Neue Rahmenvereinbarung für Kooperationsplattform von Saar-Uni und HTW

Kooperation vertieft : Hochschulen üben den Schulterschluss

Saar-Universität und HTW wollen künftig in sogenannten Kooperationsplattformen enger zusammenarbeiten.

Gemeinsam geht‘s besser. Nach diesem Motto empfahl der Wissenschaftsrat der Landesregierung vor fünf Jahren in einem Gutachten, Kooperationsplattformen an den beiden großen Hochschulen einzurichten. Sie sollten die Zusammenarbeit der Saar-Universität und der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) verbessern, die Hochschulen zu Motoren des Strukturwandels im Saarland machen – und vor allem beim Sparen helfen. Das am grünen Tisch entwickelte Kooperationskonzept war eine Kopfgeburt, gegen die dort ebenfalls verordnete Business-School der Wirtschaftswissenschaften regte sich an der Uni von Beginn an deutlicher Widerstand, und in den anschließenden Spardiskussionen rutschte das Thema schließlich aus dem Fokus des Interesses.

Jetzt ist es zurück. Saar-Universität und HTW haben in der vergangenen Woche eine Rahmenvereinbarung für solche Partnerschaftsprojekte beschlossen. Den Start in die gemeinsame Zukunft versüßt das Land mit einem finanziellen Zuckerguss von 150 000 Euro pro Jahr pro Hochschule. Entscheidend sei aber, so erklärten die Präsidenten von Uni und HTW, dass jetzt die Richtung stimme. Nicht von oben herab verordnet, sondern von der Basis her aufgebaut werden sollen die neuen Kooperationsplattformen. Die Rahmenvereinbarung unterzeichneten die Präsidien beider Hochschulen bei einer gemeinsamen Arbeitssitzung – auch die war ein Novum in der saarländischen Hochschullandschaft.

Als „wichtige Initialzündung“ sieht Uni-Präsident Manfred Schmitt das Projekt und sein HTW-Kollege Dieter Leonhard beschreibt sich als „Fan der Kooperationsmodelle“. Die seien nicht zuletzt deshalb wichtig, um die Interessen der Hochschulen bei künftigen Verhandlungen mit der Landesregierung gebündelt zu vertreten.

Was genau ist eine Kooperationsplattform? Die Bandbreite möglicher Aktivitäten ist extrem weit gespannt und reicht von der Grundlagen- bis zur anwendungsorientierten Forschung. In Drittmittelprojekten wollen Uni und HTW überdies versuchen, auch die saarländische Wirtschaft einzubeziehen. Drei Projekte sind derzeit in Vorbereitung: in den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und bei Gesundheitsthemen. Weitere Projekte sind möglich.

Am weitesten fortgeschritten ist die Kooperation der Ingenieure, erklären die Präsidenten der beiden Hochschulen. Die neuen Plattformen sollen auch Träger gemeinsamer Promotionsprogramme sein, die es dann zum Beispiel HTW-Studenten erlauben würden, betreut von einem Professorenduo der Uni und der HTW ihre Doktorarbeit zu schreiben. Diese Zusammenarbeit erfolgt bisher nur punktuell. Von 31 Promotionen, die derzeit HTW-Studenten absolvieren, läuft nur ein Drittel in Kooperation mit der Saar-Universität.

Dazu gehört unter anderem das Testfeld Digitalisierung, in dem Ingenieurwissenschaftler von Saar-Universität und der HTW zusammenarbeiten. Mit sich selbst steuernden Förderrollen wollen die Saarbrücker Wissenschaftler Logistikprobleme von Versandhändlern und Paketdiensten lösen. Im Testfeld Digitalisierung entwickeln sie Robotersysteme, die Pakete einer Verteilanlage intelligent steuern sollen. Das soll die Sortierung in großen Logistikzentren beschleunigen, denn das elektronisch aufgerüstete Transportrollensystem kann Abstände einzelner Pakete erkennen und Sendungen individuell abbremsen und beschleunigen.

Tragende Säule beim Aufbau der neuen Forschungsplattformen, so Manfred Schmitt und Dieter Leonhard, sei die persönliche Kooperation der beteiligten Professoren. Die beiden Hochschulpräsidenten wollen dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Die erste gemeinsame Präsidiumssitzung sei nur der Auftakt für eine regelmäßige, intensive Zusammenarbeit der Gremien beider Hochschulen gewesen.

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