Physiker der Saar-Uni veröffentlicht im Dezember ein Buch für Kinder

Kindgerecht und anschaulich : Professor der Saar-Uni hat ein Kinderbuch geschrieben

Der Saarbrücker Physiker Uwe Hartmann will mit einem Kinderbuch den Nachwuchs für die Naturwissenschaften begeistern.

(np) Dass ein Hochschullehrer Bücher verfasst ist selbstverständlich. Der Saarbrücker Physikprofessor Uwe Hartmann ist da keine Ausnahme. „Ich habe schon sechs Bücher mit insgesamt über 2000 Seiten geschrieben. Das gehört zu meinem Beruf“, sagt der Experimentalphysiker der Saar-Universität, der die Arbeitsgruppe Nanostruktur-Forschung leitet. Und doch ist sein neues Werk eine Premiere. „APUS und die Geheimnisse hinter den Geheimnissen“, das am 12. Dezember erscheint, wendet sich nicht an Studenten oder Forscher – es ist ein Kinderbuch. „Kann ich das als seriöser Wissenschaftler überhaupt?“, habe er sich vorher gefragt.

Hartmann ging allerdings nicht vollkommen unvorbereitet an die Aufgabe heran. Auf die Idee zum Buch ist der ehemalige Vize-Präsident der Saar-Uni durch seine Vorträge im Rahmen der Kinder-Uni gekommen. Bei dieser von der Saarbrücker Zeitung und der Saar-Universität gemeinsam organisierten Veranstaltungsreihe geht es um genau dieses Thema: Komplizierte physikalische Zusammenhänge sollen möglichst anschaulich jungen Zuhörern erklären werden. Uwe Hartmann setzte dabei auf spannende Experimente und erntete dafür Begeisterungsstürme. Zusammen mit APUS, dem einzigen „Automatischen Professor der Saar-Uni“, lüftete er Geheimnisse. Zum Beispiel ging es um die Frage, warum ein Bumerang immer wieder zu seinem Werfer zurückkehrt. Dass APUS später die Hauptrolle in einem Buch spielen sollte, sei damals allerdings nicht absehbar gewesen.

Noch Wochen nach der Vorlesung habe er immer wieder Mails von den Eltern der Kinder mit der Frage erhalten, ob es zu seinen Vorträgen nichts Schriftliches zum Nachlesen gibt, sagt Hartmann. Für ihn sei das eine Anregung gewesen. Er habe sich auch daran erinnert, wie er seinen eigenen, inzwischen erwachsenen Kindern aus Technik-Büchern vorgelesen habe, die oftmals nicht gut gewesen seien. „Es ging eher um plakative Effekte als die Erklärung, wie etwas funktioniert“, erläutert er. Das wollte er besser machen. Ausschlaggebend für sein APUS-Buch sei zudem gewesen, dass seine ehemalige Doktorandin Anne Holtsch auch eine gute Grafikerin sei und die Geschichten illustriert habe.

Unter anderem erklärt der Physiker in seinem Buch, warum sich Windräder immer nur in eine Richtung drehen oder der Himmel morgens oft himmelblau und abends rötlich schimmert. Auch die Entstehung eines Regenbogens wird anschaulich beschrieben. „Für die Ureinwohner Australiens war er auch eine Brücke ins Jenseits“, ergänzt er. Zudem geht Hartmann Fragen der Künstlichen Intelligenz und Ethik nach.

APUS soll junge Leser für die Naturwissenschaften begeistern. Der erste Vorsitzende des Vereins „MINT-Campus Alte Schmelz“ in St. Ingbert möchte so auch für Fächer wie Mathematik und Technik Werbung machen.

Das 120 Seiten umfassende Buch hat er in einer konzentrierten, vier- bis sechswöchigen Schreibphase über den Sommer fertiggestellt. Die größte Herausforderung sei für ihn dabei gewesen, sich kindgerecht auszudrücken. Ein paar junge Leser dienten als Test-Publikum. Sie hätten das Buch als gut und spannend empfunden. Im Gegensatz übrigens zu seiner Ehefrau, die seine Ausdrucksweise immer noch für zu kompliziert gehalten habe. APUS sei in erster Linie zum Vorlesen gedacht. „Die meisten Eltern werden sicher auch noch was dabei lernen“, überlegt er.

Durch seine anderen Bücher hat Hartmann gute Kontakte zu großen Verlagen. Ihm sei es jedoch wichtig gewesen, aus APUS eine „saarländische Geschichte“ zu machen, betont er. Mit dem Homburger Ulrich Burger-Verlag fand er schließlich einen Herausgeber aus der Region, der bereits über 50 Bücher veröffentlicht hat und auch die Buchmesse „HomBuch“ veranstaltet. Der Verleger beschloss spontan: „Wir machen das“.

Die Grafikerin und er verzichteten auf ein Honorar, damit APUS möglichst kostengünstig produziert werden konnte, erklärt der Hochschullehrer. Zurzeit habe er zudem bei einer Stiftung beantragt, dass diese die Kosten für Exemplare übernimmt, die bei der Kinder-Uni unentgeltlich verteilt werden sollen.

Neben APUS arbeitet Hartmann an zwei weiteren Büchern. Einem Lehr- und einem populärwissenschaftlichem, in dem er der Frage nachgeht: „Was ist eigentlich Zeit, und warum kann ich nicht in die Zukunft reisen?“

Ob es von APUS eine Fortsetzung geben wird, hänge davon ab, wie der erste Band beim Publikum ankommt. Ideen dafür hat der Experimentalphysiker auf jeden Fall. So könne er sich zum Beispiel vorstellen, das Thema Umwelt aufzugreifen oder zu erklären, warum es auf der Welt Kriege gibt. „Aber ich habe ja noch einen Nebenjob hier an der Universität“, ergänzt Hartmann lächelnd.