Keine Genehmigung für HTW-Hochhaus

Saarbrücken · Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) wird ihren seit über einem Jahr fertiggestellten Neubau auch in den kommenden Jahren nicht nutzen können. Die Stadtverwaltung lehnt das Brandschutzkonzept ab. Im Fall eines Feuers könnten die über 1000 Studenten und Mitarbeiter aus dem neun Stockwerke hohen Bau nicht schnell genug evakuiert werden.

 Das umgebaute einstige Gesundheitsamt in Saarbrücken sollte eigentlich als Erweiterung für die HTW genutzt werden. Doch die Stadtverwaltung verweigert dem Bau die Genehmigung. Die Hochschule ist nun auf der Suche nach neuen Räumen. Foto: Iris Maurer

Das umgebaute einstige Gesundheitsamt in Saarbrücken sollte eigentlich als Erweiterung für die HTW genutzt werden. Doch die Stadtverwaltung verweigert dem Bau die Genehmigung. Die Hochschule ist nun auf der Suche nach neuen Räumen. Foto: Iris Maurer

Foto: Iris Maurer

Der Umzug der HTW in ihr weithin sichtbares "Haus des Wissens" an der Stadtautobahn in Saarbrücken ist vom Tisch - zumindest vorerst. In einem Schreiben an Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) lässt die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD ) keinen Zweifel daran, dass die Bauaufsicht dem HTW-Hochhaus die Betriebsgenehmigung verweigern wird, weil es nicht möglich sei, im Fall eines Brandes über 1000 Mitarbeiter, Studenten und Dozenten schnell genug zu evakuieren. Das habe ein Fachgutachten ergeben. "Ich bin mir im Klaren, dass der Raumbedarf der HTW erfüllt werden muss", so die Oberbürgermeisterin in diesem Brief, der der SZ vorliegt. Diese Unterstützung könne "aber nicht die Umgehung rechtlicher Vorgaben zum Schutz von Leib und Leben beinhalten".

Offiziell ist diese Ablehnung noch nicht versandt worden. Die Stadtverwaltung will offenbar noch das Ergebnis einer Zusammenkunft der Projektgesellschaft Falko GmbH in dieser Woche abwarten, die den Umbau des einstigen Gesundheitsamts finanziert. Die Stadt versucht hinter den Kulissen den Investor zu überzeugen, die ursprünglichen Bauanträge zurückzuziehen, um so den Weg für eine andere Nutzung des Hochhauses freizumachen.

Falko-Geschäftsführer Wolfgang Memminger erklärte gestern gegenüber der SZ, "wir müssen und wir wollen weitermachen. Das ist ein schönes Gebäude. Die Frage ist, als was ist es nutzbar." Eine Entscheidung über die bei der Stadt eingereichten Bauanträge sei allerdings noch nicht gefallen.

Auslöser der Auseinandersetzungen um das HTW-Gebäude, die alle Beteiligten jetzt offenbar so schnell wie möglich bereinigt wissen möchten, waren anfangs unterschiedliche Interpretationen über die Frage, wie viele Personen sich im HTW-Gebäude aufhalten werden, so Daniel Kempf, Leiter des Ministerbüros des Saarbrücker Finanzministeriums. Es ist der Auftraggeber des Bauprojekts. Der im ersten Bauantrag der Projektgesellschaft genannten Zahl von 200 Personen habe das Ministerium jedenfalls direkt widersprochen. Laut Ausschreibung sei das HTW-Gebäude bei voller Auslastung für mehr als 1000 Personen vorgesehen, so Daniel Kempf.

Seither wird nachgebessert. Und zwar aus Sicht der ausführenden Ottweiler Baugesellschaft (OBG-Hochbau) so erfolgreich, so Geschäftsführer Walter Eberhardt, dass das HTW-Gebäude mittlerweile im Prinzip bis zu 1600 Menschen im Fall eines Brandes Fluchtmöglichkeiten bieten würde. Das hätten mehrere Brandschutzsimulationen gezeigt, die von seinem Unternehmen in Auftrag gegeben wurden.

Genau in diesem Punkt kommt das Gutachten der Saarbrücker Stadtverwaltung jetzt allerdings zum diametral entgegengesetzten Ergebnis. "Die Bemühungen des Bauherren, die grundlegenden Planungsfehler an dem Gebäude mit einem weiteren Bauantrag nachträglich zu heilen, haben nicht zum Ziel geführt", so Stadtpressesprecher Thomas Blug.

Wie geht es nun weiter? Für OBG-Geschäftsführer Walter Eberhardt ist das keine Frage: "Wir werden versuchen, das auszudiskutieren und zu lösen. Wir verweigern uns nicht." Allzu viel Zeit wird dafür allerdings nicht mehr bleiben. Denn nach einer Krisensitzung am vergangenen Freitag erklärte die Staatskanzlei gestern nachmittag, die Landesregierung werde dem Bauherrn, der Firma Falko, eine Frist von fünf Monaten setzen, um eine Baugenehmigung zu erreichen. Sollte das dem Projektpartner nicht gelingen, werde das Land den Vertrag kündigen.

Der Rektor der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Wolrad Rommel, hat den im Jahr 2008 auf 26 Millionen Euro taxierten HTW-Erweiterungsbau an der Stadtautobahn in der Zwischenzeit aus seinen Planungen für die nächste Zukunft gestrichen. Er setze jetzt nicht mehr auf Lösungen zur Überbrückung kurzfristiger Engpässe, sondern suche unterstützt von der Staatskanzlei für die nächsten Jahre alternative Standorte in und um die Landeshauptstadt. Die Campusplanung mit bis zu 6000 Studenten sei damit gesichert. Zumindest der HTW-Rektor kann damit jetzt sagen: "Ich schaue wieder ganz optimistisch in die Zukunft."