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Mit fünf Euro zur eigenen Firma

 Christian Jacobs, Anne Jost und Philipp Eder (von links) helfen der 78-Jährigen Katharina Ihl aus St. Ingbert, ihre Besorgungen zu erledigen. Die HTW-Studenten hatten die Idee, sich mit einem Einkaufsdienst für ältere Menschen selbstständig zu machen. Foto: Schlichter
Christian Jacobs, Anne Jost und Philipp Eder (von links) helfen der 78-Jährigen Katharina Ihl aus St. Ingbert, ihre Besorgungen zu erledigen. Die HTW-Studenten hatten die Idee, sich mit einem Einkaufsdienst für ältere Menschen selbstständig zu machen. Foto: Schlichter FOTO: Schlichter
Saarbrücken. Was früher Unternehmensgründung hieß, wird heute als sogenanntes Startup bezeichnet. Was es heißt, eine Geschäftsidee zu entwickeln und in die Tat umzusetzen, lernen Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) im Projekt „5 Euro StartUp“. Sarah Konrad

Auf den ersten Blick scheinen Christian, Hendrik, Anne und Philipp ganz normale Studenten zu sein. Sie tragen Jeans und T-Shirt, treffen sich gerne mit Freunden und mögen Sport. Alle studieren Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saar (HTW). Doch seit heute haben die vier eine neue Aufgabe: Sie sind Unternehmer auf Probe.

"Wir haben eine eigene Firma gegründet und bieten einen Einkaufsdienst für Senioren an", erzählt Christian Jacobs. Einmal wöchentlich möchten der 23-Jährige und seine Kommilitonen den Einkauf für ältere Menschen erledigen. "Die Senioren können bei uns anrufen. Wir fahren dann bei ihnen vorbei und nehmen die Bestellung auf", erläutert er weiter.

Außerdem haben sich die Studenten vorgenommen, regelmäßig Thementage zu veranstalten. "Dann liefern wir hauptsächlich regionale Produkte oder fahren in die Gärtnerei, um Weihnachtsgestecke oder Blumen zu kaufen", so Anne Jost. Erreichen möchten sie Kunden aus den Regionen Heusweiler, Wadgassen, Bexbach und Merzig.

Doch wie sind die vier überhaupt auf die Idee gekommen ein Unternehmen zu gründen? "Das Ganze ist ein Angebot der HTW und nennt sich 5 Euro StartUp. Alle Studenten im fünften Semester machen dabei mit", erläutert Philipp Eder. Begonnen habe das Projekt bereits vor einem Monat. Seitdem treffen sich die Teilnehmer regelmäßig. Sie mussten sich in Gruppen zusammenschließen, eine Geschäftsidee entwickeln und diese dann auch in die Tat umsetzen.

"Die Firma wird für acht Wochen bestehen, heute ist der erste Tag", sagt Philipp, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Als symbolisches Startkapital haben die Jungunternehmer fünf Euro bekommen. "Das ist nicht viel. Aber bei der Aktion geht es auch nicht um den Gewinn", so der 25-Jährige. Er und sein Team möchten nur so viel verdienen, dass sie die Kosten für Sprit und Werbung decken können.

Am Ende des Projekts müssen die Gruppen ihre Idee vor einer Jury aus Vertretern der saarländischen Wirtschaft vorstellen. Die besten Projekte werden mit einem Preis ausgezeichnet. Insgesamt nehmen fünf Gruppen an dem Wettbewerb teil. "Das Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln. Wir sollen alles, was wir bisher nur theoretisch gelernt haben auch mal in der Praxis anwenden und lernen im Team zu arbeiten", sagt Anne Jost, die sich um die Buchhaltung kümmert.

Für die 23-Jährige stand von Anfang an fest, dass die Firma im sozialen Bereich angesiedelt sein soll. "Wir haben überlegt, wo noch eine Marktlücke ist. Und da es immer mehr alte Menschen gibt, haben wir uns entschieden, ein Unternehmen mit Dienstleistungen für Senioren zu gründen", erinnert sich Philipp Eder. Der Student aus Bexbach erklärt, dass ihn letztendlich auch seine Großmutter auf die Idee mit dem Einkaufsservice gebracht hätte. "Meine Oma wohnt in Kleinottweiler. Dort gibt es keine Geschäfte und sie ist ständig auf andere angewiesen, was das Einkaufen betrifft", erzählt er. Sie sei daher auch schon die erste Kundin. Und die vier Studenten hoffen, dass in den nächsten acht Wochen noch viele weitere hinzukommen.

"Ich wünsche mir, dass wir viele Aufträge erhalten und noch einen Supermarkt finden, der bereit ist mit uns zusammenarbeiten, um größere Bestellungen abzuwickeln", sagt Christian Jacobs. Doch egal wie erfolgreich ihr Unternehmen letztendlich sein wird, am 19. Januar werde es wieder aufgelöst. "Wenn es gut läuft, können wir uns dann aber selbst als Unternehmen anmelden", erklärt Philipp und scherzt: "Da hätten wir natürlich nix dagegen."

Der Einkaufsservice der HTW-Studenten kostet maximal fünf Euro . Er startet heute und läuft bis zum 19. Januar. Interessierte können sich an Philipp Eder wenden:

Telefon: 0 17 46 31 06 50.


Zum Thema:

HintergrundDer Wettbewerb "5 Euro Startup" ist eine Kooperation zwischen der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Die Teilnehmer entwickeln eine Geschäftsidee und setzen diese innerhalb von acht Wochen um. Insgesamt fünf Gruppen haben im Rahmen des Projekts eine Firma gegründet. Die Ideen: Ein Einkaufsdienst, Schmuckdesign , Entwurf und Verkauf von Shirts, eine diebstahlsichere Tasche und ein Unternehmen, das anderen Firmen bei der Mitarbeiter-Suche hilft. sara