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Drei Forscher der Saar-Universität erhalten den ERC Starting Grant

Auszeichnung für Professoren der Saar-Uni : Hohes Lob für den Professoren-Nachwuchs

Drei Wissenschaftler der Saar-Universität erhalten den ERC Starting Grant des Forschungsrats der Europäischen Union.

Die Saar-Uni hat beim jüngsten Wissenschaftswettbewerb des Europäischen Forschungsrats (ERC) ein überdurchschnittliches Ergebnis eingefahren. Beim sogenannten ERC Starting Grant – mit dieser Auszeichnung der EU werden Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet – holten die Saarbrücker Fachbereiche der Hochschule drei der insgesamt 88 an deutsche Universitäten vergebenen Forschungspreise ins Saarland (wir haben berichtet). Das war deutlich mehr als nach der Statistik zu erwarten gewesen wäre. Die mit jeweils 1,5 Millionen Euro für fünf Jahre dotierten Auszeichnungen gehen in die Computerlinguistik, die Pharmazie und die Chemie.

Vera Demberg, sie ist Professorin für Informatik und Computerlinguistik, ist eine der drei Preisträgerinnen der Saar-Uni. Sie befasst sich in ihrem Forschungsprojekt „Individualized Interaction in Discourse“ mit der Frage, wie Computer Menschen bei der Lösung von Problemen besser unterstützen können.

Digitale Helfer scheren heute in der Regel alle Nutzer über einen Kamm. Die Folge: Der Laie versteht nur Bahnhof und der Experte schaltet ab. Chatbots der Zukunft sollen sich künftig auf ihr menschliches Gegenüber einstellen können und zum Beispiel ihre Ansprache abhängig vom Kenntnisstand des Gesprächspartners wählen. „Ziel meines Forschungsprojektes ist es, dass sich die automatisch generierte Sprache in ihrer Ausdrucksweise an den individuellen Nutzer anpasst. Dadurch möchte ich Missverständnisse reduzieren und dafür sorgen, dass Menschen auf möglichst natürliche Weise mit Computern kommunizieren können“, sagt die Saarbrücker Computerlinguistin. Das betreffe sowohl Form als auch Inhalt des Hilfsangebots.

Ein Computersystem solle künftig zum Beispiel erkennen können, ob es mit einem Fachmann oder einem Anfänger kommuniziert. Dem Spezialisten würde es dann Erläuterungen in der jeweiligen Fachsprache geben, dem Laien eine detailliertere Version in einfacher Sprache. Mögliche Anwendungsfelder sieht die Wissenschaftlerin in Dialogsystemen, die Sachverhalte erklären und zusammenfassen. Im Auto könnte die Technik Fahrassistenz-Systeme ermöglichen, die ihre Ausdrucksweise wie ein echter Beifahrer der Verkehrslage anpassen können.

Gregor Fuhrmann ist ein weiterer Nachwuchsforscher der Saar-Universität, der mit einem ERC Starting Grant ausgezeichnet wurde. Der Pharmazie-Professor sucht am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung in Saarbrücken nach Wirkstoffen gegen multiresistente Keime. Im Mittelpunkt stehen dabei die sogenannten Bakterien-Vesikel. Der Begriff ist vom lateinischen vesicula („Bläschen“) abgeleitet. Mit ihnen bezeichnen Biologen winzige bläschenförmige Strukturen, die von der Bakterienoberfläche abgeschnürt werden. Sie messen nur Mikrometer (tausendstel Millimeter).

Der Apotheker und Arzneimittelforscher geht in seinem Forschungsprojekt der Frage nach, ob bakterielle Vesikel zur Bekämpfung von Infektionen genutzt werden können. Diese Bläschen transportieren Botenstoffe von Bakterium zu Bakterium, aber auch Substanzen, mit denen die Einzeller ihre Konkurrenten zu bekämpfen versuchen.

Gregor Fuhrmann untersucht vor allem sogenannte Myxobakterien, die eine Vielzahl von Naturstoffen mit antibiotischer Wirkung produzieren. Die stäbchenförmigen Myxobakterien machen sich gern über andere Mikroben her. Die Einzeller, die im Boden und in verrottendem Holz leben, besitzen etwa ein Drittel der Gene des Menschen.

Wissenschaftler des Saarbrücker Instituts der Helmholtz-Gesellschaft untersuchen Myxobakterien bereits seit Jahren, denn sie produzieren eine Vielzahl von Naturstoffen mit antibiotischer Wirkung und die sind wiederum als Ausgangssubstanzen für neue Antibiotika interessant. „Unsere Idee ist es, Myxobakterien dazu anzuregen, Wirkstoffe gegen spezifische krankmachende Keime zu produzieren – und diese dann aus den Bakterien-Vesikeln zu gewinnen“, erläutert Gregor Fuhrmann die jetzt preisgekrönte Forschungsidee.

Dominik Munz ist Professor für Koordinationschemie an der Saar-Universität. Er untersucht in Saarbrücken molekulare Bindungen in Substanzen, die für die Energiespeicherung, für Solarzellen und in der Arzneimittelproduktion genutzt werden können. Die molekularen Bindungen sollen so verändert werden, dass neue Verfahren zur Herstellung von Bio-Kraftstoffen wie Ethanol möglich werden.

Statt die Energie des Sonnenlichts wie bisher über Solarzellen ins Stromnetz zu speisen oder in Batterien zu speichern, wobei große Teile verloren gehen, könne Sonnenlicht so eines Tages direkt für die Synthese von Methanol oder Wasserstoff genutzt werden, berichtet die Saar-Universität.

 Dominik Munz
Dominik Munz Foto: Universität des Saarlandes/Thorsten Mohr
  Gregor Fuhrmann
Gregor Fuhrmann Foto: Universität des Saarlandes/Oliver Dietze
 Vera Demberg
Vera Demberg Foto: Universität des Saarlandes/Thorsten Mohr

Das Grundprinzip, die chemischen Bindungen der Elemente gezielt so zu verändern, dass sie effizienter für die Synthese neuer Substanzen genutzt werden können, lasse sich nicht zur auf die Energiespeicherung und -gewinnung anwenden. Denkbar sei auch das Design neuer Wirkstoffmoleküle für Arzneimittel oder die Produktion neuartiger Solarzellen.