Die Informatik der Saar-Uni feiert ihr Jubiläum am Tag der offenen Tür

Geburtstag der Informatik : Das Erfolgsmodell der Saar-Universität

Die Informatik feiert ihren 50. Geburtstag am 25. Mai beim Tag der offenen Tür auf dem Saarbrücker Campus.

Dass die Informatik eine Wissenschaft ist, mit der Laien ihre liebe Not haben, das hat unter anderem mit dem Fachkauderwelsch dieser Disziplin zu tun. Eine Vokabel aus IT-Slang allerdings klingt im Saarland seltsam vertraut, auch wenn ihre Bedeutung rätselhaft bleibt. Was mag wohl „Let’s have a dagstuhl“ bedeuten?

Der Begriff sei abgeleitet vom Internationalen Begegnungszentrum der Leibniz-Gesellschaft für Informatik Schloß Dagstuhl, erklärt dessen einstiger Leiter Professor Reinhard Wilhelm. „The dagstuhl“ stehe bei vielen seiner angelsächsischen Forscherkollegen für einen Fachkongress zu Informatik-Themen. Verbürgt sei die Anekdote eines IT-Doktoranden aus den Vereinigten Staaten, der beim ersten Besuch im Saarland angesichts eines Hinweisschildes auf „Schloß Dagstuhl“ verblüfft registriert habe, dass diese Vokabel auch noch eine ganz andere Bedeutung besitzt.

In diesem Jahr feiert die Informatik im Saarland nun einen runden Geburtstag. 50 Jahre wird sie alt. Die Saar-Uni nimmt das zum Anlass, auf ihre Leuchtturm-Wissenschaft mit mehreren Veranstaltungen am 25. Mai beim Tag der offenen Tür hinzuweisen.

Zu den charakteristischen Eigenschaften von Leuchttürmen gehört allerdings auch, dass ihr Licht aus weiter Ferne immer gut zu sehen ist, während es an ihrem Fuß meist düster bleibt. So hat es im Saarland geraume Zeit gedauert, bis sich die internationale Bedeutung der Informatik, in der heute elf Prozent aller Studenten der Saar-Universität eingeschrieben sind, allgemein herumgesprochen hatte. 400 Wissenschaftler arbeiten heute allein an der Saar-Universität an IT-Themen. Die Fachrichtung hat laut CHE-Ranking pro Kopf die höchste Drittmittelquote (über 260 000 Euro) aller öffentlichen Hochschulen in Deutschland. Werden auch die Institute am Rand des Saarbrücker Campus in die Rechnung mit einbezogen, wächst die Zahl der Informatikforscher sogar auf 800.

Welche Bedeutung der Saarbrücker IT-Schwerpunkt bereits in den 1990er Jahren international erreicht hatte, taten sich Saarbrücker Wissenschaftler damals schwer, öffentlich zu erklären. Es hätte zu sehr nach Eigenlob geklungen. Sprüche, wie Saarbrücken sei die „geheime Hauptstadt der Informatik“ kursierten nur in Expertenzirkeln. Spätestens mit dem Durchbruch in der Exzellenz-Initiative, dem Wissenschaftswettbewerb der deutschen Hochschulen, im Jahr 2007 hat sich das allerdings geändert.

Die Gründung der Saarbrücker Informatik datiert aufs Sommersemester 1969. Anfangs galt die „Angewandte Mathematik“ wie sie damals auch hieß, bei Vertretern alteingesessener Campus-Disziplinen als eine Wissenschaft ohne Zukunft. Und tatsächlich hing ihre Existenz nur fünf Jahre nach dem Start – drei der vier Gründungsprofessoren hatten den Campus verlassen – für kurze Zeit am seidenen Faden, erklärt Reinhard Wilhelm. Mit der Wiederbesetzung der Professuren habe dann aber ein stetiger Aufstieg begonnen, der zunächst zu mehreren wissenschaftlichen Sonderforschungsbereichen geführt habe. Es folgten das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und die beiden Informatik-Institute der Max-Planck-Gesellschaft.

Mit dem Saarbrücker Helmholtz-Zentrum für Computersicherheit Cispa hat das Saarland nun auch eine Großforschungseinrichtung des Bundes für sich gewonnen. Wenn das Cispa im kommenden Jahrzehnt seinen Endausbau erreicht hat, könnte die Zahl der Informatiker noch einmal um etwa 500 wachsen. Dabei sind Stellen, die durch Drittmittelprojekte, Ausgründungen und den geplanten IT-Park entstehen, noch nicht mitgerechnet.

Als „faszinierende Erfolgsstory“ beschreibt der 2014 emeritierte Informatik-Professor Reinhard Wilhelm die Entwicklung seines Fachs im Saarland. Möglich gemacht habe diesen Erfolg der für die „Saarbrücker Informatik“ typische Stil der Zusammenarbeit, der nicht nur von extremem Ehrgeiz und großer Leistungsbereitschaft geprägt sei, sondern vor allem von ausgeprägtem Teamgeist.

 Das sei „eine tolle Truppe, die sich auch durch Niederlagen nicht unterkriegen lässt“. Damit spielt Reinhard Wilhelm auf den Rückschlag der Informatik in der jüngsten Runde der Exzellenzinitiative an. Da hatten die IT-Forscher ihren Entwurf eines neuen Forschungsclusters nicht durchbekommen. Es gebe eben keine Erfolgsgarantie auf diesem hohen Niveau wissenschaftlicher Forschung. Die Voraussetzungen, dass es beim nächsten Mal besser klappt, hält Reinhard Wilhelm allerdings für sehr gut. „Denn dieser Standort ist hervorragend.“

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