Eine Fakultät im Ausnahmezustand

Eine Fakultät im Ausnahmezustand

Die Raumnot an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) nimmt immer ernstere Züge an. Nun müssen die Wirtschaftswissenschaften wegen Bauarbeiten teilweise nach St. Ingbert verlagert werden.Auf dem HTW-Campus in Alt-Saarbrücken soll nun der letzte Bauabschnitt in Angriff genommen werden. Bis zum Jahr 2018 entsteht an der Malstatter Straße ein neues Zentralgebäude, in das unter anderem die Mensa einziehen soll.



Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) packt die Umzugskisten. Allerdings geht es nicht in das seit über einem Jahr leer stehende, sanierte HTW-Hochhaus in Alt-Saarbrücken, sondern nach St. Ingbert. In dem ehemaligen Gebäude der ASW-Berufsakademie Saarland in der Kohlenstraße werden Teile der Wirtschaftswissenschaften der HTW für das Wintersemester 2014/15 untergebracht (wir haben berichtet). Grund sind laut Steffen Hütter, Dekan der Wirtschaftswissenschaften der HTW, bis zum März 2015 andauernde Sanierungsarbeiten in Büros und Hörsälen auf dem Campus Rotenbühl, der eigentlichen Heimat der Fakultät.

Ursprünglich war geplant, dass die Wirtschaftswissenschaftler während der Bauarbeiten in die Räume der Architektur-Studenten auf dem Campus Rotenbühl ziehen. Die sollten schon seit einem Jahr im HTW-Hochhaus residieren, wie auch die Sozialwissenschaftler vom Campus Rastpfuhl. Da für das Hochhaus aber keine Genehmigung vorliegt, darf die HTW die Räume nicht nutzen. Die Wirtschaftswissenschaftler mussten sich eine neue Bleibe suchen. In St. Ingbert fanden sie das ehemalige ASW-Gebäude, das der Karlsberg Brauerei in Homburg gehört.

Eine Fakultät, drei StandorteNeun Hörsäle sind darin untergebracht. "400 Personen passen gleichzeitig hinein", so Steffen Hütter. Insgesamt muss die Fakultät aber 2000 Studenten unterbringen. Deshalb werden zum Teil noch Räume auf dem Campus Rotenbühl genutzt, die nicht von den Bauarbeiten betroffen sind, sowie sieben Säle, die das Gymnasium am Rotenbühl in Saarbrücken zur Verfügung stellt. Die Professoren, deren Büros ebenfalls saniert werden müssen, werden für diesen Zeitraum in der Schubertstraße in der Saarbrücker Innenstadt untergebracht. Damit hat die Fakultät der Wirtschaftswissenschaften der HTW im Wintersemester 2014/15 drei verschiedene Standorte.Das hat Dekan Steffen Hütter und seine Mitarbeiter dazu gezwungen, ganz neue Stundenpläne für die 2000 Studenten zu erarbeiten. "Es werden täglich bis zu 1000 Studenten zwischen dem Campus Rotenbühl und dem Campus St. Ingbert pendeln müssen", kündigt Hütter an. 200 Studenten werden dort permanent Seminare und Vorlesungen besuchen und nicht pendeln. Das gleiche gilt auch für die 500 Studenten, die auf dem Rotenbühl bleiben werden.

Findet an einem Tag eine Veranstaltung in Saarbrücken und die nächste in St. Ingbert - oder umgekehrt - statt, liegt zwischen beiden Kursen immer eine Freistunde. Eine Buslinie verbindet die HTW in Alt-Saarbrücken in einer halben Stunde mit dem ASW-Gebäude - bei so vielen Studenten ein Härtetest für den öffentlichen Nahverkehr. Wer mit dem eigenen Auto kommt, muss sich in der Innenstadt einen Parkplatz suchen. "Es wird zum Semesterbeginn am 20. Oktober ein Chaos in St. Ingbert geben", prognostiziert Hütter. "Es gibt zehn Parkplätze vorm Gebäude und die sind für die Professoren." Die umliegenden Parkflächen sind kostenpflichtig. Der Parkraum, den die Wirtschaftswissenschaftler in St. Ingbert vermissen, gewinnt ihre Hochschule jetzt ausgerechnet am Standort Goebenstraße in Saarbrücken hinzu. An der Stadtautobahn soll zum Semesterbeginn das neue HTW-Parkdeck eingeweiht werden, das 450 Autos Platz bietet.

"Als Student hätte ich das Gefühl, dass die Qualität meines Studiums leidet", sagt Hütter. In St. Ingbert gibt es keine Bibliothek und keine Mensa. "Das sind schlechtere Bedingungen als an den anderen Standorten."

