Philosophievorkurs für Erstsemester der Universität des Saarlandes

Kostenpflichtiger Inhalt: Philosophievorkurs an der Saar-Uni : Argumentieren für Anfänger

Seit dem vergangenen Jahr gibt es an der Saar-Universität vor Semesterbeginn auch einen Philosophiekurs für Studienanfänger.

Was ist ein Argument? So trivial die Frage auf den ersten Blick scheint, so wenig ist sie es, wie an diesem Morgen auch den etwa 20 Vorkursteilnehmern klar wird, die dem Philosophen Oliver Petersen gegenüber sitzen. Ein Argument stützt eine Aussage durch Gründe, erklärt Petersen. Soweit so klar. Ein Argument könne zwar gültig, aber dennoch nicht schlüssig sein. Aha. Ein Argument sei dann gültig, wenn die Schlussfolgerung wahr sein muss, falls die Annahmen es sind, so der Philosoph. Damit sei allerdings noch nicht gesagt, dass die Annahmen auch tatsächlich wahr sind. Nur wenn das ebenfalls zutreffe, sei ein Argument auch schlüssig.

Die Tafeln in dem kleinen Seminarraum an der Saar-Universität sind vollgeschrieben. Verschiedene Abwandlungen des berühmt gewordenen Satzes „Cogito ergo sum“ (im Deutschen „Ich denke also bin ich“) von René Descartes werden hier auf Schlüssigkeit analysiert – eine Knobelaufgabe. Hier sitzen fast ausschließlich Erstsemester, die noch nicht wissen, was sie im Studium erwarten wird. Einige haben bereits etwas anderes studiert und wagen jetzt in der Philosophie einen neuen Anlauf. Auf einer solch intensiven Ebene mit Argumenten auseinandergesetzt hat sich bisher niemand. Einige hatten in der Schule zumindest Unterricht in Ethik, die sich mit der Moral befasst und einen Teilbereich der Philosophie darstellt. Sehr wenige der Teilnehmer konnten allerdings Philosophie als eigenständiges Schulfach wählen.

Organisiert wird der freiwillige Kurs vor Semesterbeginn von Sarah Sterz, unterstützt wird sie dabei vom Fachschaftsrat der Philosophie. „Die Studierenden erhalten hier Tipps zum Studium und können sich schon wichtiges Grundwissen aneignen“, so die Informatikerin und Philosophin. Oliver Petersen, der Fachrichtungsreferent am Philosophischen Institut ist, ergänzt, dass auch die soziale Komponente beim Studieren nicht zu unterschätzen sei. „Krisen im Studium bewältigt man viel besser, wenn man sich in der Gruppe auch mal gegenseitig unterstützen kann“, erläutert er. Der Kurs helfe dabei und natürlich beim Einstieg in die Sprachphilosophie und Logik, die die Erstsemester schon bald im Studium kennenlernen werden.

Der Austausch unter den Studierenden ist rege. Am dritten gemeinsam im Kurs verbrachten Tag scheinen sich die Teilnehmer bereits gut zu verstehen. Die beiden Philosophie-Studierenden Jeannine Wilhelm und Matthias Schäfer sind froh, dass es das kostenlose Angebot an der Uni gibt. „Man weiß ja gar nicht, was auf einen zukommt“, erklärt Wilhelm. „Der Vorkurs erleichtert den Übergang ins Studium.“ Die 19-Jährige hat zuvor bereits ein paar Semester Mathe und Chemie studiert. Sie sagt, sie habe die Naturwissenschaften immer spannend gefunden. „Philosophie und Mathematik sind eng miteinander verwandt, aber die Philosophie hinterfragt, was in der Mathematik einfach vorausgesetzt wird.“ Schäfer stimmt zu: „In wenigen Studiengängen erlangt man ein so tiefes Weltverständnis wie in der Philosophie.“

Der 19-Jährige ist Studienanfänger, hatte Philosophie als Wahlpflichtfach in der Schule, „aber nur ein Schuljahr lang“. Da sei er schon mal mit Argumenten in Berührung gekommen. Ein Bekannter, ein Philosophieprofessor, habe ihn immer mit Büchern und frischen Ideen versorgt, erklärt Schäfer. So sei seine Leidenschaft entstanden. Medizin hätte ihn auch interessiert, aber die raren Studienplätze in der Medizin hätten letztlich für ihn die Wahl erleichtert. „Jetzt bin ich sehr froh darum, ich denke die Philosophie ist genau das Richtige für mich.“

Das Klischee vom Taxi fahrenden Philosophen kennen natürlich beide. Sorgen später keinen Job zu finden machen sie sich nicht. „Wenn man sich im Studium engagiert hat, kann man später viel damit anfangen“, ist sich Schäfer sicher. „Man saugt unheimlich viel Wissen im Studium auf, erwirbt Schlüsselkompetenzen, lernt logisch zu denken, kann abstrahieren.“ Wilhelm sagt: „Ein Studium der Philosophie ist immer um der Philosophie selbst willen.“ Der finanzielle Nutzen stehe hier nicht im Vordergrund. Auch sei eben nicht ganz klar, wie der spätere Beruf aussieht.

Jeannine Wilhelm und Matthias Schäfer haben ein Studium der Philosophie an der Saar-Universität begonnen. Foto: Annabelle Theobald/SZ/Annabelle Theobald

Das scheint auch die anderen Studierenden nicht abzuschrecken. Ein paar stehen noch in der Mittagspause mit Petersen vor den Tafeln und diskutieren offen gebliebene Fragen. „Wer Spaß am Argumentieren, am Knobeln und Kniffeln hat, der ist bei uns richtig“, sagt Petersen. Ihm ist die Leidenschaft beim Lehren, Denken und Diskutieren anzumerken. Neben Petersen gibt es noch fünf weitere Dozenten, die den Erstsemestern im Philosophie-Vorkurs einen ersten Einblick in ihr Studienfach geben. Auf dem Programm des einwöchigen Kurses stehen etwa Argumentrekonstruktion und -kritik, Gültigkeit und Schlüssigkeit, Logik. Zum Einstieg drehte sich aber alles ums gegenseitige Kennenlernen und die elementare Frage „Was ist Philosophie?“. Das werden zumindest einige der Kursteilnehmer in den nächsten Jahren wohl noch intensiver erfahren.

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