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Mediziner der Saar-Uni testen niedrigere Dosierung von Chemotherapie bei Krebsbehandlung

Universitätsklinikum Homburg : Auch sparsame Chemotherapie kann Erfolg haben

Mediziner der Saar-Universität testen niedrig dosierte Behandlung bei der Therapie des sogenannten B-Zell-Lymphoms.

Die häufigste Krebserkrankung des Lymphsystems ist das sogenannte B-Zell-Lymphom, das unbehandelt schnell zum Tod führt. Eine Chemotherapie kann vielen Patienten helfen. Sie hat jedoch starke Nebenwirkungen. Einem Team unter der Leitung saarländischer Mediziner ist es gelungen, mit einer geringeren Dosis der aggressiven Therapie bei jungen Niedrigrisikopatienten gleiche Ergebnisse wie mit der Standardtherapie zu erzielen, berichtet die Saar-Uni.

Bisher werden B-Zell-Lymphome, die die häufigste Form der sogenannten Non-Hodgkin-Lymphome darstellen, mit sechs Zyklen einer Chemotherapie behandelt. Dabei litten Patienten unter den Nebenwirkungen, erklärt Studienärztin Viola Pöschel vom Universitätsklinikum Homburg. Nervenschädigungen wie Gefühlsstörungen in Fingern und Zehen seien besonders belastend. „Das Immunsystem ist durch die Chemotherapie stark geschwächt. Die Patienten sind sehr anfällig für Infekte und leiden unter der Therapie häufig auch unter starker Übelkeit und Erbrechen“, erläutert Pöschel. Jede Verringerung der Therapiezyklen bedeute weniger Nebenwirkungen und damit mehr Lebensqualität.

In einer großangelegten Studie wurden laut Saar-Uni von Dezember 2005 bis Oktober 2016 fast 600 Patienten im Alter von 18 bis 60 Jahre mit geringer Tumorlast untersucht. Dabei wurden zwei Gruppen gebildet, von der eine die Standardtherapie mit sechs Chemo-Zyklen erhielt, und die andere lediglich mit vier behandelt wurde. Die Untersuchungsergebnisse hätten ergeben, dass dass es keinen Unterschied machte, wie viele Zyklen ein Patient absolvierte. Das gelte sowohl für den unmittelbaren Behandlungserfolg als auch für die Überlebensrate in den folgenden drei Jahren, erklärt die Saar-Uni. Die Ergebnisse hätten bei beiden Gruppen mehr als 90 Prozent betragen.

Die Ergebnisse der Untersuchung, die in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurden, gelten bisher nur für Niedrigrisikopatienten im Alter von 18 bis 60 Jahren, schränkt Dr. Viola Pöschel ein. Unter der Federführung der Homburger Spezialisten wird derzeit deutschlandweit untersucht, ob eine Verringerung der Chemotherapie auch bei älteren Patienten mit geringer Tumorlast möglich ist.