Dieter Leonhard, der neue Präsident der HTW Saar, hat einiges vor

Eine Hochschule steht vor Veränderungen : Zukunftsdebatte an der HTW

Professor Dieter Leonhard ist seit dem Jahreswechsel Präsident der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Er will an der HTW eine umfassende Diskussion über die künftige Ausrichtung der Ingenieurwissenschaften in Saarbrücken anstoßen.

„Evolution, nicht Revolution“ – so lautet das Arbeitsmotto des neuen Präsidenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken (HTW). Gleichwohl hat die Wahl von Professor Dieter Leonhard, der sein Amt zum Jahreswechsel angetreten hat, die HTW in eine Situation gebracht, die man in der Sprache der Informatik mit einem „Reset“ bezeichnen könnte. Das neue Jahr beginnt für die HTW nicht nur mit einem Wechsel im Präsidialamt, sondern gleichzeitig mit einem neuen Globalhaushalt, der die Ziel- und Leistungsvereinbarungen für die kommenden drei Jahre festschreibt. Den habe der Senat der Hochschule in seiner jüngsten Sitzung grundsätzlich zustimmend zur Kenntnis genommen. Allerdings sei bislang noch unklar, mit welchen Zahlungen die HTW aus den Bund-Länder-Programmen zur Hochschulfinanzierung rechnen könne.

Insgesamt hält der neue HTW-Präsident die Ziel- und Leistungsvereinbarungen für „ambitioniert, aber realistisch“. Zwei Zahlen seien ihm dabei wichtig: 6000 Studenten zählt die Saarbrücker Hochschule insgesamt, in jedem Jahr verlassen sie 900 Absolventen. Und das solle auch in Zukunft so bleiben. Um diese Werte stabil zu halten, werde sich die HTW angesichts der demografischen Entwicklung des Saarlandes allerdings einiges einfallen lassen müssen.

Dass das Studienangebot weiterentwickelt werden müsse, verstehe sich von selbst. Der neue HTW-Präsident setzt auf die Stärkung des Deutsch-Französischen Hochschulinstituts, das große Kooperationsprojekt mit der Université de Lorraine, und das Weiterbildungsprogramm. Hier sind jeweils 450 Studenten eingeschrieben. Wichtig sei ihm darüber hinaus, trotz eines klaren Bekenntnisses zur regionalen Verankerung der Hochschule, deren Internationalisierung voranzutreiben, hatte der HTW-Rektor schon kurz nach seiner Wahl im vergangenen Herbst erklärt. „Wir werden nicht beliebig viele Ingenieure aus dem Saarland rekrutieren können.“

Mit einem neuen Studiengang für die Ausbildung von Hebammen könne die HTW dann wiederum auch beim akademischen Nachwuchs zu Hause punkten. Über die Einrichtung dieses Studiengangs seien sich Hochschulleitung und Landesregierung bereits im Grundsatz einig. Doch bislang seien die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür noch nicht geklärt.

Größte Baustelle des neuen Präsidenten sind allerdings die Ingenieurwissenschaften. Denn in diesem Fach werden in den kommenden vier Jahren ein Dutzend Professoren in den Ruhestand gehen. Vor der Neubesetzung dieser Professuren will Leonhard, der selbst Ingenieurwissenschaftler ist, an der Hochschule eine umfassende Diskussion über die künftige Ausrichtung dieses Fachs führen. Dabei werde es ebenso um den Bedarf der saarländischen Wirtschaft gehen, wie um die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die in Zukunft immer wichtiger werde. Der neue Hochschulpräsident geht davon aus, dass sich die Aufgabengebiete der Ingenieure in Zukunft erheblich erweitern werden und hofft durch diesen Wandel auch mehr junge Frauen ansprechen zu können. „Wie könnten die Ingenieur­wissenschaften im Jahr 2050 aussehen?“ Das sei die Diskussion, die jetzt an der HTW geführt werden müsse. „In diesem Jahr werden wir wissen, wohin die Reise geht.“

Das hofft Leonhard auch beim zweiten großen Thema der HTW, das mit dem ersten allerdings eine große Schnittmenge hat. Es geht um den nächsten Erweiterungsbau der Hochschule. Die Ingenieurwissenschaften benötigten ein neues Laborgebäude am Standort Alt-Saarbrücken. Der Plan, der von Dieter Leonhards Amtsvorgänger Wolrad Rommel entwickelt wurde, ist bereits seit zwei Jahren in der Diskussion. Standortfavorit ist derzeit das unmittelbar an die HTW angrenzende Gelände der Stadtwerke in der Hohenzollernstraße in Alt-Saarbrücken. Eine Lösung, die auch der neue HTW-Präsident favorisiert, denn er möchte die derzeit über mehrere Dependancen verteilte Hochschule möglichst am Wissenschaftsstandort Saarbrücken konzentrieren. „Eine Hochschule mit mehr als zwei Standorten halte ich für schwierig.“

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