Entscheider gesucht

Wer wird neuer Präsident der Saar-Uni? Die Antwort auf diese Frage wird frühestens am 20. Oktober gegeben. Nachdem der Universitätsrat seinen zweiten Wahlgang in der vergangenen Woche abgeblasen hat, wird die Entscheidung damit deutlich später als gedacht fallen. Wir haben die Studenten der Saar-Uni gefragt, was sie von dieser Situation halten.

Es sah nach einem Showdown aus, doch im letzten Moment wurde er abgesagt. Eigentlich sollte am vergangene Donnerstag der Universitätsrat im zweiten und letzten Wahlgang über die Besetzung des Amtes des Uni-Präsidenten entscheiden. Dieser war nötig geworden, weil sich im ersten Durchgang die beiden zuständigen Wahlgremien nicht einigen konnten. Der Senat entschied sich mit großer Mehrheit für Professor Dirk Bähre, der Uni-Rat votierte ebenso deutlich für Professor Uwe Hartmann. Während der Senat seine Wahl inzwischen bestätigt und sich damit endgültig festgelegt hat, setzt der Uni-Rat auf weitere Sondierungsgespräche. Damit ist die Entscheidung fürs erste vertagt.

Wie würden sich die Studenten verhalten, wenn sie die Auseinandersetzung zwischen Uni-Rat und Senat entscheiden könnten? Soll dem Votum des Senats oder des Universitätsrats bei der Abstimmung über das Präsidentenamt mehr Gewicht zuerkannt werden? Um diese Frage ging es in einer Umfrage der SZ-Hochschulredaktion, unmittelbar nachdem der Uni-Rat am Donnerstag die Verschiebung der entscheidenden Abstimmung auf den 20. Oktober angekündigt hatte.

Viele Studenten müssten sich davor allerdings erst einmal gründlich über den Stand der Dinge informieren. Sie haben vom Machtkampf, der sich seit dem Frühling hinter den Kulissen der Univerwaltung abspielt, noch nicht viel mitbekommen, zeigte die Befragung, an der 24 Studenten teilnahmen.

Psychologiestudentin Lena Müller (21) ist der Ansicht, dass die Regelung des saarländischen Hochschulgesetzes, das Senat und Uni-Rat bei der Wahl gleichstellt, angemessen ist. "Ich finde, dass das seine Berechtigung hat", sagt sie. "Oft ist es auch gut, eine neutrale Meinung von außen zu haben. Daher finde ich es fair, dass beide gleiches Stimmrecht haben."

Severin Talesman studiert Mathematik und Sport. Er spricht sich ebenfalls im Prinzip für ein gleiches Stimmgewicht aus. "Ich bin für Gewaltenteilung".

Julian Kohlbrecher (18), ebenfalls Psychologiestudent, ist da anderer Meinung: "Ich würde dem Senat mehr Macht einräumen. Die sind ja mittendrin."

Für den Fall, dass Senat und Universitätsrat auch im zweiten Wahlgang unterschiedlich abstimmen, wird laut Hochschulgesetz die Entscheidung über den nächsten Universitätspräsidenten außerhalb des Campus getroffen. In diesem Fall wäre sie in die Hände von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) gelegt. Das wollen allerdings die Vertreter beider Uni-Gremien unter allen Umständen verhindern. Und auch Psychologiestudent Marcel Weber (23) wäre davon nicht begeistert. "Die Entscheidung sollte von den Gremien getroffen werden, dafür sind sie ja da. Es ist schade, dass es schon so weit kommen musste." Marcel Weber schlägt vor, einen Kompromisskandidaten zu suchen, um die Angelegenheit zu entschärfen.

Julia Ruhl (19) studiert ebenfalls Psychologie. Sie kann ebenfalls nicht verstehen, dass bislang keine Entscheidung gefallen ist und ist gegen ein Votum der Ministerpräsidentin. "Ich finde, die Gremien sollten sich einigen können", betont sie.

Auch Marie Christener (28), Studentin der Historisch-Orientierten Kulturwissenschaften, kann nichts Gutes daran erkennen, sollte die Entscheidung verlagert werden. Sie fände es "ziemlich schlecht, da dann nur eine Person bestimmt, wer zukünftig die Universität leiten wird." Um eine Pattsituation zu überwinden wäre vielleicht ein gemeinsamen Gremium geeignet, das aus Mitgliedern des Senat und des Uni-Rats zusammengesetzt sein sollte, lautet ihr Vorschlag.

Computerlinguist Christian Wellner (26) sieht das Eingreifen von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer dagegen als weniger problematisch an. Er ist im Gegenteil der Meinung, dass es "ganz sinnvoll wäre, dass es im Streit zweier Parteien einen Schlichter gibt."