Juristen und Wirtschaftswissenschaftler der Saar-Uni wollen ihre Bibliotheken erhalten

Juristen und Wirtschaftswissenschaftler der Saar-Uni wollen ihre Bibliotheken erhalten

Der Entwurf des neuen saarländischen Hochschulgesetzes sieht Veränderungen bei den Bibliotheken vor. Damit sind die Vertreter der beiden größten Fachrichtungen überhaupt nicht einverstanden.

Das neue Hochschulgesetz des Saarlands ist ein gewichtiges Werk. 99 Paragrafen auf 114 Seiten umfasst der Entwurf, der erstmals sowohl das akademische Leben der Saar-Universität als auch der Hochschule für Technik und Wirtschaft regeln soll.

Bei einer Konferenz Ende August fragte der Wissenschaftsausschuss des Landtags Vertreter von Hochschulen, Forschungsreinrichtungen und Verbänden nach ihren Ansichten zur Gesetzesnovelle. Dabei rückte dann nach der unvermeidlichen Debatte zum Prozedere der Präsidentenwahl plötzlich ein Thema in den Fokus, das in der öffentlichen Debatte um die Saar-Universität sonst kaum beachtet wird: die Bibliotheken .

Die Saar-Uni besitzt außer der großen Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek (SULB) sechs größere Bereichsbibliotheken und wenigstens 13 kleinere Einzelbibliotheken. Diese Vielfalt auf dem Campus sei dem Landesrechnungshof ein Dorn im Auge, erklärte Unipräsident Volker Linneweber vor dem Ausschuss. Es gebe auf dem Campus zu viele "Nanobibliotheken", so der Uni-Präsident. "Das müssen wir ändern." Außerdem dürfe bei der Entwicklung der Bibliotheken der technische Wandel nicht außer Acht gelassen werden. Die Zeiten reiner Büchermagazine seien vorüber. Die Universität müsse für die kommenden 20 Jahre planen.

Bei den Plänen sei der Gesetzesentwurf aber übers Ziel hinausgeschossen, kritisierten die Vertreter der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften vor dem Ausschuss. Ihnen geht es bei ihrer Kritik auch um die Frage, wer in den juristischen und wirtschaftswissenschaftlichen Bibliotheken künftig das Sagen haben soll. Nach dem Gesetzesentwurf soll die fachliche Leitung für alle Bibliotheken künftig beim Direktor der SULB liegen. Und das sei schlecht, erklärten die Leiter der juristischen und wirtschaftswissenschaftlichen Bereichsbibliotheken, die Professoren Tiziana Chiusi und Heinz Kußmaul.

Sie fordern, unterstützt von einer Arbeitsgemeinschaft des Senats der Hochschule, die dies in einer vom Präsidium abweichenden Erklärung formuliert hat, den Fakultäten die Hoheit über die beiden größten Bereichsbibliotheken zu lassen. Schließlich könne man nicht fachliche von personellen Zuständigkeiten trennen, so Chiusi. Das bisherige System der Fachbereichs-Büchereien sei "immer hoch gelobt worden", so Kußmaul. Zudem seien die Bücher-Sammlungen für beide Fachbereiche von existenzieller Bedeutung.

Die Fachbereichsbibliotheken der Juristen und Wirtschaftswissenschaftler umfassen über eine halbe Million Bücher - und der Gesamtbestand könnte sich demnächst durch die Eingliederung der Bibliothek der Humanwissenschaften noch einmal erhöhen, erklärt Heinz Kußmaul. Rund 40 Prozent aller Studenten der Saar-Universität gingen in den beiden größten Bereichsbibliotheken auf dem Saarbrücker Campus ein und aus. "Wir haben hier ein sehr kundenorientiertes System."

Warum also ohne Not etwas daran ändern? Diese Frage der beiden Bibliotheksdirektoren lässt offenbar auch die verantwortlichen Politiker im Landtagsausschuss noch einmal über das Thema nachdenken. Man sei, so der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses, Sebastian Thul (SPD ), zu dieser Frage im Gespräch. "Es wird Veränderungen geben."

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