Die Elite-Schmiede der Saar-Universität

Saarbrücken. Dass die Informatik an der Saar-Universität zu den ersten Adressen ihrer Zunft zählt, hat sich nach dem neuerlichen Erfolg der Saar-Universität bei der Exzellenz-Initiative herumgesprochen

Saarbrücken. Dass die Informatik an der Saar-Universität zu den ersten Adressen ihrer Zunft zählt, hat sich nach dem neuerlichen Erfolg der Saar-Universität bei der Exzellenz-Initiative herumgesprochen. Der Fokus der Aufmerksamkeit liegt dabei allerdings vornehmlich auf dem Exzellenz-Cluster "Multimodal Computing and Interaction", auf den auch der Löwenanteil der finanziellen Förderung von insgesamt gut 41 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren entfällt. Die ebenfalls zum zweiten Mal mit dem Exzellenz-Siegel ausgezeichnete Graduiertenschule der Saar-Uni hat dagegen keinen Anlass, ein Übermaß an Aufmerksamkeit zu beklagen - ein Umstand, der ihrem Sprecher, dem Informatik-Professor Raimund Seidel, allerdings eher zu behagen scheint. Wegen der in den vergangenen Jahren gewaltig gewachsenen Bedeutung des Informatik-Standorts Saarbrücken habe die Graduiertenschule auf besondere Werbung für ihre Angebote weitgehend verzichtet, um "Kollegen nicht in Bedrängnis zu bringen", so Seidel, und um eine Neiddiskussion an anderen deutschen Informatik-Standorten zu vermeiden.Informatiker werden in Deutschland händeringend gesucht. Die Zahl der Hochschulabsolventen - rund 19 000 im Jahr 2011 - reicht nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure bei Weitem nicht, um alle freien Stellen zu besetzen, und die Konkurrenz unter den Hochschulen um die besten Köpfe ist hart. "Wir zielen auf die besten fünf Prozent der Studenten eines Jahrgangs", erklärt die Geschäftsführerin der Graduiertenschule Michelle Carnell. Kein Wunder bei den hochgesteckten Zielen, die Raimund Seidel bei aller Bescheidenheit im Auftritt unmissverständlich formuliert: "Wir wollen zu den zehn besten Informatik-Promotionsprogrammen der Welt gehören." Ziel der Saarbrücker Graduiertenschule ist es damit nicht, möglichst viele Informatiker auszubilden, sondern möglichst die besten - und die möglichst aus der ganzen Welt. Sie umfasst die komplette Doktorandenausbildung der Informatik, betreut werden 340 Promotionskandidaten in unterschiedlichen Stufen ihrer akademischen Ausbildung.

Zu ihnen gehören Raphael Reischuk (27) aus Lübeck, der sich im Herbst 2005 als Erstsemester in Saarbrücken einschrieb und 2008 in die Graduiertenschule wechselte und Juhi Kulshrestha (26) aus Neu Delhi, die seit Herbst 2009 an der Saar-Uni studiert. Für Reischuk, der in diesem Jahr der erste Absolvent sein wird, der die Schule mit dem Doktortitel verlässt, war die Wahl seiner Uni keine Frage: "Saarbrücken ist der beste Standort." Dafür spreche allein die schiere Zahl exzellenter Wissenschaftler auf dem Campus.

Für Juhi Kulshrestha, die mit einem Bachelorabschluss in Physik und einem Master in Telekommunikationswissenschaften aus Indien ins Saarland kam, war die Saar-Uni schlicht "perfekt". Die 26-jährige Informatik-Studentin, die im vergangenen Jahr ein Forschungsstipendium des Internet-Konzerns Google ("Google European Fellowship") erhielt, arbeitet auf dem Gebiet Sozialer Netzwerke, Raphael Reischuk forscht zu Sicherheit in Computernetzen, ein Thema, das in Zukunft große Bedeutung gewinnen wird, weil immer mehr Daten ins Internet verlagert werden. Beide sind sich darüber im Klaren: "Wir haben hier Privilegien, aber wir müssen auch sehr hart arbeiten."

Die Auswahlkriterien für die Studienplätze an der Graduiertenschule sind streng, die Bewerber kommen aus aller Herren Länder, erklärt Michelle Carnell. Viele Bewerbungen gebe es derzeit aus der Ukraine, aus dem Iran, aus Indien, Pakistan, China und Griechenland, ein Viertel der im vergangenen Jahr aufgenommenen Studenten kam aus Deutschland. Zweimal 25 Plätze im Jahr sind zu vergeben, in der drei Semester langen Vorbereitungsphase können sich die Studenten voll auf ihre Wissenschaft konzentrieren und Themen erkunden und werden mit 800 Euro im Monat unterstützt. Kein Wunder, dass die Zahl der Interessenten anfangs sehr hoch war - 900 Bewerbungen gab es noch im Frühjahr 2010, so Carnell. Mittlerweile sei die Zahl deutlich gesunken, die Qualität aber gestiegen.

Die Graduiertenschule der Saar-Uni zeichnet sich durch eine Besonderheit aus, die dem US-Hochschulsystem entlehnt ist. Hier können sich Studenten mit einem Bachelor-Abschluss direkt für ein Promotionsstudium bewerben. Sollte ein Student, der das Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen hat, feststellen, dass die Informatik doch nicht seine Sache ist, bleibt als Ausstiegsoption ein Masterabschluss. Das ist eine Möglichkeit, die aber nur für eine winzige Minderheit in Betracht kommt. Die Aussteigerquote liege unter zehn Prozent, so Seidel und Carnell. "Wir zielen auf die besten fünf Prozent eines Jahrgangs."

Michelle Carnell, Koordinatorin der Graduiertenschule

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