Nach fünf harten Jahren wachsen Etats der saarländischen Hochschulen

Finanzspritze für die Hochschulen im Saarland : Kehrtwende auf dem Campus

Nach fünf finanziell harten Jahren wachsen die Etats der saarländischen Hochschulen wieder – aber die Herausforderungen nicht minder.

An den beiden großen Hochschulen des Saarlandes herrscht Tauwetter – jedenfalls haushaltstechnisch gesehen. Es beendet eine seit fünf Jahren währende Eiszeit. Die Hochschul-Etats waren im Jahr 2015 von der vergangenen Landesregierung als Sparmaßnahme eingefroren worden; die Stimmung wurde frostig.

Spätestens seit der Haushaltsklausur der Landesregierung im vergangenen Frühsommer war allerdings klar, dass die Saar-Universität und die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) mit millionenschweren finanziellen Verbesserungen ins nächste Jahrzehnt würden gehen können. Uni-Präsident Manfred Schmitt freute sich bei der Präsentation der Hochschulhaushalte für die Jahre 2019 bis 2021 in der vergangenen Woche denn auch über die „deutliche Kehrwende“, in den neuen Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit dem Land. Die Universität werde „erstmals seit vielen Jahren wieder die Möglichkeit haben, in ihren Schwerpunkt- und Profilbereichen moderat wachsen zu können.“

In der vergangenen Haushaltsrunde (2016 bis 2018) betrug der Zuschuss des Landes zum Uni-Haushalt rund 190 Millionen Euro, von 2019 bis 2021 soll er von 198 Millionen auf 213 Millionen anwachsen. Für die HTW waren es von 2016 bis 2018 rund 30 Millionen Euro, 2019 sollen es gut 33 Millionen werden, der Landeszuschuss wächst bis 2021 auf knapp 38 Millionen Euro.

Doch die Herausforderungen, mit denen sich die saarländischen Hochschulen im nächsten Jahrzehnt konfrontiert sehen, werden mit Geld allein nicht zu meistern sein. In dieser Einschätzung stimmen der Uni-Präsident und sein HTW-Kollege Dieter Leonhard überein. Die beiden großen Hochschulen des Landes stehen vor der Frage, wie sie angesichts der demographischen Entwicklung die Zahl ihrer Studenten konstant halten sollen. Das fordert das Land in den Ziel- und Leistungsvereinbarungen. Die HTW (6000 Studenten) zählt rund 1100 Anfänger pro Jahr, die Uni (17 000 Studenten) hat in diesem Studienjahr 2840 Erstsemester aufgenommen. Man werde sich „extrem anstrengen müssen, um diese Studentenzahlen zu halten“, erklärt Manfred Schmitt. Die Zielvereinbarungen mit dem Land sehen bis 2020 sogar noch einen leichten Aufwuchs vor.

„Wir werden nicht beliebig viele Ingenieure aus dem Saarland rekrutieren können“, ergänzt HTW-Präsident Dieter Leonhard. Er setzt auf neue Studiengänge und eine stärkere Internationalisierung. Das ist ein Weg, den auch die Uni einschlagen will. Manfred Schmitt: „Wir brauchen mehr englischsprachigen Nachwuchs.“ Bei der HTW sollen unter anderem neue Inge­nieur-Studiengänge die Attraktivität des Studienstandorts Saarbrücken steigern, bei der Universität könnten es neue Studiengänge im Umfeld der Informatik sein.

Die Informatik an der Saar-Uni hat bereits in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung zugelegt. Laut Uni-Statistik belegen mittlerweile elf Prozent aller Studenten dieses Fach. Dass diese Quote weiter wachsen wird, ergibt sich aus der Tatsache, dass der aktuelle Anteil der Informatiker unter den Erstsemestern bereits auf fast 18 Prozent gewachsen ist. Zu den neuen Lieblingsfächern der Studenten zählt dabei das erst seit 2015 angebotene Thema Cybersecurity, ein Studiengang, der im Wintersemester 300 Studenten zählt.

