Neues Konzept in Kaiserslautern In der Pfalz unterrichten künftig Richter

Kaiserslautern · An der Hochschule Kaiserslautern startet zum Wintersemester der neue Studiengang „Wirtschaft und Recht“.

 Juristische Fragestellungen werden für Betriebswirtschaftler immer wichtiger. In Kaiserslautern will man dem Rechnung tragen. 

Juristische Fragestellungen werden für Betriebswirtschaftler immer wichtiger. In Kaiserslautern will man dem Rechnung tragen. 

Foto: Volker Hartmann/dpa/Volker Hartmann

In der modernen Arbeitswelt sind wirtschaftliche und rechtliche Aspekte immer enger miteinander verzahnt. Der neue Bachelor-Studiengang „Wirtschaft und Recht“ an der Hochschule Kaiserslautern (HSKL) will dem Rechnung tragen. Die Studieninhalte wurden dabei nicht nur wie üblich von Dozenten der Hochschule, sondern in enger Kooperation auch von Richtern am Pfälzischen Oberlandesgericht (OLG) in Zweibrücken konzipiert. Diese sollen sogar selbst unterrichten, was der Lehre eine größere Praxisnähe verleihen soll als beispielsweise ein Jura-Studium.

„Der neue Studiengang wird jeweils etwa zur Hälfte aus betriebswirtschaftlichen und rechtswissenschaftlichen Inhalten bestehen“, sagt Rolf Pohl. Der Professor für Wirtschaftsrecht leitet den neuen Studiengang an der HSKL. „Die Richter des OLG werden dann hauptsächlich ab der zweiten Studienhälfte eigene Vorlesungen halten“, so Pohl. Studenten in den ersten Semester würden hingegen von regulären Dozenten betreut.

Die Richter kommen laut Pohl nicht nur vom OLG Zweibrücken, sondern auch von verschiedenen Amts- und Landesgerichten in der Region. „Sie arbeiten dort in völlig unterschiedlichen Rechtsbereichen“, sagt Pohl. Daher könnten sie verschiedene Spezialgebiete ­– vom Wettbewerbs- über das Gesundheits- bis hin zum Urheberrecht ­– abdecken. „Sie plaudern aber nicht nur aus ihrem Alltag, sondern vermitteln theoretische Grundlagen, angereichert mit Berufserfahrung“, erläutert Pohl das Konzept.

Das Besondere am Studiengang sei nicht, dass Richter Vorlesungen hielten. „Das machen viele andere Hochschulen auch“, sagt Rolf Pohl. Ein Novum sei hingegen, dass die Richter auch bei der Konzeption des Studiengangs mitwirken würden. „Wir haben einen gemeinsamen Beirat, der den Studiengang entwickelt“, so der Wirtschaftsjurist. Auch am OLG zeigt man sich von dem neuen Projekt überzeugt. „Ein für Rechtsfragen geschärfter Blick kann Rechtstreitigkeiten vermeiden helfen“, sagt OLG-Präsident Bernhard Thurn. Umgekehrt sei für Juristen das Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge nützlich.

Nach dem dreieinhalbjährigen Studium winkt ein Bachelor of Arts. „Wir haben bewusst keinen Bachelor of Law gewählt“, sagt Pohl. „Der Studiengang ist nicht darauf ausgelegt, später Anwalt zu werden.“ Er sieht die Absolventen eher in anderen Bereichen, „zum Beispiel in der Geschäftsführung großer und mittelständischer Firmen, in der Steuer- und Insolvenzberatung oder der Wirtschaftsprüfung, aber auch im Eventmanagement oder bei Start-Up-Unternehmen.“ Dort gebe es einen großen Bedarf an Fachkräften, die in wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen gleichermaßen bewandert seien. Wer im Studium merke, dass ihm etwa die Anwaltstätigkeit mehr zusage, könne ein Jura-Studium anhängen. „Dafür lässt sich dann auch sicher eine Menge aus unserem Studiengang einbringen“, so Pohls Einschätzung.

Einen echten konsekutiven Master gibt es für den neuen Bachelor in Kaiserslautern bisher nicht. „Der neue Studiengang ist bewusst breit gefächert“, sagt Pohl. Im Master könnten sich Studenten dann je nach Interessensgebiet weiter spezialisieren. Zwei geplante Masterstudiengänge bieten sich laut Pohl dafür besonders an; Gesundheits- und Mittelstands-Management.

Wer sich für den Studiengang interessiert, muss zumindest ein Fachabitur oder einen gleichwertigen Abschluss besitzen. Ursprünglich waren zum Start im Wintersemester 2018/19 nur 30 Studienplätze vorgesehen. „Das haben wir aber mittlerweile geändert“, sagt Rolf Pohl. Denn obwohl die Bewerbung erst seit Kurzem möglich sei, gebe es schon eine Menge Anfragen. „Wir wollen dafür sorgen, dass jeder Bewerber auch einen Studienplatz bekommt“, so der Jurist.

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