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Höhere Nachfrage nach Studienkrediten in der Corona-Krise

CHE-Studienkredit-Test : Höhere Nachfrage nach Studienkrediten in der Corona-Krise

Studierende müssen in der Pandemie verstärkt auf Darlehen setzen. Das beliebteste Angebot ist allerdings nicht auch das beste.

Die Zahl der neu abgeschlossenen Studienkredite ist in Deutschland seit Jahren rückläufig, die Corona-Krise könnte jetzt dem Angebot einen Aufschwung verschaffen. Der beliebteste Anbieter, die KfW, verzeichnete im Mai die dreifache Zahl der Anfragen. Auch andere Kreditgeber haben einen größeren Zulauf, wie aus dem aktuellen Studienkredit-Test des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hervorgeht.

Laut CHE hatten sich die Zahlen der Neuabschlüsse von 2014 bis 2019 von vormals 60 000 auf rund 33 000 nahezu halbiert. Auch das Bafög erlebe schon seit Jahren einen Bedeutungsverlust. Die Unterstützung der Eltern und Nebenjobs seien in jüngster Zeit die Eckpfeiler der Studienfinanzierung in Deutschland, sagt Ulrich Müller, Leiter politische Analysen beim CHE. Der Konjunktureinbruch durch die Corona-Pandemie treffe Studierende doppelt hart, weil ihnen dadurch beide Finanzierungsquellen wegzubrechen drohten. Viele Nebenjobs wurden in der Krise gekündigt und einige Eltern sind selbst von Kurzarbeit betroffen.

Im aktuellen CHE-Test unter 51 Anbietern von Studienkrediten, Bildungsfonds und Abschlussdarlehen heißt es nun, dass der überwiegende Teil der Anbieter eine signifikant höhere Nachfrage als in den Vorjahren beobachte. Auch für die kommenden Monate rechne man mit gesteigertem Interesse.

Vier von fünf Studierenden, die aktuell einen Kredit beziehen, nutzen den Studienkredit der KfW. Es ist zu erwarten, dass er auch in der Krise am stärksten zulegt, weil er im Rahmen der Bundes-Überbrückungshilfe für Studierende ein Jahr lang zinsfrei gezahlt wird und für ausländische Studierende geöffnet wurde.

Das beste Angebot habe die KFW dabei nicht, so das CHE. „Der KfW-Studienkredit hat als staatlich wahrgenommenes Produkt im Lauf der Zeit nahezu alle ernsthaften Konkurrenzangebote verdrängt, ist aber selbst nicht optimal konzipiert“ urteilt Müller. Optionen wie die Förderung eines Auslandsstudiums, die Finanzierung von Studiengebühren oder einmalige Sonderauszahlungen seien im Gegensatz zu anderen Kreditangeboten im KfW-Studienkredit nicht vorgesehen. „Zudem ist der KfW-Zinssatz von 4,36 Prozent, der nach dem zinsfreien ersten Jahr anfällt, der höchste aller Studienkredite im Test“, so Müller.

Die Kredit-Angebote der Anbieter seien alle seriös und gut gestaltet, so das CHE. Den besten Anbieter gebe es nicht, da die Kredite für die verschiedenen Zielgruppen Vor- und Nachteile haben. Die Studienkredite wurden in den Kategorien Kosten, Risikobegrenzung, Flexibilität, Kapazität und Zugang in eine Spitzen-, eine Mittel- und eine Schlussgruppe eingeordnet. Viele hätten in mehreren Bereichen die Spitzenkategorie erreicht.

www.che.de