telefonate schneller auf verdächtige Inhalte zu untersuchen. Für das Projekt arbeiten Forschungseinrichtungen und Ermittlungsbehörden in ganz Europa zusammen, darunter auch Interpol. Es wird mit rund sieben Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert, eine halbe Million davon fließt nach Saarbrücken.

Professor Dietrich Klakow, Forscher für Sprach- und Signalverarbeitung an der Saar-Universität erklärt, dass Kriminelle und Terroristen oft in langen Telefonaten – zwischen Gesprächen über das Wetter und die Ergebnisse von Fußballspielen – Informationen zu kriminellen Aktionen oder geplanten Anschlägen einfließen lassen. Bisher sei es nötig, dass menschliche Ermittler relevante Informationen aus Telefonmitschnitten herausfiltern, was sehr zeitaufwendig ist. Sein Team arbeitet deshalb an einem Algorithmus, der die Analyse automatisiert.

Am Ende der Zusammenarbeit der insgesamt 23 beteiligten Partner aus der Wissenschaft, der Industrie und den Behörden soll eine Software stehen, die eine Vielzahl von Telefonaten auf bestimmte Begriffe und deren Abwandlungen hin untersuchen kann und damit etwa ein Drittel der Arbeit der Ermittler automatisiert, wie Doktorandin Volha Petukhova erläutert. Tschechiche, französische und deutsche Ermittler sollen gleichermaßen vom Programm profitieren können. Insgesamt sind Forscher aus 16 Nationen an der Entwicklung beteiligt. „Das große Ziel wird es sein, ein System zu entwickeln, das einfach auf verschiedene Sprachen anzuwenden ist“, erklärt Dawei Zhu, Mitarbeiter an Klakows Lehrstuhl.

Das „Roxanne“ genannte Projekt wird noch bis August 2022 von der EU gefördert. Die Gesamtleitung liegt beim Forschungsinstitut Idiap in der Schweiz.

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