"Die Landesregierung verlangt von unserer Hochschule Effektivität. Das geht aber nur, wenn die Fakultät an einem Ort liegt", kritisiert Hütter. Am Land sei es, dafür zu sorgen, dass die Hochschule über Infrastrukturen verfüge, mit denen sie ihren Lehrauftrag erfüllen kann. "Wir brauchen einen Generalstab, der eine planbare, operationelle Situation für unsere Studenten schafft", fordert der HTW-Dekan. So sei zum Beispiel noch nicht geklärt, wo die Studenten im Sommer 2015 unterkommen werden. Vorerst soll St. Ingbert eine Notlösung für das Wintersemester bleiben. "Ich könnte auch damit leben, wenn es heißt, St. Ingbert wird zur Dauerlösung. Aber dann brauchen wir ein ordentliches Krisenmanagement."

Brückenschlag in Alt-Saarbrücken

Neuer HTW-Zentralbau soll mit dem Haus des Wissens verbunden werden

Auf dem HTW-Campus in Alt-Saarbrücken soll nun der letzte Bauabschnitt in Angriff genommen werden. Bis zum Jahr 2018 entsteht an der Malstatter Straße ein neues Zentralgebäude, in das unter anderem die Mensa einziehen soll.


Saarbrücken. Von der "größten Investition in der Geschichte unserer Hochschule" sprach im Jahr 2008 Wolfgang Cornetz, der damalige Rektor der HTW, bei der Vorstellung der Ausbaupläne für den Campus in Alt-Saarbrücken. Ein neues Technikum, eine Erweiterung des Hauptgebäudes und daran anschließend der Umbau des einstigen Hauses der Gesundheit sollten der schon damals unter Raumnöten leidenden Hochschule für Technik und Wirtschaft Luft verschaffen - ein alles in allem auf 54 Millionen Euro taxiertes Mammutprojekt. 3600 Studenten waren damals eingeschrieben, Tendenz stark steigend.

Sechs Jahre und drei Wissenschaftsminister später zählt die HTW 5700 Studenten, sie ist immer noch über vier Standorte verteilt und wartet nach wie vor auf ihre neuen Räume. Der Umbau des einstigen Saarbrücker Gesundheitsamtes ist mittlerweile zwar abgeschlossen, wegen einer seit eineinhalb Jahren dauernden Auseinandersetzung zwischen Investor und Bauaufsichtsbehörden über die Brandschutzeinrichtungen aber nicht abgenommen (wir haben mehrfach berichtet).

Über diesem seit dem vergangenen Jahr dauernden Streit ist das zweite große Bauprojekt auf dem HTW-Gelände aus dem Fokus der Aufmerksamkeit gerutscht. Das sogenannte Zentralgebäude bildet die Erweiterung der Hochschule zur Malstatter Straße hin, von seiner Westseite soll eine Fußgängerbrücke zum Problembau auf der anderen Straßenseite führen. Das mittlerweile in der Planung von fünf auf drei Stockwerke geschrumpfte Zentralgebäude wird knapp 3000 Quadratmeter Nutzfläche bieten und unter anderem die Mensa, eine Bibliothek, mehrere Hörsäle und Seminarräume enthalten, heißt es im Finanzministerium.
Einweihung bis 2018

Das ehemalige Gebäude der ASW-Berufsakademie Saarland in St. Ingbert wird ab dem 20. Oktober für Lehrveranstaltungen der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der HTW genutzt. Foto: Mayer. Foto: Mayer
Das ehemalige Gebäude der ASW-Berufsakademie Saarland in St. Ingbert wird ab dem 20. Oktober für Lehrveranstaltungen der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der HTW genutzt. Foto: Mayer. Foto: Mayer

Nach der im März 2013 abgeschlossenen Planung suchte das Ministerium, so Daniel Kempf, Leiter des Ministerbüros, europaweit einen Generalübernehmer für das Projekt. Die Ausschreibungsfrist endet heute, zwei Bieter sollen noch im Rennen sein. Zu den Kosten des HTW-Zentralbaus äußerte sich das Finanzministerium mit Hinweis auf das laufende Bieterverfahren nicht. Nach dem Streit um den Brandschutz im HTW-Hochhaus auf der anderen Seite der Malstatter Straße seien allerdings auch die neuen Baupläne brandschutztechnisch noch einmal nachgearbeitet worden.

Nach dem Ende der Ausschreibung soll im Finanzministerium bis zum Ende des Jahres über die Angebote entschieden werden. Falls der Landtag zu Beginn des kommenden Jahres dem Projekt zustimme und der Bau im zweiten Halbjahr 2015 beginne, so Daniel Kempf, könne die Hochschule mit ihrem neuen Zentralgebäude zum Wintersemester 2017/18 rechnen.