Mitarbeiter der Saar-Uni im alten Telekomgebäude im Meerwiesertalweg

Mitarbeiter der Saar-Uni im Exil : Standortwechsel mit Startschwierigkeiten

Der Umzug von Teilen der Verwaltung der Saar-Uni in das alte Telekom-Gebäude im Saarbrücker Meerwiesertalweg liegt fast ein ganzes Jahr zurück. Die anfänglichen Befürchtungen der Mitarbeiter haben sich nur zum Teil bestätigt.

An den saarländischen Hochschulen ist der Platz knapp. An der Saar-Universität hat sich die Situation jedoch im vergangenen Jahr nochmals erheblich zugespitzt, nachdem im Frühjahr 2017 wegen mehrerer Schwelbrände das Gebäude 5.2 der Philosophischen Fakultät geschlossen werden musste. Um Studenten und Dozenten dieser Fächer den Exodus vom Saarbrücker Campus zu ersparen, mussten 185 Mitarbeiter der Uni-Verwaltung ausziehen. Sie sitzen seither in einem ehemaligen Telekom-Gebäude am Meerwiesertalweg. Viele hatten sich im Vorfeld Sorgen gemacht, dass der Umzug Probleme mit sich bringen würde.

Roland Rolles, Vizepräsident für Wirtschaftsführung und Verwaltung an der Saar-Uni, gehört zu den Umgesiedelten. Er zeigt Verständnis für die Befürchtungen der Mitarbeiter: „Natürlich ist es nicht einfach, sein gewohntes Umfeld zu verlassen. Gerade die älteren Mitarbeiter, die unter Umständen nicht wieder auf den Campus zurückkehren werden, bedauern dies.“ Allerdings sei der Umzug auch eine Chance, da durch die kürzeren Wege Arbeitsabläufe verbessert würden. Bärbel Schreiner, Assistentin des Dezernatleiters für Haushalt und Finanzen, bestätigt das: „Der Kontakt zu den Kollegen ist besser geworden, man spricht einfach mehr miteinander.“

Für Heike Claassen, Sachgebietsleiterin der Abteilung „Akademischer Mittelbau“ und damit zuständig für das wissenschaftliche Personal an der Uni, trifft das nur bedingt zu: „Man kann vieles über Telefonate und E-Mails klären, aber der persönliche Kontakt fehlt einfach.“ Gerade bei Neuberufungen fehle der persönliche Austausch. Eine sinnvolle Lösung könnte ihrer Meinung nach eine Kontaktstelle auf dem Campus sein, wo ein Ansprechpartner für die Fragen der Mitarbeiter zur Verfügung stehe. Ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht gebe den Menschen eher das Gefühl, willkommen zu sein, so Claassen.

Patrik Zeimetz, Vorsitzender des wissenschaftlichen Personalrats, teilt diese Einschätzung: „Jetzt sind die Mitarbeiter weiter weg von den Menschen, die sie gerne und gut betreuen.“ Auch er habe dafür plädiert, dass eine Ansprechstelle der Personalabteilung am Campus präsent sei, allerdings habe das bisher nicht gefruchtet. Wenn jetzt ein Vier-Augen-Gespräch zwischen der Personalabteilung und einem Mitarbeiter notwendig werde, bringe das Probleme für die Mitarbeiter mit sich. Termine müssten anders getaktet werden, berichtet Zeimetz.

Roland Rolles sagt, das Pendeln zwischen den beiden Standorten bereite aus seiner Sicht keine größeren Probleme. Die Mitarbeiter könnten mit ihrer Karte gratis mit dem Bus von ihrem Arbeitsplatz zum Campus fahren. Hier gebe es Absprachen mit den Verkehrsbetrieben, die dafür eine Pauschalabgabe erhielten. „In der Phase, in der die Busse nicht gefahren sind, war das natürlich ein Aufreger, aber meist kommt man gut auf den Campus.“ Überdies stünden zwei Dienstwagen für die Mitarbeiter im Meerwiesertalweg zur Verfügung. Die Parkplatzsituation im alten Telekom-Gebäude sei ebenfalls unproblematisch. 110 Stellplätze stünden für die fast 200 Mitarbeiter zur Verfügung, bisher reichten diese aus. „Es gab noch keine ernsthaften Engpässe“. Das bestätigen auch die Mitarbeiter.

Das gastronomische Angebot sei im Vergleich zur Situation auf dem Campus am neuen Standort nicht mehr ganz so vielfältig, sagt Karoline Jorzyk, Leiterin der Personalabteilung. Allerdings gebe es genügend Ausweich-Möglichkeiten. „Die Mensa am Waldhausweg ist gut und kann von den Mitarbeitern genutzt werden. Einmal pro Woche bietet auch das Ausländercafé auf dem Campus Essenslieferungen an.“ Auch die Kantine der angrenzenden Postbank biete den Mitarbeitern die Möglichkeit in der Mittagspause dort zu essen, so Jorzyk.

Laut Roland Lang, Mitarbeiter im Service des Hochschul-IT-Zentrums, ist der Umzug insgesamt gut verlaufen, es habe keine größeren Probleme gegeben. Allerdings hätten sich die Servicezeiten bei Computerproblemen auf dem Saarbrücker Uni-Gelände verlängert. „Bei Ausfällen muss erst der Weg zum Campus gemacht werden, das geht nicht mehr so schnell wie vorher.“ Die IT-Mitarbeiter müssten sehr viel pendeln, mit dem Bus zu fahren sei meist keine Option. „Die Busverbindung ist einfach zu oft problematisch, die Busse zu voll und seit der Notfallplan in Kraft getreten ist, ist es zu gewissen Zeiten einfach katastrophal.“ Die Dienstwagen würden von den Technikern daher oft genutzt. Im Gegensatz zu den Instituten auf dem Campus seien Computerprobleme in der Verwaltung dafür schneller behoben, da die Techniker alle vor Ort seien. „Durch den Umzug ist die IT-Abteilung näher zusammengerückt“, sagt Lang.

Auch Patrik Zeimetz, selbst diplomierter Informatiker, sieht die Auslagerung des IT-Zentrums problematisch. Bei vielen Ausfällen sei es dringend nötig, dass jemand vorbeikomme. „Es wäre gut, einen Stützpunkt für die Netzwerker am Campus einzurichten.“ Dafür habe er sich bisher erfolglos eingesetzt. Es sei aber spürbar, dass man sich vonseiten des Präsidiums Mühe gebe, die Situation zu verbessern.

Bärbel Schreiner wünscht sich für die Zukunft noch mehr Austausch. „Die Kommunikation zwischen dem Campus und hier könnte noch besser werden. Man hat schon Angst, den Kontakt zu verlieren.“ Es sei insgesamt aber alles weit weniger dramatisch gewesen als im Vorfeld angenommen. Sie kann dem Umzug aber auch Positives abgewinnen: „Wir hatten noch nie so schöne Büros.“

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