HTW legt Konzept zur Übernahme der Akademie der Saarwirtschaft ASW vor

Kostenpflichtiger Inhalt: Neue Option für Berufsakademie Saarland : HTW will ASW-Akademie übernehmen

HTW-Präsident Dieter Leonhard legt Konzept vor, um duales Studium im Land zu halten und das Angebot weiter auszubauen. Damit wäre die Übernahme der Akademie der Saarwirtschaft (ASW) durch eine private Hochschule aus Essen vom Tisch.

In die Diskussion über die Zukunft der Berufsakademie Saarland ist Bewegung gekommen. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hat einen Vorschlag für die Eingliederung der 1991 als Akademie der Saarwirtschaft gegründete duale Hochschule ASW mit ihren knapp 500 Studenten vorgelegt.

Die ASW kämpft schon länger darum, die schrumpfende Zahl ihrer Studenten zu stabilisieren. Doch die Chancen, ihre Zukunft allein zu bewältigen, stehen für die regional ausgerichtete Hochschule aus Neunkirchen nicht gut. Das liegt vor allem an der demographischen Entwicklung des Saarlands. Im Sommer des vergangenen Jahres habe die Mitgliederversammlung des ASW-Trägervereins das Präsidium beauftragt, eine langfristige Lösung zu suchen, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen. Er ist Präsidiumsmitglied der ASW.

Zum Jahreswechsel stand eine mögliche Übernahme durch die in Essen angesiedelte private Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) im Raum (wir haben berichtet). Das wiederum hat die Verfechter einer saarländischen Lösung für die Zukunft der ASW auf den Plan gerufen. Diese Alternative liegt seit der vergangenen Woche auf dem Tisch. Der Präsident der HTW, Professor Dieter Leonhard, schlägt ein Kooperationsmodell der Saarwirtschaft und der HTW vor, eine Möglichkeit wäre eine gemeinnützige Gmbh. Die heutigen ASW-Studenten wären künftig an der HTW in angegliederten Studiengängen eingeschrieben. Die Bachelor-Prüfungen würden nach HTW-Regeln abgelegt. Die Kosten würde die Hochschule den saarländischen Unternehmen in Rechnung stellen.

Die saarländischen Unternehmen behielten bei der HTW-Lösung Einflussmöglichkeiten auf die thematische Ausrichtung der dualen Ausbildung, die heutigen Strukturen der ASW könnten weitgehend übernommen werden, gleichwohl würden die Kosten sinken, weil ASW-Studiengänge von der Infrastruktur der zwölfmal größeren HTW profitierten, argumentiert Dieter Leonhard. Ihm gehe es bei diesem Vorschlag allerdings nicht darum, allein den Status quo zu erhalten. Der HTW-Präsident will in der Zukunft das Angebot dualer Studiengänge im Saarland deutlich ausbauen. Das sei zum Beispiel in den Sozialwissenschaften und im Bauwesen denkbar. Der HTW-Vorschlag müsse zwar noch rechtlich geprüft werden, ließe sich aber, falls die Landesregierung als Aufsichtsbehörde grünes Licht gebe, schnell umsetzen. „Das wäre zum nächsten Wintersemester möglich“, sagt Dieter Leonhard. Ein „sehr gutes Gespräch“, so die Sprecherin der Staatskanzlei, Marlene Mühe-Martin, habe es bereits gegeben. Als Nächstes werde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Landes, von ASW und HTW in den kommenden Wochen über Details dieses Vorschlags beratschlagen.

Und die Zeichen stehen offenbar günstig für die HTW. Denn Harald Beschorner, der Geschäftsführer der FOM und Kanzler der privaten Hochschule aus Essen, die mit 55 000 Studenten die größte private Einrichtung ihrer Art in Deutschland ist, will auf keinen Fall eine feindliche Übernahme der ASW betreiben. Die FOM, die mit Studiengängen für Berufstätige groß geworden ist, habe im vergangenen Sommer auf Bitten saarländischer Unternehmen in Saarbrücken eine Dependance einrichten wollen, um im Saarland ihre klassischen, berufsbegleitenden Studiengänge anbieten zu können, erklärt Beschorner. Bei der Vorstellung dieses Projekts bei der ASW sei dann an die Vertreter der Essener Hochschule der Vorschlag herangetragen worden, ein vollständiges Übernahmeangebot auszuarbeiten. Die FOM-Vertreter seien dabei davon ausgegangen, mit diesem Angebot ganz im Sinne der ASW zu handeln und über die Reaktionen, die dies zur Folge hatte, überrascht.

Im Grunde genommen ergänzten sich die Angebote von FOM und ASW, da der Trend heute auch im berufsbegleitenden Studium zum Masterabschluss gehe. Bis zu einem Drittel der frischgebackenen Bachelors strebt nach höheren akademischen Weihen und will den Master erreichen, hat im vergangenen Jahr die ASW-Präsidentin Rosemarie Clarner erklärt. Die ASW hat nur einen solchen berufsbegleitenden Studiengang im Programm.

 Dieter Leonhard, Präsident der HTW . Foto: Htw Saar/Iris Maria Maurer

Und wie geht es nun weiter? Wichtig für alle Studenten sei erst einmal zu wissen, dass sie in jedem Fall eine begonnene Ausbildung zu Ende bringen können, erklärt ASW-Geschäftsführer Professor Andreas Metz. Die Sprecherin der Staatskanzlei geht davon aus, dass eine Lösung bis zum Frühjahr möglich ist. Etwa zwei Monate geben auch die ASW-Präsidentin Rosemarie Clarner und Vizepräsident Michael Karrenbauer dem Entscheidungsprozess. Die ASW stehe dabei nicht unter Druck, so Rosemarie Clarner. Für die Hochschule sei es gut, nun zwischen zwei Optionen für eine langfristige Lösung wählen zu können, ergänzt Michael Karrenbauer. Wer auch immer die ASW am Ende übernehme, müsse sich verpflichten, das Studienangebot zumindest für einige Jahre weiterzuführen. Heino Klingen wünscht sich, dass die für die Zukunft des Saarlands wichtige duale Hochschule im Land gehalten werden kann. Und alle ASW-Präsidiumsmitglieder freuen sich darüber, dass dieses Thema bei der Landesregierung auf der Prioritätenliste nun ganz oben angelangt ist. Denn das sei in der Vergangenheit keineswegs selbstverständlich gewesen.