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„Ich halte an allen Vorschlägen fest“

„Ich halte an allen Vorschlägen fest“

Der Wissenschaftsrat, das wichtigste Beratergremium von Bund und Ländern in der Hochschulpolitik, rät in einem Gutachten zu tiefgreifenden Veränderungen in der saarländischen Hochschullandschaft. Dafür muss er heftige Kritik einstecken. Doch die sei ebenso unbegründet wie die Behauptung, die Expertise habe 300 000 Euro gekostet, erklärt der Generalsekretär des Rates, Thomas May.

Einseitig, oberflächlich und viel zu negativ. Am Gutachten des Wissenschaftsrats zur saarländischen Hochschullandschaft lassen seine Kritiker kein gutes Haar. Bei Podiumsdiskussionen und parlamentarischen Anhörungen werden die Vorschläge des 450-Seiten-Papiers gern mit dem Hinweis abgetan, hier seien nach oberflächlicher Begutachtung von Fachfremden tiefgreifende Veränderungen vorgeschlagen worden, die zu unabsehbaren Schäden vor allem in den großen Fachbereichen an der Saar-Uni führen könnten.

"Ich verstehe jeden Professor, der sich, wenn er mit solchen Empfehlungen konfrontiert wird, erst einmal dagegen verwahrt", kommentiert der Generalsekretär des Wissenschaftsrats, Thomas May, die Kritik. Doch bringe es die Diskussion nicht voran, wenn die Betroffenen sich nun in ihren Positionen einbetonierten. "Wir haben versucht, dem Land Vorschläge für Umstrukturierungen zu machen. Und damit sollten sich jetzt alle in der Sache auseinandersetzen."

Das Argument, dem Wissenschaftsrat habe es bei seinen weitreichenden Empfehlungen zur Business School der Wirtschaftswissenschaften an der notwendigen Expertise gemangelt, will May nicht gelten lassen. Im Fall der Saarbrücker Betriebswirtschaft habe sich die Kommission zusätzlich von einem Fachgutachter aus der Schweiz beraten lassen, so der Generalsekretär des Wissenschaftsrats. "Ich halte an allen Vorschlägen fest. Man muss außerdem keine fachspezifische Detailanalyse machen, um bei mehr als 50 Professoren am Standort Saarbrücken zu diesem Ergebnis zu gelangen."

Die besonders schwierigen Rahmenbedingungen für das Gutachten seien zudem von vornherein sämtlichen Beteiligten im Saarland bekannt gewesen. "Die Landesregierung hat uns die finanziellen Zwänge erklärt." Höchst bedauerlich sei aus Sicht des Wissenschaftsrats dabei allerdings der Umstand, dass die Gutachter angesichts der sich abzeichnenden tiefgreifenden Veränderungen nur sechs Monate Zeit für ihre Arbeit bekommen hätten. "In einem halben Jahr ist eine fundierte Analyse aller Fächer vollkommen ausgeschlossen", so der Generalsekretär des Wissenschaftsrats.

Auch am Entwicklungskonzept des Präsidiums der Saar-Universität übten die Gutachter des Wissenschaftsrats Kritik. Thomas May: "Ich verstehe, dass Herr Linneweber jetzt nicht gut auf mich zu sprechen ist." Aber schon aus finanziellen Gründen würden die vom Präsidenten der Saar-Universität erarbeiteten Leitlinien der Uni-Entwicklung den Vorgaben der Landesregierung nicht gerecht. Das Entwicklungskonzept der Universität aus dem Jahr 2012 "kommt auf etwa 70 Millionen Einsparungen bis 2020". Gefordert sei aber angesichts der neuen Vorgaben der Landesregierung "knapp der doppelte Betrag". Das Uni-Präsidium sei zudem nach der Methode Rasenmäher vorgegangen und habe sich "um strukturelle Konsequenzen erkennbar zu wenig gekümmert".

Die Kommission des Wissenschaftsrats habe dagegen bei ihren Überlegungen zur Zukunft der Hochschule immer die Frage in den Mittelpunkt gestellt, wie die einzelnen Fachbereiche an die zentralen Leistungsträger der Universität angeschlossen sind. "Aber natürlich können wir auch nicht davon ausgehen, dass das jetzt alles eins zu eins umgesetzt wird." Wichtig sei es nun, so May, "schnell die Kurve hin zu einem konstruktiven Dialog zu bekommen". Für solche Gespräche sei auch er bereit. Im Fall der Business School der Wirtschaftswissenschaften wäre möglicherweise schon viel gewonnen, wenn diese Diskussion von einem neutralen Moderator geleitet würde, so der Generalsekretär des Wissenschaftsrats.

In einem Punkt, so May, dürfe allerdings kein Zweifel herrschen. Der immer wieder kolportierte Betrag von 300 000 Euro, den das Gutachten gekostet haben soll, sei aus der Luft gegriffen. "Unsere wissenschaftlichen Gutachter arbeiten ehrenamtlich." Um die Saarland-Expertise in sechs Monaten schreiben zu können, sei in der Kölner Verwaltung des Wissenschaftsrats vorübergehend das Personal aufgestockt worden. Dieser Aufwand und die Reisekosten seien dem Land in Rechnung gestellt worden. "Bislang haben wir 72 000 Euro erhalten, insgesamt haben wir weniger als 100 000 Euro berechnet."