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Leiser Kampf statt lautstarker Proteste

Leiser Kampf statt lautstarker Proteste

Die Saar-Uni hat einen neuen Asta. Die Doppelspitze bilden Samira Scheibner (Jusos) und Govinda Sicheneder (Aktive Idealisten). Mitten im Haushaltsstreit mit Land und Unileitung ist eines der zentralen Ziele der Studentenvertreter mehr Demokratie auf dem Campus.

Es sind bewegte Zeiten für die Saar-Universität. Sie soll bis 2020 etwa ein Zehntel ihres Haushaltes einsparen, seit über einem Jahr wird auf dem Saarbrücker Campus diskutiert, wie viel an welchen Fakultäten gespart werden soll. "Zwischen den Dekanen ist längst der Verteilungskampf ausgebrochen", sagt der Asta-Vorsitzende Govinda Sicheneder. Doch so sehr der Haussegen auf dem Campus derzeit schief hängt, einen positiven Effekt habe die Spardiskussion, sagt die neue Asta-Vorsitzende Samira Scheibner: "Der Kontext ist zwar schlimm - aber in gewisser Weise haben uns die Einsparungen zugespielt." Sie beobachtet, dass sich viel mehr Studenten hochschulpolitisch engagieren als noch vor einem Jahr. "Viele merken, dass sie jetzt für die Qualität ihres Studiums kämpfen müssen."

Auch die Art des Engagements habe sich in den letzten Monaten verändert, sagt Scheibner. "Vor einem halben Jahr war die Stimmung unter den Studenten noch sehr aufgeheizt", sagt die Geschichtsstudentin. "Aber nachdem sie zum fünften Mal vor der Staatskanzlei standen und gemerkt haben, dass der Protest dort einfach zu nichts führt, setzen viele jetzt auf die Arbeit in den universitären Gremien." Auch der Asta setzt weniger auf lautstarken Protest: Demos seien für die nächste Zeit nicht geplant, statt auf die Barrikaden zu gehen, wollen Scheibner und Sicheneder in den universitären Gremien für ihre Ziele kämpfen.

Das neue Engagement schlage sich auch in den Fachschaftskonferenzen nieder, die bis vor Kurzem "ziemlich eingeschlafen und nun wiederbelebt" worden seien. Mittlerweile treffen sich die studentischen Vertreter aller Fachrichtungen einmal monatlich, um über ein gemeinsames Vorgehen zu beraten, berichtet Scheibner. "Für uns ist das eine enorme Bereicherung, wenn sich Studenten aller Fachrichtungen engagieren und zusammenarbeiten."
Reform des Unigesetzes



Seit zwei Wochen ist Samira Scheibner in ihrem neuen Amt als Asta-Vorsitzende. Ihr Mitstreiter, der Informatikstudent Govinda Sicheneder, hat sein Amt schon seit über einem Jahr inne und weiß, was auf die 25-Jährige zukommt: "Ein Fulltime-Job."

Für ihre Amtszeit haben sich Sicheneder und Scheibner, die gerade ihre Bachelor-Arbeit schreibt, viel vorgenommen.

Ein zentrales Thema für die neue Asta-Spitze ist die Reform des Universitätsgesetzes, aus der sich die Studenten mehr Mitspracherecht und Demokratie auf dem Campus erhoffen. "Grob gesagt wünschen wir uns, dass man die Befugnisse von Uni-Rat und Uni-Senat einfach austauscht", sagt Sicheneder. Als Aufsichtsgremium hält er den Uni-Rat aber durchaus für sinnvoll: "Um das Gesamtkonzept im Auge zu behalten, brauchen wir ihn schon." Doch sollte der Rat "keine Entscheidungen im operativen Uni-Geschäft" fällen, so Sicheneder. "Über Berufungsfragen oder Fakultäts-Teilungen sollte nur entscheiden, wer das Tagesgeschäft kennt", findet auch Scheibner. "Der Uni-Rat kennt einfach die konkreten Probleme vor Ort nicht", sagt Sicheneder. So sei der Uniratsvorsitzende bei der letzten studentischen Vollversammlung "völlig überrascht" gewesen, welche Auswirkungen es auf die Lehre hat, wenn zum Beispiel Kompensationsmittel fehlen, berichtet der Asta-Vorsitzende.
Millionen für die Lehre

Diese Mittel im Millionenhöhe. die für Lehre und Studium zweckgebunden sind, sind ein weiteres wichtiges Thema für die neuen Asta-Vorsitzenden. Über die Verwendung der Kompensationsmittel stritt sich der Asta unlängst mit dem Unipräsidium, warf ihm vor, das studentische Mitspracherecht bei der Vergabe der Gelder auszuhöhlen. Mittlerweile beschreibt Scheibner die Stimmung zwischen Asta und Präsidium als "konstruktiv", im Senat berate nun eine eigens eingerichtete Kommission über das Thema Kompensationsmittel. "Immerhin sind wir uns darüber einig, dass weiterhin 70 Prozent der Mittel direkt an die Fakultäten und 30 Prozent in zentrale Aufgaben, wie etwa das Sprachenzentrum, fließen sollen", sagt Sicheneder. Nicht einigen konnte sich die Kommission bisher über die Verteilung an den einzelnen Fakultäten .

Nun sollen die Fakultätsräte dem Asta Konzepte vorlegen, wie die Mittel künftig eingesetzt werden. "Die Verteilung muss transparenter werden. An manchen Fakultäten hatten die Studenten überhaupt keinen Einblick in die Vergabe", sagt Sicheneder. Seine Befürchtung sei, dass die Mittel für Pflichtveranstaltungen eingesetzt werden und so nicht mehr der Verbesserung, sondern nur noch dem Erhalt der Lehre zugute kämen.