Besser argumentieren Politik, Wirtschaft, Kultur: Beim Debattierclub an der Saar-Uni kann jeder mitdiskutieren

Saarbrücken · Der Debattierclub Saar trifft sich zwar an der Universität des Saarlandes, aber hier darf jeder mitdiskutieren, ob mit oder ohne Matrikelnummer. Ein paar Tipps, wie man gut diskutiert – nämlich sachlich, respektvoll und überzeugend.

 Debattieren mit Erfolg: Marta Delgado Guillén und Deirbhile Canny (v.l.)  sind zuletzt bei der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft Vizemeister geworden –   in der Kategorie „Deutsch als Fremdsprache“.

Debattieren mit Erfolg: Marta Delgado Guillén und Deirbhile Canny (v.l.) sind zuletzt bei der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft Vizemeister geworden – in der Kategorie „Deutsch als Fremdsprache“.

Foto: Benjamin Rannenberg

Hinter der Tür von Raum 0.07 kommt die Weltpolitik aufs Tapet. Im Uni-Seminarraum geht es um eine große Frage mit aktuellem Bezug: Soll die G7, die Gruppe wirtschaftsmächtiger Staaten des Westens aufhören, ihre Gipfel zu veranstalten? Wir befinden uns im Gebäude E 2.1 auf dem Uni-Campus in Saarbrücken, wo sich einmal in der Woche der 2015 von Studierenden und Dozierenden gegründete Debattierclub Saar trifft. „Ziel war ein Angebot zu schaffen, wo man sich rhetorisch üben kann“, sagt der Clubpräsident Lennart Lokstein. Offen ist der Club jedenfalls für alle – sei es für Studierende, ehemalige Studis oder Nicht-Studierende.

Die Debatte bestreiten an diesem Abend vier junge Frauen und fünf Männer, 15 Minuten bleibt zur Vorbereitung. Dazu kommt ein Juror, der sich Notizen macht, den Gewinner kürt und jedem Feedback gibt. Wie schlagkräftig waren die Argumente? Waren sie ausformuliert und gut begründet? Waren die Argumente hieb- und stichfest? Auch über Innenpolitik, Wirtschaft, Kultur oder gesellschaftlich-ethische Fragen wird öfter bei den Treffen debattiert.

Im deutschsprachigen Raum gibt es zwei „Formate“ nach denen debattiert wird: die offene parlamentarische Debatte und den „British Parliamentary Style“ (BPS). Während im ersten Redeformat jeweils zwei Dreier-Teams auf der Pro- und Contra-Seite gegeneinander antreten, können sich im Mittelteil fraktionsfreie Redner für ein Lager ihrer Wahl entscheiden. Wobei jeder Redner der zwei Teams sieben Minuten Redezeit hat, die Einzelredner dreieinhalb. Anders der britische parlamentarische Debattenstil. Hier treffen in einer Debatte jeweils vier Teams aufeinander, jeweils zwei pro Seite. Doch dabei ist das Ziel nicht nur die Gegenseite zu schlagen, sondern auch das Team aus dem eigenen Lager zu überflügeln.

Das Regelwerk ist das eine, doch wie gelingt es im Alltag zivilisiert eine Debatte zu führen und dem anderen mit Respekt zu begegnen? Wenn man debattiert, kann man üben, sich in die Position des anderen hineinzuversetzen, sagt Lennart Lokstein. Das helfe sehr gut dabei, andere Sichtweisen zu verstehen und zu überlegen, was eigentlich dafür spricht. „Die Leute vertreten aus einem bestimmten Grund eine Meinung“, so Lokstein. Wenn man überlegt, was dieser Grund sein könnte, dann sei es meistens einfacher „sich respektvoll mit diesen Leuten auseinanderzusetzen, auch wenn man nicht notwendigerweise ihre Meinung teilt“. Um die Diskussion möglichst sachlich zu halten, sollte man sich inhaltlich mit den Argumenten auseinandersetzen. „Es gibt ja das Stichwort der gewaltfreien Kommunikation, das heißt, dass man wenig absolute und mit der Person verknüpfende Formulierungen wählt“, betont der VDCH-zertifizierte Debattiertrainer.

Zumindest auf einem richtigen Weg zu zivilisierten Debattiererinnen sind die beiden Clubmitglieder, Marta Delgado Guillén und Deirbhile Canny. Vor Kurzem sind sie bei der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft in Wien in der Kategorie „Deutsch als Fremdsprache“ (mit zwei weiteren Finalteams) Vizemeister geworden. Nach sieben Vorrunden und teilweise komplexen Themen wie dem EU-Einstimmigkeitsprinzip und der Reduzierung der Anteile in Medienunternehmen schafften es die beiden ins DaF-Finale. Was motiviert die zwei Studentinnen der Uni des Saarlandes in ihrer Freizeit zu debattieren? Für die 22-jährige Marta stand am Anfang klar im Vordergrund, im Debattierclub ihr Deutsch zu verbessern und andere kennenzulernen. Als sie länger dabei war, merkte sie, wie viel Spaß das Debattieren macht und wie viele Freunde sie dadurch gefunden hat. Die Studentin Deirbhile, sagt, dass sie gern argumentiere und offen dafür sei, die Meinungen anderer kennenzulernen. „Ich habe den Debattierclub entdeckt und mir gedacht, dass er mir bei Präsentationen helfen kann“, sagt die 24-Jährige.

Weitere Informationen unter https://debattierclub-saar.de. Treff immer donnerstags, 18.15 Uhr, auf dem Campus der Universität des Saarlandes (im Gebäude E 2.1, Raum 0.07).