Informatik – an der Saar-Uni hat dieses Fach seit den 1970er Jahren besondere Bedeutung. Es steht für ihren Aufstieg in die Liga der deutschen Top-Hochschulen. Eine Entwicklung, die allerdings im vergangenen Jahr mit dem Ausscheiden ausgerechnet der Informatik in der Endrunde der Exzellenzinitiative einen jähen Bruch erfuhr. Dieses Trauma muss die Uni-Informatik jetzt schnell überwinden. Denn sie soll bei der nächsten Runde der Exzellenzinitiative 2025 wieder antreten – und siegen. Für die wissenschaftliche Nachrüstung und den Aufbau eines weiteren Forschungsbereichs für die Exzellenzinitiative greift die Landesregierung tief in die Tasche und stellt 2,5 Millionen Euro jährlich bereit.

Mit finanzieller Hilfe allein wird allerdings auch in der Computerwissenschaft der Erfolg nicht zu erreichen sein. Auch hier steht die Uni vor neuen Aufgaben – denn der Informatik-Standort Saarbrücken steckt in einem tiefgreifenden Wandel. Das neue Helmholtz-Zentrum Cispa, das neben dem Uni-Campus im Saarbrücker Stadtwald in die Höhe schießt, entwickelt als wissenschaftliche Großforschungseinrichtung gewaltige Anziehungskräfte auf die Vertreter der Computerwissenschaften.

Die Saar-Uni zählt zwei Dutzend Informatik-Professoren. Vier Wissenschaftler sind bereits ins neue Forschungszentrum übergesiedelt. Die Saar-Uni sei dabei, die ersten beiden Lehrstühle neu zu besetzen, erklärt ihr Präsident. Doch bei der Sicherung des Status quo könne es nicht bleiben: „Die Informatik muss weiter wachsen.“ Das ist auch deshalb nötig, weil die Hochschule einen guten Teil ihrer rund 80 Millionen Euro Drittmittel den Computerwissenschaften verdankt. Wenn ein Uni-Professor aber ins benachbarte Helmholtz-Zentrum wechselt, verliert die Hochschule damit nicht nur einen IT-Experten, sondern erst einmal auch die Möglichkeit, weitere Drittmittel auf dessen Forschungsgebiet einzuwerben. Und weil das Thema Cybersicherheit am Standort Saarbrücken jetzt vollständig vom Helmholtz-Zentrum Cispa abgedeckt werde, habe die Universität außerdem darauf verzichtet, ihren 2015 eingerichteten, 8,4 Millionen schweren Sonderforschungsbereich zu diesem Thema zu verlängern, erklärt Manfred Schmitt.

Um beim nächsten Durchgang der Exzellenzinitiative nicht alles auf eine Karte setzen zu müssen, wollen Universität und Landesregierung zu Beginn des nächsten Jahrzehnts auch den Forschungsbereich NanoBioMed für die wissenschaftliche Champions League fitmachen. Hier sollen Forscher der Uni und der angrenzenden Institute zusammenarbeiten. Im bis ins Jahr 2030 reichenden Zukunftskonzept des Uni-Präsidiums wird dieses Projekt unter der Überschrift „Wirkstoff-Forschung“ geführt. Für den Aufbau des NanoBioMed-Schwerpunkts hat die Landesregierung im Jahr 2021 drei Millionen und im Jahr darauf noch einmal fünf Millionen Euro zugesagt.

Der dritte Schwerpunkt im Zukunftskonzept der Saar-Universität trägt schließlich die Überschrift „Europa“. Die Saar-Uni will sich über das von ihr koordinierte Hochschulnetzwerk UGR („Universität der Großregion“), in dem sechs Universitäten in Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Belgien mit 132 000 Studenten zusammengeschlossen sind, bei der EU um den Titel „Europa-Universität“ bewerben. Die Auszeichnung, die auf eine Initiative des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron zurückgeht, ist für Hochschulkooperationen bestimmt, die Studienangebote mehrerer EU-Länder bündeln. Wie erfolgreich die jetzt vereinbarte Zukunftsstrategie von Universität und Landesregierung ist, wird sich zuerst an diesem Punkt erweisen. Denn ob die UGR und damit die Saar-Uni künftig den Titel Europa-Universität tragen darf, der in der Hochschulwelt „ein unheimliches hohes Renommee genießt“, so Uni-Präsident Manfred Schmitt, wird sich schon im Herbst dieses Jahres entscheiden.

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